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25.01.2004

18:50 Uhr

Im Zweiten Weltkrieg kam die Produktion zum Erliegen

"Tempo" wird 75

Am 29. Januar 1929 meldeten die Papierwerke Nürnberg „Tempo“ beim Reichspatentamt in Berlin als erste deutsche Papiertaschentuchmarke an. Und schon bald war „Tempo“ aus dem Alltagsleben nicht mehr weg zu denken.

HB HAMBURG. Hergestellt wird das „Tempo“ aus Holzfasern - langen Fasern von Nadelbäumen und kurzen Fasern von Laubbäumen. Die werden anschließend in kleine Chips gehäckselt und gekocht. Dieser Papierbrei wird dann getrocknet, zu großen Bahnen ausgerollt und anschließend

geschnitten. Jeweils vier Lagen davon ergeben ein Taschentuch.

Zehn Jahre nach der Markteinführung produzierte der Unternehmer Gustav Schickedanz, der die Nürnberger Papierwerke mittlerweile übernommen hatte, rund 400 Millionen Taschentücher. Im Zweiten Weltkrieg kam die Produktion zum Erliegen. Zehn Jahre nach Kriegsende, 1955, wurden dann erstmals mehr als eine Milliarde „Tempos“ hergestellt. Ende der 80er Jahre bleichen und falten 18 Taschentuchproduktionsanlagen täglich 80 Millionen Papiertaschentücher

.

„Tempo“ war mittlerweile derart erfolgreich und zur Weltmarke geworden, dass sich Anfang der 90er Jahre der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble für das Taschentuch interessierte. 1994 schluckten die Amerikaner die Vereinten Papierwerke Schickedanz AG (Neuss). 75 Jahre nach der Markteinführung rechnet das Unternehmen 2004 mit dem Verkauf von etwa 20 Milliarden Papiertaschentüchern.

Doch das „Tempo“ hat Konkurrenz bekommen. 60 Prozent aller weltweit benutzten Papiertaschentücher stammen aus der Produktion kleinerer Papierwerke mit unbekannten Namen. Konsumgüterexperten schätzen den Weltmarkt für Papiertaschentücher aktuell auf rund 26 Milliarden Euro - das entspricht etwa 14 Millionen Tonnen Papier. Marktführer in Europa ist der schwedische Hersteller SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget), der unter anderem die bekannten „Zewa“- Softies produziert.

Selbst in einem einfachen Alltagsgegenstand wie einem Papiertaschentuch steckt eine ganze Menge Ingenieurskunst. Von 1975 an wird das „Tempo“-Taschentuch in der so genannten „Z-Faltung“ angeboten, damit es auch mit einer Hand im Notfall schnell und einfach entfaltet werden kann. 1988 kommt die „wiederverschließbare Verpackung„ auf den Markt. Und seit 1998 verbinden verstärkte Kreuzungspunkte die Fasern des Taschentuchs wie Mikrobrücken und sorgen - jedenfalls meistens - für trockene Hände beim Naseputzen.

Dass Papiertaschentücher hygienischer sein sollen als Stofftücher, bestreiten Mediziner. „Jedes Taschentuch, das nur einmal verwendet wird, ist prinzipiell hygienischer als ein wiederholt verwendetes Tuch“, heißt es beim Berliner Robert-Koch-Institut. „Einmal benutzte und dann gekochte Stofftücher schützen genauso vor Selbstinfektionen mit Viren und Bakterien.“

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