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07.10.2016

03:19 Uhr

Hurrikan „Matthew“

„Der Sturm wird euch töten“

In Haiti hat Hurrikan „Matthew“ schwere Schäden verursacht und allein dort mehr als 260 Menschen getötet. US-Präsident Obama rief den Notstand für zwei Staaten aus. Floridas Gouverneur warnt mit drastischen Worten.

Hurrikan Matthew

Gruseliges Satellitenbild macht Schlagzeilen

Hurrikan Matthew: Gruseliges Satellitenbild macht Schlagzeilen

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Miami/Port-au-PrinceDer schwere Hurrikan „Matthew“ hat in Haiti allein in dem am stärksten betroffenen Department Sud mehr als 260 Menschen getötet. Das berichtete der Radiosender Metropole am Donnerstag unter Berufung auf den örtlichen Zivilschutz. Zuvor hatten die Behörden 108 Todesopfer im ganzen Land gemeldet, davon 26 im Department Sud.

„Der gesamte Westen der südlichen Halbinsel ist schwer getroffen worden“, sagte Holly Frew von der Hilfsorganisation Care im US-Fernsehsender CNN. „Wahrscheinlich wird die Zahl der Opferzahl noch weiter steigen.“

Der Wirbelsturm der Kategorie 4 hatte den Karibikstaat am Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde getroffen. Häuser wurden zerstört, Bäume knickten um, und Straßen wurden überschwemmt. Die besonders stark betroffenen Regionen Sud und Grand'Anse im Südwesten wurde vom Rest des Landes abgeschnitten.

Die Hauptstadt der Region Grand'Anse, Jérémie, sei zu weiten Teilen zerstört, sagte der Länderdirektor der Hilfsorganisation Care, Jean-Michel Vigreux. Alle Telefonverbindungen und die Stromversorgung seien zusammengebrochen. „80 Prozent der Häuser liegen in Trümmern. Die einzige Verbindungsstraße ist unpassierbar, und den Menschen gehen langsam Nahrung und Geld aus.“

Die UN-Blauhelmmission Minustah veröffentlichte Fotos aus Jérémie, die Straßen voller Schlamm und Schutt sowie eingestürzte Mauern zeigen. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 1,5 Millionen Menschen in Haiti von dem Hurrikan „Matthew“ betroffen, 350.000 benötigten Soforthilfe.

Hurrikan „Matthew“: Floridas Gouverneur warnt Küstenregionen

Hurrikan „Matthew“

Floridas Gouverneur warnt Küstenregionen

Hurrikan „Matthew“ hat bereits mehrere Todesopfer in der Karibik gefordert. Auf seinem Weg Richtung Bahamas kommt er auch der US-Küste gefährlich nahe. Floridas Gouverneur warnte die Küstenbewohner.

Das Hurrikan-Zentrum in Miami sprach von einem „extrem gefährlichen Sturm“, US-Präsident Barack Obama verhängte den Notstand für Florida und South Carolina. Floridas Gouverneur Rick Scott aktivierte 2500 Nationalgardisten. „Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor“, sagte er.

„Matthew“ hatte am Donnerstag wieder an Stärke gewonnen und steuert Florida als Hurrikan der zweitstärksten Kategorie 4 an - mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 220 Stundenkilometern.

Allein im Sonnenscheinstaat waren 1,5 Millionen Menschen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, und weitere Hunderttausende in Georgia und South Carolina - die größte Zwangsevakuierung seit dem schweren Sturm „Sandy“ im US-Osten im Jahr 2012. Insgesamt wurde für ein Gebiet mit elf Millionen Menschen eine Hurrikan-Warnung ausgegeben. Georgias Gouverneur Nathan Deal ordnete für sechs Bezirke an der Küste Evakuierungen an.

Experten nannten „Matthew“ den möglicherweise gefährlichsten Sturm seit „Andrew“, der vor 24 Jahren Florida getroffen hatte. Er richtete damals schwere Verwüstungen an und riss 65 Menschen in den Tod.

Hurrikan Matthew

Die Zahl der Todesopfer in Haiti ist auf 283 gestiegen

Hurrikan Matthew: Die Zahl der Todesopfer in Haiti ist auf 283 gestiegen

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„Bringt euch in Sicherheit, dies ist eure letzte Chance. Bleibt weg von den Stränden. Der Sturm wird euch töten“, appellierte Gouverneur Scott an die Küstenbewohner. Erwartet würden schwerste Sturmfluten, Überschwemmungen, Zerstörungen, heftiger Regen und Stromausfälle für Hunderttausende Haushalte.

Nach Vorhersagen der Meteorologen in Miami sollte „Matthew“ am Donnerstagabend (Ortszeit) als Hurrikan der zweitstärksten Kategorie auf einen Kurs nordwärts entlang der Küste einschwenken - in extremer Landnähe oder möglicherweise auch mit einem Landfall nach Mitternacht zwischen Fort Pierce und Melbourne. Auch die sogenannte Space Coast mit dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral galt als besonders gefährdet.

Aber auch wenn das Auge des Sturms auf seinem Zug nordwärts ganz über Wasser bleiben würde, sei wegen der Küstennähe mit möglicherweise katastrophalen Auswirkungen zu rechnen, warnte das Hurrikan-Zentrum.

Bereits am Donnerstagmorgen waren mehr als 1500 Flüge in den US-Südosten vorsorglich gestrichen worden. Der Flughafen Fort Lauderdale in Florida wurde geschlossen.

Die Eisenbahngesellschaft Amtrak stellte den Verkehr in die bedrohten Gebiete ein. An vielen Tankstellen bildeten sich lange Warteschlangen, in den Geschäften gab es einen Ansturm auf Notvorräte. Taschenlampen und Generatoren waren vielerorts ausverkauft.

Der Weltraumbahnhof der Nasa wurde am Donnerstag geschlossen. Mitarbeiter trafen letzte Sicherheitsvorkehrungen. Auch die Themenparks Disney World, Seaworld und Universal Studios in Orlando machten zu.

In der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) war „Matthew“ mit Windgeschwindigkeiten von 185 Stundenkilometern über die Bahamas gezogen. Zuvor hatte er vor allem in Haiti schwere Überschwemmungen und Verwüstungen angerichtet. Allein dort starben mindestens 108 Menschen, wie Innenminister François Anick Joseph mitteilte.

In der Dominikanischen Republik kamen vier Menschen ums Leben. 25 Häuser wurden zerstört und 54 Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten.

Berichte über schwerere Zerstörungen auf den Bahamas gab es zunächst nicht. Dagegen wurden in Haiti nach Behördenangaben mehr als 28.000 Häuser beschädigt; dabei seien die Schäden noch längst nicht im ganzen Land erfasst.

Auch Teile der Hauptstadt Port-au-Prince wurden überflutet. Im Slum Cité Soleil seien die Abwasserkanäle übergelaufen und viele behelfsmäßige Hütten weggespült worden, berichtete der Leiter der Malteser in der Region, Ravi Tripptrap. Caterina Becorpi vom Deutschen Roten Kreuz in Haiti sagte: „Zwischen Port-au-Prince und den Departments im Süden stürzte die wichtigste Brücke ein, zahlreiche Häuser und Felder wurden zerstört.“ Die USA schickten Militärhubschrauber und andere Hilfsleistungen in den Inselstaat.

Von

dpa

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