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21.01.2005

16:00 Uhr

Hunderte nahmen Abschied von „Mosi“

Immobilienhändler ist Haupterbe von Moshammer

Eine Woche nach dem Mord an Rudolph Moshammer haben hunderte Münchner am Freitag Abschied von dem Modeschöpfer genommen.

Erinnerungsbild des am 14.01.2005 ermordeten Modeschöpfers Rudolph Moshammer. Foto: dpa

Erinnerungsbild des am 14.01.2005 ermordeten Modeschöpfers Rudolph Moshammer. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Zu den Klängen von Mozarts Streichquartett defilierten sie in der Münchner St. Lukas Kirche an dem mit einem weißen Blumenmeer bedeckten Mahagoni-Sarg vorüber. Der 64 Jahre alte „Mosi“ wird an diesem Samstag beigesetzt. Zu der Trauerfeier in der Allerheiligen- Hofkirche werden 400 geladene Gäste erwartet.

Moshammer war am vergangenen Freitag erdrosselt in seinem Haus gefunden worden. Der mutmaßliche Mörder, ein 25-jähriger Iraker, gab an, Moshammer habe den vereinbarten Liebeslohn nicht zahlen wollen. Als Haupterben hat der Modeschöpfer seinen Geschäftspartner, den Immobilienhändler Walter Käßmeyer (76) eingesetzt. Er soll das auf mehrere Millionen Euro geschätzte Erbe im Sinne Moshammers verteilen. In seinen Vermächtnissen hat der 64-Jährige unter anderem Obdachlose und seinen langjährigen Chauffeur bedacht. Auch für seine Hündin Daisy ist gesorgt. Sie soll laut „Bild“-Zeitung zusammen mit dem Chauffeur in dem Anwesen Moshammers in Grünwald leben dürfen.

Schon am frühen Freitagmorgen warteten Dutzende Menschen vor der Lukaskirche, um sich von Moshammer zu verabschieden. Der Sarg wird für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben. Allein in der ersten Stunde trugen sich rund 300 Menschen in das Kondolenzbuch ein. „München wird Dich vermissen“, war dort zu lesen, und: „Danke, dass Du gelebt hast“. Das Trauerkomitee aus Freunden des Modeschöpfers hat insgesamt 10 000 Sterbebildchen drucken lassen, die bis zum Samstag an die Trauernden verteilt werden.

Ob Haupterbe das Erbe antritt ist noch unklar

Der Pfarrer der evangelischen Lukaskirche, Helmut Gottschling, sagte, Moshammer sei zwar aus der Kirche ausgetreten, jedoch sei er der Gemeinde durch sein Engagement für die Obdachlosen eng verbunden gewesen. Die Entscheidung für die Aufbahrung sei auf Anfrage des Freundeskreises gefallen. „Wir möchten den Menschen, die Abschied nehmen möchten, dafür einen würdigen Rahmen geben“, sagte Gottschling. Das Bedürfnis der Menschen nach einem bewussten Abschied sei auch an der Modeboutique Moshammers deutlich geworden, wo sich seit dessen Ermordung Blumen und Abschiedsbriefe häufen.

Von dem Vermögen Moshammers sollen laut „Bild“-Zeitung der von Moshammer gegründete Verein „Licht für Menschen ohne Obdach“ ein Bankguthaben sowie den Gewinn aus der Versteigerung eines originalen Napoleon-Hemdes erhalten. Allerdings gibt es Unklarheiten um den Verein. Medienberichten zufolge soll er nur auf dem Papier bestanden haben. Moshammers Yorkshire-Hündin Daisy darf bis zu ihrem „natürlichen Tod“ in dem Nobel-Anwesen in Grünwald leben. Danach soll die Villa für wohltätige Zwecke verkauft werden. Der Chauffeur erbt dem Bericht zufolge die Eigentumswohnung in München, in der er schon lebt. Auch die Haushälterin des Modeschöpfers und die Pächterin des Restaurants „Hundskugel“ würden finanziell versorgt.

Der Haupterbe und Geschäftspartner Käßmeyer hat keine Erklärung abgegeben, ob er das Erbe antreten will, sagte der Präsident des Amtsgerichts München, Gerhard Zierl. Zeitungsberichten zufolge ist Käßmeyer seit 1966 zu 50 Prozent an Moshammers Boutique beteiligt. Er soll „Mosi“ einst einen Kredit von 230 000 Euro gewährt haben, damit dieser sich aus einfachen Verhältnissen hocharbeiten konnte, schreibt „Bild“.

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