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18.12.2013

09:34 Uhr

Im Alter von 84 Jahren

Der legendäre Posträuber Biggs ist tot

Nach schwerer Krankheit ist der Ronnie Biggs gestorben. Der Brite war mit lange der meistgesuchte Mann Großbritanniens und eine Art Volksheld. 1963 hatte er mit seiner Bande Postzug von Glasgow nach London ausgeraubt.

Nach schwerer Krankheit

Postzug-Räuber Ronnie Biggs ist tot

Nach schwerer Krankheit: Postzug-Räuber Ronnie Biggs ist tot

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LondonDer legendäre britische Posträuber Ronnie Biggs ist Medienberichten zufolge am Mittwoch im Alter von 84 Jahren gestorben. Das meldeten sowohl der Sender Sky News als auch die Nachrichtenagentur Press Association unter Berufung auf anonyme Informanten. Biggs zählte zu einer 15-köpfigen Bande, die 1963 einen Postzug von Glasgow nach London ausgeraubt.

Biggs war es rund 35 Jahre lang gelungen, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Er war der meistgesuchte Mann Großbritanniens und dennoch auch eine Art Volksheld.

In der Nacht vom 8. August 1963 hatte Biggs gemeinsam mit 14 Komplizen den Postzug von Glasgow nach London überfallen. Bei dem Überfall auf den Postzug hatte seine Bande keine Waffen benutzt. Durch ein manipuliertes Signal brachte sie den Zug zum stehen und erbeutete etwa 2,6 Millionen Pfund. Das entspricht einem heutigen Gegenwert von etwa 45 Millionen Euro.

Nach wochenlanger Jagd nahm die Polizei Biggs und seine Komplizen fest. Doch er blieb nur 19 Monate im Gefängnis: Gemeinsam mit drei anderen Gefangenen kletterte Biggs mit einer Strickleiter über die Außenmauer des Gefängnisses und sprang in einen präparierten Möbelwagen. Über Paris und Melbourne floh er nach Rio de Janeiro.

Die britische Polizei blieb ihm jedoch stets auf den Fersen – allen voran der ehrgeizige Kommissar Jack Slipper. Einmal hätte er ihn fast geschnappt. Biggs hatte mit der britischen Boulevardzeitung „Daily Mail“ für 35.000 Pfund ein Exklusivinterview vereinbart. Zum Termin im Hotel Trocadero begrüßte ihn jedoch Kommissar Slipper mit den Worten: „Hallo Ronnie, lange nicht gesehen!“.

Brasilien machte Slipper jedoch einen Strich durch die Rechnung: Da Biggs mit der einheimischen Stripperin Raimunda de Castro ein Kind erwartete, durfte er nicht ausgewiesen werden. So musste Slipper unverrichteter Dinge zurück nach London fliegen.

In Brasilien blieb Biggs nicht mehr viel Geld übrig. Er hielt sich mit dem Verkauf von Souvenirartikeln wie Ronnie-Biggs-Kaffeebechern oder T-Shirts mit seinem Konterfei über Wasser. Außerdem soll er Touristen ein Frühstück mit einem echten Verbrecher und seinem Rottweiler namens „Blitzkrieg“ angeboten haben. 1979 nahm er mit den Sex Pistols den Song „No one is innocent“ auf – niemand ist unschuldig. Immer wieder sehnte sich Biggs jedoch nach Großbritannien zurück.

Seine Flucht endete schließlich im Jahr 2001. Er entschloss sich freiwillig nach Großbritannien zurückzukehren. Als er nach 35 Jahren am Londoner Flughafen wieder britischen Boden betrat, nahmen ihn 60 britische Polizeibeamte in Empfang. Biggs war geschockt und brach in Tränen aus. Als Biggs' Gesundheitszustand sich massiv verschlechtert hatte, begnadigte ihn 2009 der damalige britische Innenminister Straw. Biggs konnte nach mehreren Schlaganfällen zuletzt nicht mehr laufen, sprechen und essen.

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