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12.04.2011

13:03 Uhr

Ines-Stufe erhöht

Fukushima-Störfall mit Tschernobyl gleichgesetzt

Fukushima wird von Stufe 5 auf Stufe 7 hoch gesetzt. Das ist die gleiche Ines-Stufe wie der Super-GAU in Tschernobyl. Experten zufolge kann der damalige Wert sogar übertroffen werden. Gefährlich: Die Nachbeben dauern an.

Höchste Gefahrenstufe in Fukushima

Video-News: Höchste Gefahrenstufe in Fukushima

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TokioJapan stuft die Strahlengefahr nach dem Atomunfall in Fukushima jetzt so hoch ein wie die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl. Die Atomaufsicht in Tokio hob die Einschätzung aller Auswirkungen des Unglücks am Dienstag offiziell von Stufe fünf auf die höchste Stufe sieben an. Diese wurde bisher nur nach dem Super-Gau in der ehemaligen Sowjetunion im Jahr 1986 erreicht.

Die Einschätzung Japans betrifft die gesamten langfristigen Folgen - also auch die noch zu erwartenden: Bis jetzt entsprächen die in Fukushima freigesetzten radioaktiven Materialien erst zehn Prozent der von Tschernobyl, hieß es. Das radioaktive Leck in Fukushima könnte die in Tschernobyl freigesetzte Menge jedoch noch übertreffen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tepco.

Warum Fukushima nicht Tschernobyl ist

Die Explosion

Beim Super-GAU von Tschernobyl explodierte der Unglücksreaktor 4 während des normalen Betriebs. Ein gewaltiger Feuerball schleuderte radioaktiv verseuchte Partikel kilometerweit in die Atmosphäre. Das Atomkraftwerk Fukushima Eins hingegen war zum Zeitpunkt der Explosionen bereits abgeschaltet. Das geschieht bei schweren Erdstößen wie am 11. März in Japan automatisch und soll die Gefahr von Störfällen reduzieren. In Fukushima sind in gleich drei Reaktorblöcken Kern und Brennstäbe schwer beschädigt. In Tschernobyl gab es damals keinen inneren Sicherheitsbehälter (das sogenannte Containment) rund um die Brennkammer.

Die Reaktion

Die Sowjetführung schickte Hunderttausende Freiwillige - sogenannte Liquidatoren - in die Unglückszone, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Der havarierte Reaktor erhielt schon bald einen ersten „Sarkophag“, einen Mantel aus Beton. In Fukushima ist lediglich ein kleiner Trupp Arbeiter am Werk. Fieberhaft kämpfen sie gegen immer wiederkehrende Lecks und Probleme mit der Kühlung und pumpen radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer.

Die Maßnahmen

Nach dem Unfall in Tschernobyl schwieg die Sowjetführung tagelang. Erst nachdem in Skandinavien auffällige Werte gemessen wurden, räumte Moskau den GAU ein. Allerdings hatten auch die Verantwortlichen falsche Informationen übermittelt. So hieß es stundenlang, der explodierte Reaktor sei intakt geblieben - dabei waren die verstrahlten Trümmer nicht zu übersehen. Die Anwohner etwa im nahegelegenen Pripjat - heute eine Geisterstadt - wurden erst nach Tagen in Sicherheit gebracht. Die Sowjetführung habe aber bei aller Kritik durchaus auch rasch gehandelt, sagen Experten von Greenpeace. So sei schon bald ein 30 Kilometer großer Evakuierungsradius angeordnet worden. Im Fall von Fukushima streiten Experten hingegen um die Größe der Sperrzone. Die Regierung in Tokio ordnete am Montag einzelne Evakuierungen außerhalb der bisherigen 20-Kilometer-Zone an.

Die Folgen

Die Explosion in Tschernobyl schleuderte radioaktive Partikel weit in die Höhe - der Wind verbreitete sie dann über tausende Kilometer. Experten seien sich einig, dass das in Fukushima nicht passieren werde, sagt Mathias Edler von Greenpeace der Nachrichtenagentur dpa. „Das hängt damit zusammen, dass es in Tschernobyl ein graphitmoderierter Reaktor war.“ Mit diesem Material statt wie sonst mit Wasser sollten schnelle Neutronen verlangsamt und die Kettenreaktion erhalten werden. „Graphit ist eine Art Kohle, es ist zu tagelangen Bränden gekommen“, erklärt Edler.

Ein Ausblick

„Im schlimmsten Szenario würde eine Schadstoffwolke von Fukushima in eine Höhe von maximal 500 Meter steigen“, sagt der oberste Wissenschaftsberater der britischen Regierung, Prof. John Beddington. „Daher ginge die Radioaktivität recht nahe am Reaktor herunter.“ Die Folgen wären dennoch katastrophal. Das größte langfristige Problem in Japan ist derzeit die radioaktive Verseuchung des Pazifik. In der Ukraine und Weißrußland sind auch 25
Jahre nach dem GAU von Tschernobyl weite Landstriche schwer verseucht - und werden es auf lange Zeit sein. Radioaktive Stoffe wie Plutonium halten sich oft mehrere tausend Jahre. Problematisch ist nach Ansicht von Experten vor allem die extrem hohe Bevölkerungsdichte in Japan.

Der japanische Regierungschef Naoto Kan sieht allerdings Fortschritte im Kampf gegen einen möglichen Super-Gau. Die Lage im havarierten Atomkraftwerk Fukushima „stabilisiert sich Schritt für Schritt“, sagte Kan am Dienstag.

Die Anhebung der Gefahrenstufe bedeutet, dass es Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld gibt. Bereits am Vortag hatte die japanische Regierung daher auch Evakuierungen außerhalb des bisherigen 20-Kilometer-Sperrkreises angeordnet.

Regierungschef Naoto Kan sieht aber auch Fortschritte im Kampf gegen einen möglichen Super-Gau. Die Lage im havarierten Atomkraftwerk Fukushima „stabilisiert sich Schritt für Schritt“, sagte Kan am Dienstag. Er bekräftigte, es gebe keine Pläne, die japanischen Atomkraftwerke sofort abzuschalten. Nach der Anhebung der Gefahrenstufe hatte die Börse in Tokio am Dienstag deutlich nachgegeben.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

12.04.2011, 08:30 Uhr

Jaja, alles nicht s schlimm schrieben hier noch vor kurzem
die Unbelehrbaren.

A-J

12.04.2011, 10:21 Uhr

Tepco sind Verbrecher, die ihre Mitarbeiter dazu zwingen, in diesem katastrophalen Szenario retten sollen, was längst verloren ist.

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