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10.05.2012

11:48 Uhr

Indonesien

Alle Superjet-Passagiere sind tot

Erste Rettungskräfte haben die Trümmer des russischen Superjet 100 erreicht. Offenbar hat den Absturz niemand überlegt. Das Flugzeug habe einen Berg gerammt, nachdem es gestern vom Radar verschwunden war.

Überreste des Superjets im unwegsamen Gelände. AFP

Überreste des Superjets im unwegsamen Gelände.

CidahuDen Absturz eines russischen Superjets in Indonesien hat keiner der Insassen überlebt. Rettungskräfte, die am Donnerstag das Wrack der Unglücksmaschine in einer Bergregion südlich der Hauptstadt Jakarta erreichten, entdeckten nur Leichen, sagte ein Sprecher der nationalen Rettungsbehörde, Gagah Prakoso. „Es gibt keine Überlebenden.“ Die Helfer bereiteten sich nun darauf vor, die Toten für die Bergung vorzubereiten. Diese sei für Freitag geplant. Die genaue Zahl der Opfer konnten die Rettungskräfte zunächst nicht nennen.

Die Maschine des Typs Suchoi Superjet 100 war gestern bei einem Demonstrationsflug bei Jakarta vom Radar verschwunden. Die Suche musste wegen schlechten Wetters am Mittwoch zunächst unterbrochen werden. Der Vulkan Salak, wo die Maschine geortet worden war, liegt oft in Dunstschwaden. Die Crew hatte in ihrem letzten Radarkontakt gebeten, die zugewiesene Flughöhe zu verlassen und auf 1.800 Meter sinken zu dürfen. Warum, war zunächst unklar. Unter den Insassen waren neben der russischen Crew vor allem Vertreter von Fluggesellschaften und einige Journalisten.

Indonesische Bergungskräfte hatten ihre Suche kurz nach Tagesanbruch fortgesetzt. Ein Bewohner des nahegelegenen Dorfs Cidahu berichtete, er habe das Flugzeug noch in der Nähe des Gipfels gesehen. „Es schwankte hin und her, dann verschwand es. Ich hörte ein Geräusch wie explodierende Feuerwerkskörper, konnte aber nichts mehr sehen“, sagte der 41-jährige Juanda, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat.

Der Superjet ist ein neu entwickeltes Mittelstrecken-Passagierflugzeug, mit dem Russland seine Stellung auf dem Luftfahrtmarkt ausbauen will.

Das ist der Superjet 100

Kooperation mit Boeing

Der Superjet 100 des russischen Flugzeugherstellers Suchoi war von Anfang an auch für den westlichen Markt konzipiert. Im Jahr 2001 wurde ein Kooperationsvertrag mit dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing geschlossen. Boeing sollte Suchoi beraten.

Erster Passagierflug 2011

2006 bestellte Aeroflot als Erstkunde 30 Maschinen. Das Projekt wurde im selben Jahr offiziell Superjet 100 getauft. Der Erstflug erfolgte im Mai 2008. 2011 führte Aeroflot den ersten Passagierflug durch.

Platz für 110 Fluggäste

Der Superjet 100 kann bis zu 110 Passagiere aufnehmen. Ein Modell für 125 Passagiere ist angedacht. Der Superjet 100 ist ein zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug in Tiefdecker-Ausführung. Die Maschinen sollen in Russland vor allem die noch zahlreich eingesetzten Tupolew Tu-134 und Jakowlew Jak-42 ersetzen.

Absturz und Probleme

Bei einem Demonstrationsflug stürzte 2012 ein Flugzeug ab, alle 45 Insassen starben. Im selben Jahr wurden bei Aeroflot technische Probleme am Superjet 100 bekannt. Damals konnte nur ein Viertel der Maschinen im Flugbetrieb eingesetzt werden. Grund waren laut Aeroflot fehlende Ersatzteile und die Unzuverlässigkeit einzelner Komponenten. Ein Flug sei abgebrochen worden, weil die Klappen des Bugfahrwerks sich nicht geschlossen hätten, hieß es.

Kunden aus Russland und Asien

Neben der russischen Aeroflot ist die Billigfluggesellschaft Interjet aus Mexiko der wichtigste Kunde für den Superjet 100. Für VLM Airlines aus Belgien sollen bald zwei der Mittelstreckenjets fliegen. Daneben kommen die Kunden vor allem aus Russland oder Asien. Mehr als 150 Bestellungen sollen vorliegen.

Am Mittwoch sollte die Maschine Luftfahrtverantwortlichen und Journalisten vorgeführt werden. Nach Angaben des indonesischen Verkehrsministeriums sollte sie einige Runden über der Hauptstadtregion drehen und dann wieder auf dem Flughafen von Jakarta landen, als plötzlich jeder Kontakt zum Cockpit abbrach.

An Bord waren laut russischer Botschaft neben acht russischen Besatzungsmitgliedern 36 Passagiere. Der indonesische Suchoi-Vertreter berichtete von insgesamt 50 Insassen.

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Kommentare (2)

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scholl

10.05.2012, 04:57 Uhr

Lachhaft! Verschollen? In einer Zeit, in der Satelliten in 36.000km Höhe um die Erde fliegen, Google-Street-View allen Datenschutz und jede Privatsphäre aufheben will???? Guter Krimieinstieg.

Account gelöscht!

10.05.2012, 09:57 Uhr

@Anonymer Benutzer: scholl

In niedriger Hoehe und dazu in bergigem Gebiet funktioniert die Flugueberwachung nicht mehr. Wenn der Pilot die Flughoehe bewusst senkte, muesste er eigentlich den Tower darueber vorher informiert haben. Der Grund dafuer steht noch nicht in den Medien. Ein einfacher Druckabfall kann es nicht gewesen sein. Dafuer flog er zu tief. Da haetten 10.000 Feet gereicht. Da muessen schon schwerere technische Probleme gewesen sein, um so tief zu geraten.

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