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21.01.2013

18:30 Uhr

Indien

Prozess gegen mutmaßliche Vergewaltiger vertagt

Die erste Anhörung im Gericht von Neu-Delhi war schnell vorbei: Das Verfahren wurde auf Donnerstag vertagt, und soll dann täglich fortgeführt werden. Den Angeklagten droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe.

Proteste vor dem Gericht in Neu-Delhi. dpa

Proteste vor dem Gericht in Neu-Delhi.

Neu-DelhiNach einer kurzen ersten Anhörung ist das Verfahren gegen die fünf mutmaßlichen Vergewaltiger einer indischen Studentin auf Donnerstag vertagt worden. Der Richter habe die Anwälte aufgefordert, ihre Eröffnungsplädoyers für Donnerstag vorzubereiten, sagte der Verteidiger, V.K. Anand am Montag in Neu-Delhi. Zudem habe das Gericht zugestimmt, das Verfahren täglich fortzuführen, um die sonst in Indien üblichen Verzögerungen zu vermeiden.

Zum Prozessauftakt forderte einer der Verteidiger, das bislang geschlossene Verfahren öffentlich zu machen. "Es gibt ein gewaltiges öffentliches Interesse an diesem Fall, also sollte alles offen vor Gericht ausgetragen werden", sagte der Anwalt A.P. Singh. Der Antrag wurde jedoch angesichts der Art des Verbrechens vom Gericht ablehnt.

Chronologie zur tödlichen Vergewaltigung in Indien

16.12.2012

Eine 23 Jahre alte Physiotherapie-Studentin wird in einem privaten Bus in Neu Delhi von sechs Männern vergewaltigt. Die Täter schlagen die Frau und einen Freund, der sie begleitet, und misshandeln sie mit zwei Eisenstangen.

17.12.

Die Polizei nimmt vier Verdächtige fest, später noch zwei weitere. Das Opfer schwebt in Lebensgefahr.

18.12.

Demonstranten gehen in mehreren Städten auf die Straße und fordern die Todesstrafe für Vergewaltiger. Die Opposition fordert im Parlament schärfere Gesetze, um Vergewaltigungen zu stoppen.

22.12.

Nach kleineren Studentenprotesten gehen in Neu Delhi Tausende auf die Straße. Die Polizei setzt Schlagstöcke, Tränengas und Wasserwerfer gegen die Menge ein.

23.12.

Die Proteste schlagen in Gewalt um - laut Polizei, weil sich Krawallmacher unter die Protestierenden mischen. Es gibt mehr als 100 Verletzte auf beiden Seiten.

25.12.

Ein Polizist, der bei den Demonstrationen verletzt worden war, stirbt im Krankenhaus.

26.12.

Die indische Regierung ordnet eine Untersuchung des Falls an. Die Kommission soll mögliche Versäumnisse der Polizei und anderer staatlicher Stellen herausfinden. Sie soll auch Maßnahmen für mehr Schutz und Sicherheit von Frauen vorschlagen.

27.12.

Der Gesundheitszustand der 23-Jährigen verschlechtert sich rapide, sie erleidet Hirnschäden und wird nach Singapur in eine Klinik für Organtransplantationen ausgeflogen.

29.12.

Die junge Frau stirbt an Organversagen. Tausende demonstrieren erneut gegen sexuelle Gewalt und für mehr Frauenrechte.

30.12.

Die Leiche der vergewaltigten Inderin wird in Neu Delhi nach traditionellen Riten verbrannt. Zwischen Demonstranten und Polizei kommt es erneut zu Auseinandersetzungen.

3.1.2013

Die Justiz erhebt Anklage wegen Mordes, Vergewaltigung und Entführung gegen fünf Beschuldigte. Ihnen droht die Todesstrafe. Das Alter des sechsten Beschuldigten wird noch geprüft.

4.1.

Indiens Innenminister kündigt an, die Regierung werde Gewalt gegen Frauen künftig „mit eiserner Hand“ bekämpfen.

5.1.

In einem Interview erhebt der Begleiter des Opfers schwere Vorwürfe. Passanten hätten zunächst nicht geholfen, die Polizisten überdies wertvolle Zeit verschwendet. Die Polizei weist dies zurück.

9.1.

Der Anwalt eines Beschuldigten behauptet, sein Mandant sei von Polizisten misshandelt worden, um ein Geständnis zu erzwingen.

14.1.

Mit mehreren Anträgen versuchen die drei Anwälte der Angeklagten, den Prozessbeginn hinauszuzögern.

16.1.

Eines der neuen Schnellgerichte, die nach dem Tod der Studentin eingesetzt wurden, fällt sein erstes Urteil und verhängt die Todesstrafe. Ein Mann hatte ein Kind missbraucht und ermordet.

13.03.2014

Der Fall der 23-Jährigen wurde von einer Richterin im Januar 2013 an ein Schnellgericht in Neu Delhi übergeben, landesweit sollen 2000 neue Richter für solche Schnellgerichte eingestellt werden. Im September 2013 sprach das Schnellgericht bereits Todesurteile gegen die meisten der Angeklagten aus. Nun bestätigte ein normaler Gerichtshof in Neu Delhi die Entscheidung, welche die Verteidigung angefochten hatte.

Den Angeklagten werden Mord und Vergewaltigung vorgeworfen. Sie sollen die 23-jährige Studentin am 16. Dezember in einem Bus vergewaltigt, brutal geschlagen und anschließend nackt auf die Straße geworfen haben. Die junge Frau erlag zwei Wochen später in einem Krankenhaus in Singapur ihren schweren Verletzungen, ihr ebenfalls misshandelter Begleiter überlebte den Überfall.

Im Falle einer Verurteilung droht den fünf Beschuldigten die Todesstrafe. Ein sechster Verdächtiger ist nach eigenen Angaben minderjährig und muss sich voraussichtlich vor einem Jugendgericht verantworten.

Das Verfahren am Montag begann vor einem neu eingerichteten Schnellgericht, das der in Indien grassierenden Gewalt gegen Frauen konsequenter und schneller nachgehen soll, als es bislang der Fall ist. Die fünf Beschuldigten erschienen am Montag mit vermummten Gesichtern im Gerichtssaal, um sie herum eine Phalanx von Polizisten.

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