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05.12.2014

16:00 Uhr

In der Vorweihnachtszeit

So werden Sie zum perfekten Nikolaus

VonNoah Gottschalk

Alle Jahre wieder: Die Kinder suchen in ihren Stiefeln nach Geschenken. Oder warten mit strahlenden Augen auf den Mann mit dem weißen Rauschebart. Doch auch ein Nikolaus kann viel falsch machen. Wie es richtig geht.

Wie läuft der Nikolaus? Was hat er an? Diese und weitere Fragen wurden bei der Nikolaus-Ausbildung in Köln geklärt. Noah Gottschalk

Wie läuft der Nikolaus? Was hat er an? Diese und weitere Fragen wurden bei der Nikolaus-Ausbildung in Köln geklärt.

KölnBesonders für die Kleineren ist der Nikolausabend in jedem Jahr ein Highlight. Wo der Mann im roten Mantel und dem weißen Vollbart auch auftritt, die Kinderherzen fliegen ihm zu. Theoretisch kann jeder in das Nikolauskostüm schlüpfen. Doch in der Praxis ist das schwieriger, als man denkt.

Das haben in Köln am vergangenen Samstag 22 ehrenamtliche Helfer aus ganz Deutschland erfahren. Denn sie ließen sich zum Nikolaus ausbilden und stellten dabei fest: Das ist ein Job, der deutlich mehr von einem verlangt, als nur Lieder zu singen und Geschenke zu verteilen.

Einer, der das Geschäft bestens kennt, ist Werner Lerdo aus Erpel in der Nähe von Bonn. „Ich habe in jedem Jahr so 15 Besuche“, sagt er. Lerdo ist Experte bei der Nikolaus-Ausbildung im Jugendpastoralen Zentrum in der Kölner Südstadt. Der 72-jährige ist schon lange als Nikolaus mit dabei.

Die verschiedenen Gabenbringer

Nikolaus

Seit rund 1000 Jahren zieht er um den 6. Dezember durchs Land und beschenkt brave Kinder. Oft stellen sie am Vorabend Stiefel vor die Tür, die nachts gefüllt werden. In manchen Gegenden kommt Nikolaus im Bischofsgewand. Um freche Kinder zu bestrafen, hat er oft den grimmigen Begleiter Knecht Ruprecht oder Krampus dabei. Der Heilige gilt als Verschmelzung von zwei historischen Persönlichkeiten: von Bischof Nikolaus von Myra (um 280 bis um 350) und vom 564 gestorbenen Abt Nikolaus des Klosters Sion.

Christkind

Nach der Reformation löste es in evangelischen Gebieten Sankt Nikolaus als Gabenbringer ab. Als Gegner der Heiligenverehrung ersetzte der Reformator Martin Luther den Heiligen Nikolaus durch das Christkind, das zwar den neugeborenen Christus darstellen sollte, oft aber als Mädchen im Engelsgewand erscheint. Heute schreiben vor allem Kinder aus den mehrheitlich katholischen Regionen Wunschzettel ans Christkind, Kinder aus protestantischen Gegenden an den Weihnachtsmann.

Weihnachtsmann

Der bärtige alte Mann reist Heiligabend auf einem fliegenden Rentierschlitten von Haus zu Haus und verteilt Geschenke. Seinen roten Mantel verdankt er wohl Sankt Nikolaus. Stiefel, Sack und Rute wurden von Knecht Ruprecht übernommen. Niederländische Auswanderer brachten Nikolaus (Sinterklaas) im 17. Jahrhundert mit nach Amerika. Aus dieser Figur entwickelte sich der amerikanische Santa Claus, der als Weihnachtsmann nach Europa zurückkehrte.

Lucia

In Schweden kommt zum Höhepunkt der Adventszeit am 13. Dezember die weiß gekleidete Lucia-Königin mit einem Kranz brennender Kerzen auf dem Kopf. Die traditionelle nordische Lichtergestalt erinnert an die Heilige Lucia, die um das Jahr 300 den Märtyrertod erlitt. An Heiligabend bringt dann der Weihnachtswichtel Jultomte schwedischen Kindern Geschenke.

Nisse

Der Name des Wichtels aus Dänemark ist von Nikolaus abgeleitet, seine rote Zipfelmütze erinnert an den Weihnachtsmann, in Dänemark Julemand genannt. Nisse ist der Brauch des Wichtelns in der Adventszeit zu verdanken. Dabei werden anonym kleine Geschenke verteilt. An Heiligabend wird Nisse zum Dank für seine Gaben ein Teller Brei vor die Tür gestellt.

Heilige drei Könige

In Spanien gibt es erst am 6. Januar Geschenke. Dann ziehen die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar mit ihren Gaben durch die Dörfer. Der Brauch geht darauf zurück, dass das Jesuskind zwar am 24. Dezember geboren wurde, die Könige aber erst im Januar eintrafen, um ihm zu huldigen.

Hexe Befana

In Italien bringt erst seit wenigen Jahren der Weihnachtsmann Geschenke. Früher mussten Kinder bis zum 6. Januar warten. Dann flog die Hexe auf ihrem Besen von Haus zu Haus. Ihr Name ist abgeleitet vom Fest Epiphanias (Erscheinung des Herrn) am 6. Januar. Der Legende nach verpasste sie die Bescherung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige. Seitdem sucht Befana jedes Jahr das Christkind. Bis sie es gefunden hat, beschenkt sie alle Kinder.

Seit 20 Jahren besucht Lerdo um den 6. Dezember Kindergärten, Schulen, Familien und Firmen. Gagen für seinen Besuch nimmt er nicht. Bekommt er aber etwas gespendet, unterstützt er damit einen Missionar und einen guten Freund in Chilé.

„Früher habe ich schlechte Erfahrungen mit dem Nikolaus gemacht. Knecht Ruprecht hat mir Angst eingeflößt“, erzählt Lerdo. Er wollte das besser machen und freut sich, dass „der heilige Nikolaus wieder zu einer Figur geworden ist, über die Kinder sich freuen“. Sein erster Tipp ist daher besonders wichtig: Bleiben Sie ein angstfreier Nikolaus, dem das Loben wichtiger als das Tadeln ist.

Denn darum gehe es beim Nikolausfest, sagt denn auch Pfarrer Dominik Meiering: „In der Adventszeit dreht sich heutzutage alles um den Kommerz. Der Weihnachtsmann mit dem Bademantel ist zu einer Figur geworden, die zum Kaufen animieren soll. Wir müssen uns fragen, wie man es erreichen kann, dass Menschen mal wieder eine besinnliche Stunde erleben und sich gegenseitig loben und wertschätzen. Dazu kann der Nikolaus beitragen.“

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