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29.06.2011

09:48 Uhr

Imkerin Silke Helms

Die "Bienenkönigin" und die Waschbären

Mit zehn Jahren bekam Silke Helms ihr erstes Bienenvolk. Bis heute hat sie die Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Die Berufsimkerin stemmt sich gegen das Bienensterben durch die gefährliche Varromilbe. Im Wald hat sie jedoch einen weit schwergewichtigeren Feind.

Silke Helms im Wald bei Amelinghausen im Landkreis Lüneburg. Die Imkerin ist auf die Königinnenzucht spezialisiert. Quelle: dpa

Silke Helms im Wald bei Amelinghausen im Landkreis Lüneburg. Die Imkerin ist auf die Königinnenzucht spezialisiert.

Lüneburg, EmbsenIhr erstes Bienenvolk hat sie zu ihrem zehnten Geburtstag bekommen, von Papa, der war Hobbyimker. Seitdem ist Silke Helms nicht mehr losgekommen von diesen Tieren: Sie wurde sogar Berufsimkerin. Die Leidenschaft für ihren Beruf lässt ihr jetzt im Sommer kaum eine freie Stunde, denn es ist Erntezeit. „Von Mai bis August reicht eine 40-Stunden-Woche nicht aus“, sagt Helms.

Wie allen Imkern bereitet auch ihr das Bienensterben große Sorgen. Experten wie Werner von der Ohe vom Institut für Bienenkunde im niedersächsischen Celle führen den dramatischen Rückgang vor allem auf die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe zurück. „Dazu kommen zu den Pilzen zählende Mikrosporidien, von den Milben übertragene Viren und teilweise Nahrungsmangel“, sagt von der Ohe.

Er empfiehlt, gezielt Medikamente zu verwenden, erprobt aber auch andere Maßnahmen. „Von den Landwirten wünschen wir uns mehr Brachflächen und Blühstreifen, in denen die Bienen ihre Nahrung finden können“, sagt der Experte, der den Nutzen der Biene für die Artenvielfalt betont. „Die Bestäubungsleistung der Bienen ist ökonomisch etwa 15 mal höher einzuschätzen als das, was mit Honig, Wachs und anderen Produkten von den Imkereien erwirtschaftet wird. So kommen wir in Deutschland auf einen Wert von etwa 2,7 Milliarden Euro. Nach diesen Schätzungen gehört die Biene zu den drei wichtigsten Nutztieren bei uns nach Rind und Schwein.“

Imkerei in Zahlen

Die Population

In Deutschland gibt es rund 87.000 Imker mit insgesamt 750.000 Bienenvölkern - im Sommer können es nach Expertenschätzungen auch bis zu einer Million Völker sein. Bei bis zu 40.000 Bienen pro Volk sind dann bundesweit fast 40 Milliarden Tiere unterwegs. Das klingt nach einer gewaltigen Zahl, doch waren es vor 50 Jahren noch doppelt so viele.

Die Produktion

Jedes Bienenvolk produziert für den Eigenbedarf etwa 60 Kilogramm Honig im Jahr. Dazu kommen nach Angaben des Instituts für Bienenkunde im niedersächsischen Celle die 20 bis 60 Kilogramm, die der Imker erntet.

Ein Glas Honig, eine Biene

Um den Honig für eines der handelsüblichen 500-Gramm-Gläser zu sammeln, müsste eine einzelne Biene 40.000 mal ausfliegen. Dabei würde sie bis zu sieben Millionen Blüten besuchen und dreimal um die Erde fliegen.

Der deutsche Honigverbrauch

Insgesamt ernten allein die Mitglieder des Deutschen Imkerbundes jedes Jahr bis zu 25 000 Tonnen Honig. Das ist nur etwa ein Fünftel des deutschen Verbrauchs - der Rest wird importiert, überwiegend aus Südamerika. Die Deutschen gelten als Weltmeister im Honigverzehr und verputzen durchschnittlich rund 1,4 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Mehr als 99 Prozent der deutschen Imker betreiben die Imkerei nur als Hobby oder Nebenerwerb. Meist produzieren sie zwischen 150 und 400 Kilogramm im Jahr.

Menschliche Nahrung

Rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf Honigbienen als Bestäuber angewiesen. Mindestens 30 Prozent der menschlichen Nahrung stammen von bienenbestäubten Pflanzen.

Nüchtern betrachtet...

... ist Honig zunächst nur eine übersättigte Zuckerlösung. Rund 80 Prozent sind Zucker, darunter Frucht- und Traubenzucker. Dazu kommen jedoch wertvolle Inhaltsstoffe, die auch gegen Entzündungen und Mikroorganismen wie Bakterien helfen sollen.

Die Honigbiene

Honigbienen sind ökologisch und wirtschaftlich ungemein wertvolle Schwerstarbeiter. Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) produziert nicht nur Honig oder Wachs, sondern trägt mit der Bestäubung der Blüten entscheidend zur Nahrungsproduktion des Menschen bei. Vier Fünftel der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Arbeit der Bienen angewiesen, Obstbäume genauso wie Erdbeeren, Raps und Sonnenblumen.
Honigbienen, die anders als Wildbienen keine Einzelgänger sind und in Staaten mit bis zu 40.000 Tieren leben, sorgen für die Bestäubung und Samenbildung der Pflanzen.

Imkerin Helms hat beobachtet, dass inzwischen bis zu 30 Prozent der Tiere nicht mehr über den Winter kommen. „Früher waren es nur zehn Prozent“, sagt sie. Wenn die 42-Jährige über ihren Beruf redet, gerät sie richtig ins Schwärmen. „Die Bienen sind für mich noch immer faszinierende Wesen“, sagt Helms. „Und dann das Miteinander in der Natur, die Begegnung mit Hirschen und Wildschweinen, die Abwechslung und auch das Unberechenbare.“ Profis wie die 42-Jährige sind selten - mehr als 99 Prozent der deutschen Imker betreiben das Geschäft nur als Hobby oder Nebenerwerb.

Die Spezialität der gelernten „Tierwirtschaftsmeisterin Fachrichtung Bienenhaltung“ ist die Königinnenzucht - ihre Imkerei hat sie „Bienenkönigin“ genannt. „Eine gute Königin ist fruchtbar, friedlich und hält ihr Volk zum Honigsammeln an“, sagt Helms. „Friedlich“ sagt sie nur einmal, danach nur noch „nicht stichig“. Die Bienen von Silke Helms sind nicht stichig. Sagt sie.

Und dann geht es von der Imkerei bei Lüneburg in den Wald, mit dem Lieferwagen an Feldern vorbei über verschlungene Waldwege in einen lichten Kiefernforst. Dort stehen im Blaubeerkraut etwa 20 grüne Kisten, Beuten genannt. Beim Aussteigen zeigt sich: 250.000 Bienen summen nicht, sie erzeugen ein Dröhnen als würde ein kleines Düsenflugzeug starten.

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