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20.04.2015

06:49 Uhr

Hunderte Tote

EU erwägt Sondergipfel zur Flüchtlingskrise

Wieder ein Flüchtlingsdrama, wieder Hunderte Tote: Ein Überlebender berichtet von 950 Menschen an Bord des jüngsten Unglücksbootes. Rufe nach einem Eingreifen der EU werden lauter. Ratspräsident Donald Tusk wird aktiv.

Flucht nach Europa

Küstenwache rettet nach Hilferuf Flüchtlings-Baby

Flucht nach Europa: Küstenwache rettet nach Hilferuf Flüchtlings-Baby

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RomEs ist mitten in der Nacht, die Flüchtlinge in dem voll besetzten Fischerboot sind verzweifelt. Sie haben um Hilfe gerufen, ein portugiesischer Frachter nähert sich. Die Migranten wollen die Retter erreichen und klettern auf eine Seite des Bootes. Daraufhin kentert ihr Schiff, Hunderte Menschen stürzen ins Meer und ertrinken. So rekonstruieren die Einsatzkräfte die erneute Flüchtlingstragödie im Mittelmeer, bei der hunderte Flüchtlinge vor der Küste Libyens ertrunken sein könnten. Das Entsetzen in Italien und Europa ist groß.

Nach Angaben eines Überlebenden sollen sich 950 Menschen in dem gekenterten Schiff befunden haben. Ein Mann aus Bangladesch habe Staatsanwälten, die ihn in einem Krankenhaus befragt hätten, die Situation an Bord des Fischerboots beschrieben, sagte Staatsanwalt Giovanni Salvi der Nachrichtenagentur AP am Sonntag telefonisch aus der sizilianischen Stadt Catania. Dem Überlebenden zufolge waren Hunderte Insassen von Schmugglern in den Laderaum des Schiffs gesperrt worden.

Salvi sagte, es gebe noch keine Bestätigung für die Angaben des Mannes, demzufolge rund 200 Frauen und Dutzende Kinder unter den Passagieren waren. Die Behörden hatten zuvor erklärt, ein Überlebender der Havarie habe gesagt, dass sich 700 Menschen an Bord befunden hätten. Ob es sich um dieselbe Person handelte, war zunächst unklar.

EU-Ratspräsident Tusk erwägt die Abhaltung eines Krisengipfels der Europäischen Union zur Flüchtlingspolitik. Tusk werde mit den Staats- und Regierungschefs der EU beraten und dann eine Entscheidung treffen, sagte sein Sprecher am Sonntagabend in Brüssel. Tusk selbst teilte über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit, er habe nach der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer bereits mit dem maltesischen Regierungschef Muscat gesprochen. Nun folgten weitere Gespräche mit den EU-Kollegen. Zuvor hatte bereits Italiens Regierungschef Renzi die Einberufung eines Krisengipfels gefordert.

Von welchen Flughäfen die Menschen abgeschoben werden

2747

2747 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Frankfurt abgeschoben.

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage der Linken (16. Februar 2015)

1711

1711 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Düsseldorf abgeschoben.

1130

1130 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Berlin-Tegel abgeschoben.

817

817 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen München abgeschoben.

638

638 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Hamburg abgeschoben.

509

509 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Berlin-Schönefeld abgeschoben.

348

348 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Baden-Baden abgeschoben.

260

260 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Hannover abgeschoben.

227

227 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Stuttgart abgeschoben.

135

135 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Leipzig abgeschoben.

26

26 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Köln/Bonn abgeschoben.

8

Acht Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Bremen abgeschoben.

1

Eine Person wurde im Jahr 2014 über den Flughafen Dresden abgeschoben.

„Eine der größten Tragödien, die jemals im Mittelmeer geschehen ist“, sagte Carlotta Sami, Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, dem TV-Sender Rai. „Die Grausamkeit der Schleuser ist unglaublich, sie haben das Boot bis zum Unmöglichen gefüllt.“ Tausende Migranten fahren jede Woche von Afrika aus ab, fliehen vor Krieg, Konflikten, Verfolgung, Hunger und Verzweiflung. Immer wieder kommt es zu Unglücken, Hunderte überleben die gefährliche Überfahrt nicht.

Als die Retter am Sonntag am Unglücksort nördlich der libyschen Küste eintreffen, können sie kaum noch etwas tun. Küstenwache und Marine suchen mit Dutzenden Booten und Hubschraubern hektisch nach Überlebenden. Doch die Einsatzkräfte können nur noch Leichen bergen, 24 tote Körper haben sie bis zum Mittag aus den Fluten gefischt. Das Wasser hat 16 Grad, die meisten der Flüchtlinge konnten zudem wohl nicht schwimmen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat indes schockiert und tief betrübt über die jüngste Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer reagiert. In einer Mitteilung der Vereinten Nationen beklagte Ban am Sonntag in New York, das Mittelmeer habe sich zur „tödlichsten Route“ für Asylsuchende und Flüchtlinge weltweit entwickelt. Die internationale Antwort auf dieses Problem müsse umfassend und gemeinschaftlich sein.

Die Aufgabe liege nicht nur in einer verbesserten Seerettung. Es müsse auch das Recht auf Asyl für die wachsende Zahl von Menschen garantiert werden, die vor Krieg flüchteten und sichere Zufluchtsstätten suchten.

Ban dankte der italienischen Regierung für ihre Anstrengungen und rief die internationale Gemeinschaft zur Solidarität und zum Mittragen der Lasten angesichts der Krise auf. Beim Untergang eines Flüchtlingsschiffes vor Libyen waren Hunderte von Menschen ums Leben gekommen.

Kommentare (5)

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Herr Niccolo Machiavelli

20.04.2015, 07:48 Uhr

Eins ist klar: Wir haben bereits jetzt viel zu viele Flüchtlinge, Asylbewerber oder wie man sie immer nennen mag.

WIr müssen die Leute zurück schicken.

Ferner müssen wir verhindern, dass überhaupt noch Boote aus Afrika auslaufen, als: die kriminelle Schleusermasche als größtes Übel im Kein ersticken.

Herr Wilfried Runft

20.04.2015, 08:03 Uhr

Man kann nur noch den Kopf schütteln über das dumme Geschwätz von Schulz. Zu behaupten, Europa wäre Einwanderungsland, verleitet die Schleuserbanden zu verstärkten Aktionen. Wir können aber nicht halb Afrika bei uns aufnehmen. Es muss klar festgestellt werden, dass die überwiegende Zahl der Bootsflüchtlinge Armutsflüchtlinge sind. Damit solch grauenhafte Ereignisse sich nicht häufen muss erste Priorität sein, die Infrastruktur der Schleuserbanden zu zerstören und das Auslaufen dieser maroden Schiffe zu verhindern.

Herr Paul Rimmele

20.04.2015, 08:10 Uhr

Die Lösung des Problems kann nicht die "totale Einwanderung" nach Europa sein.
Vor Ort müssen Lösungen gesucht und gefunden werden.
Die Staaten in Africa und Nahost sind nur bedingt dazu in der Lage, ihren Völkern lebesgerechte
Verhältnisse zu schaffen und zu garantieren.
Bedeutet, die EU sollte darüfer nachdenken, ganze Länder zu anektieen, dort zu investieren und
eine Übergangsverwaltung bis zur Stabilisierung dieser Staaten einzurichten.
Kolonialisierung in der etwas anderen Art; anders wird das nichts und es werden noch tausende
im Mittelmeer ertrinken.

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