Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2014

16:16 Uhr

Hunderte Millionen Euro

So teuer ist die Suche nach Flug MH370

Einen Monat ist Flug MH370 bereits verschwunden, wirkliche Erfolge hat die Fahndung nach der Maschine der Malaysian Airlines noch nicht gebracht. Die Kosten für die Suche explodieren dagegen in ungeahntem Ausmaß.

Erneut mögliche Signale von MH370 empfangen

„Ich glaube, wir suchen in der richtigen Gegend“

Erneut mögliche Signale von MH370 empfangen: „Ich glaube, wir suchen in der richtigen Gegend“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

SydneyDie Suche nach dem Flugzeug MH370 der Malaysian Airlines wird die teuerste in der Geschichte der Luftfahrt werden. Einen Monat, nachdem das Flugzeug verschwunden ist, hat die Suche bereits weit mehr 44 Millionen US-Dollar (32 Millionen Euro) verschlungen. Mit 44 Millionen Dollar sind bereits die Kosten erreicht, die die zweijährige Suche nach dem 2009 abgestürzten Air France-Flugzeug AF447 gekostet hat – die bis dato teuerste Suche, die zwei Jahre gedauert hatte.

Dabei sind die 44 Millionen US-Dollar bereits jetzt sogar nur ein Teil der bereits aufgewendeten Summe. Sämtliche militärische Mittel Großbritanniens, Frankreichs oder Südkoreas sind in der Rechnung noch nicht enthalten, auch die Kosten für zivile Flugzeuge, Unterkunft für die Hunderte von Mann starten Suchteams sowie Analysten weltweit sind damit längst nicht abgedeckt. Experten gehen laut der Nachrichtenagentur Reuters davon aus, dass Summe für die eingesetzten Flugzeuge, Schiffe, U-Boote und Satelliten noch auf mehrere hundert Millionen Euro steigen wird.

Flug MH370 – Was ist geklärt, was nicht?

Vom Radar verschwunden

Flug MH370 von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord verschwindet zwei Stunden nach dem Start von den Radarschirmen. Ein Überblick über die geklärten und ungeklärten Fragen.

Was ist geklärt? (1)

Die Boeing 777-200 verschwand bei gutem Wetter. Zwei Stunden nach dem Start war die Maschine eigentlich in der sichersten Phase eines Flugs, auf der Reisehöhe von rund 10.000 Metern. Es gab keinen Notruf, und die Bordcomputer sendeten keinen automatischen Alarm an die Bodenkontrolle, wie bei technischen Problemen eigentlich üblich. Im Cockpit saß ein erfahrener Pilot. Die Fluggesellschaft gilt als sehr zuverlässig, die Boeing ebenfalls.
Der Funkkontakt brach vor der vietnamesischen Küste ab. 154 der 239 Insassen waren chinesische Staatsbürger. Malaysia Airlines bot den Flug gemeinsam mit China Southern an.

Was ist geklärt? (2)

An Bord waren zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen. Diese waren ihren Besitzern, einem Italiener und einem Österreicher, 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden. Die Reisedokumente wurden bei der Passkontrolle nicht mit der Datenbank von Interpol abgeglichen.
Vier Reisende checkten ein, gingen aber nicht an Bord. Ihr Gepäck wurde vor dem Abflug wieder ausgeladen. Mittlerweile ist wahrscheinlich, dass sie illegal nach Europa einreisen wollten, sie also vermutlich nichts mit dem Absturz der Maschine zu tun hatten.

Was ist ungeklärt? (1)

Wo ist die 70 Meter lange Maschine mit 60 Metern Spannweite geblieben? Obwohl Dutzende Schiffe und Flugzeuge das Meer zwischen Malaysia und Vietnam absuchen, sind bislang weder Wrackteile noch der Flugschreiber gefunden worden.

Was ist ungeklärt? (2)

Warum drehte die Maschine ab? Wie konnte sie so lang von den Radars verschwinden. Aufschluss darüber könnte die Blackbox geben. Die Suchteams suchen fieberhaft danach, denn lange können die Akkus in der Regel nicht mehr halten.

Die Hauptlast unter den 26 Nationen, die sich an der Suche beteiligen, trägt bisher Australien, das die Suche nach Wrackteilen und Blackbox im indischen Ozean koordiniert. Die Hälfte der Kosten gehen auf das Konto von Down Under. Alleine der Einsatz der beiden Schiffe „HMAS Success“ der australischen Marine verschlingt pro Tag über 500.000 US-Dollar.

Insgesamt wandern so täglich allein auf die australische Rechnung 800.000 australische Dollar. Australiens Premierminister Tony Abbott beeilte sich derweil zu betonen, dass die Kosten keine Rolle spielten. Sie seien ein Bestandteil der internationalen Verantwortung.

Dennoch könnten die hohen Kosten andere Operationen der australischen Verteidigungskräfte (ADF, Australian Defence Force) beeinträchtigen. Unter anderem gerät langsam aber sicher die australische Regierung unter Druck, Geld an anderer Stelle einzusparen, etwa beim Projekt „Operation Sovereign Borders“, bei dem indonesische Boote mit Asylsuchenden vor Australiens Küste abgefangen werden.

Angus Houston, Air Chief Marshal a. D. und verantwortlich für die von Australien geführte internationale Suche, kündigte an eine Gesamtschätzung der Kosten zu einem späteren Zeitpunkt geben zu wollen. „Es ist eine Menge Geld“, sagte er.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×