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29.06.2011

15:26 Uhr

Initiative fürs Grüßen

Bitte recht freundlich!

Taufkirchen wehrt sich gegen die reservierte Unfreundlichkeit von Gruß-Muffeln: Bürgermeister Jörg Pötke hat eine Vision von einem freundlichen Miteinander und startet eine Gruß-Initiative. Befremdlich - finden einige.

Unter anderem mit dem Schriftzug "Grüß Gott" geht in der oberbayerischen Gemeinde Taufkirchen bei München der Bürgermeister persönlich gegen unfreundliche Mitbürger vor. Quelle: dpa

Unter anderem mit dem Schriftzug "Grüß Gott" geht in der oberbayerischen Gemeinde Taufkirchen bei München der Bürgermeister persönlich gegen unfreundliche Mitbürger vor.

Taufkirchen/ OberstaufenDie Zugtüren öffnen sich, Bürgermeister Jörg Pötke schnellt auf eine Frau zu. „Servus“, sagt der Rathauschef von Taufkirchen und lächelt. Sie hebt den Kopf und murmelt ein verschlafenes „Hallo“. Pötke sagt an diesem Mittwochmorgen am Bahnhof von Taufkirchen noch sehr oft „Servus“ oder „Grüß Gott“. Nach seiner Vision sollen sich die Bürger des Münchner Vororts öfter grüßen. Dazu hat der 64-Jährige in der 19.000-Einwohner-Gemeinde die bundesweit wohl erstmalige „Gruß-Initiative“ ins Leben gerufen.

Während dessen macht die Gemeinde Oberstaufen in der Ferienzeit mit einer Duz-Offensive von sich reden: In der kommenden Woche startet ein Pilotversuch: In der Tourist-Information können sich Gäste mit der Wahl des Service-Schalters entscheiden, ob sie mit „Du“ oder „Sie“ angesprochen werden wollen. Bis September sollen die Urlauber abstimmen können. „Ich bin gespannt, wie die Menschen reagieren und für was sich die Mehrheit entscheidet. Abhängig vom Ergebnis werden wir überlegen, ob wir unsere Gäste künftig grundsätzlich duzen“, sagte Tourismus-Chefin Bianca Keybach.

Oberstaufen hatte bereits im vergangenen Jahr bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Während in Deutschland viele Städte und Gemeinden gegen den Internet-Dienst Google Street View Sturm liefen, luden die Oberstaufener den Konzern zu sich ein und waren als erste deutsche Gemeinde im Internet zu besichtigen.

In Taufkirchen greift Bürgermeister Pötke in seine Tasche und nimmt einen orangefarbenen Anstecker heraus. Darauf steht in schwarzen Lettern „Hallo“ - das Symbol der Aktion. Auch auf dem Gemeindebrief in Taufkirchen prangt es auf der ersten Seite. „Es bedeutet, dass wir eine freundliche Gemeinde sind“, sagt der Bürgermeister, der mit seiner Grußorgie nicht bei jedem auf Verständnis stößt.

Als er einer älteren Frau den Button entgegenstreckt, winkt sie ab. „Ich will nichts kaufen“, sagt sie harsch und geht schnell weiter. „Morgenmuffel gab es heute schon viele“, sagt er schmunzelnd. Der Bürgermeister ist von seiner Idee überzeugt. „In der Stadt neigt man dazu, irgendwie reaktionslos aneinander vorbei zu gehen, und das wollen wir ändern.“

Die S-Bahn schließt die Türen. Ein Mann, der die Bahnhofstreppe hinauf gehetzt ist, verpasst nur knapp den Zug. Pötke ergreift die Gelegenheit: Bis der nächste Zug kommt können er und seine Kollegen aus dem Rathaus und Gemeinderat in aller Ruhe ihre Vision von einem freundlicherem Taufkirchen erläutern. „Wir wollen ein Wohlfühlklima schaffen“, sagt Gemeinderatsmitglied Karl Heinz Hansen. „Dann fängt doch der Tag viel schöner an.“ Der Mann nickt und lässt sich geduldig den Anstecker am Revers befestigen.

Kommentare (1)

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29.06.2011, 16:52 Uhr

Die Aktion ist reine Augenwischerei, die in eine ganze Reihe anderer Aktionen passt: Im südlichen Speckgürtel von München ignoriert man seine Lage und meint, den "ländlichen Charakter" der Gemeinden erhalten zu müssen. Deswegen wehrt man sich auch so vehement gegen die dringend nötige Erschließung des Gebiets: Kein Ringschluss der A99, keine S-Bahn-Spange zwischen Taufkirchen und Grünwald, Forderung nach teilweiser Auflassung der A995 usw. Grünwald hat noch nicht mal eine S-Bahn-Haltestelle, obwohl eine S-Bahn-Linie hindurch führt.

Die Folgen sind in Taufkirchen mittlerweile unübersehbar: Große Arbeitgeber wie HP sind weg, der Ortsteil "Am Wald" verslumt. Billigläden und eine Halal-Metzgerei beherrschen die Einkaufspassage - sofern man die ganzen geschlossenen Ladenlokale ignoriert.

Zur Hälfte auf Taufkirchener Gebiet steht Ikea München-Süd. Aber bitte so weit weg, dass keiner kapiert, dass da noch Taufkirchen ist und nicht Ottobrumm.

Die letzte Gemeinde, die die Zeichen erkannt hat, ist Unterhaching - zwischen Taufkirchen und dem südlichen Stadtrand von München gelegen: Direkt neben "Am Wald" hat Unterhaching Gewerbegebiet erschlossen, auf dem sich alle üblichen Verdächtigen eingefunden haben: Obi, Aldi, McDonnalds usw.

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