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25.11.2014

08:25 Uhr

International Emmy

US-Fernsehpreis verdeckt deutsche Erfolglosigkeit

VonKira Melzer

Der Kriegs-Dreiteiler „Unsere Mütter – unsere Väter“ hat einen der International Emmys ergattert. Der begehrte Fernsehpreis überdeckt jedoch die Misere im deutschen Film. Warum die Amerikaner besser sind.

„Unsere Mütter, unsere Väter“

Auszeichnung für deutsche Miniserie

„Unsere Mütter, unsere Väter“: Auszeichnung für deutsche Miniserie

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New YorkDie Mini-Serie „Unsere Mütter – unsere Väter“ hat bei den International Emmys die Auszeichnung in der Kategorie „Bester TV-Film/Mini-Serie“ gewonnen. In dem Geschichtsdrama geht um fünf befreundete junge Menschen, die sich zu Beginn des zweiten Weltkrieges in Berlin trennen müssen.

Sie erleben und gestalten den Krieg aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Film konnte die Jury trotz teils heftiger Kritik auch in den USA von sich überzeugen. Die letzten deutschen Gewinner in dieser Kategorie waren 2009 „Die Wölfe“, 2003 „Mein Vater“ und „Die Manns“ 2002.

Das hört sich nicht so schlecht an fürs deutsche Fernsehen. Rein statistisch gesehen hat Deutschland bis 2013 immerhin 13 Auszeichnungen bekommen. Der deutsche Film steht damit auf Platz drei hinter Kanada mit 22 und Großbritannien - mit satten 126 Auszeichnungen.

International Emmys: „Unsere Mütter, unsere Väter“

Emmy

Die deutsche Miniserie „Unsere Mütter, unsere Väter“ ist auch in den USA ausgezeichnet worden. Der ZDF-Dreiteiler gewann am in New York einen International Emmy.
Quelle: dpa

Thema

Die Serie über die Schicksale junger Leute im Zweiten Weltkrieg setzte sich damit gegen Produktionen aus Brasilien, Japan und Großbritannien durch. Kein Glück hatte hingegen die deutsche Dokumentation „Wagnerwahn“.

Aufsehen

„Unsere Mütter, unsere Väter“ hatte erst in Deutschland und dann auch in anderen europäischen Ländern für Aufsehen gesorgt. In den drei Mal 90 Minuten werden die Erlebnisse von fünf jungen Leuten erzählt, die beispielhaft für die damalige Zeit gewesen sein sollen.

Erfolg

„Das ist ein toller Erfolg für das ZDF. ‚Unsere Mütter, unsere Väter‘ hat das Bild vom deutschen Fernsehen weltweit verändert. Sender in mehr als 100 Ländern haben die Produktion gekauft, und in vielen ist es schon mit riesigem Erfolg in der Primetime gelaufen“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut zur Preisverleihung.

Kritik

Im Ausland wurde kritisiert, dass die Serie zu wenig differenziere und die Deutschen vor allem als Opfer und weniger als Täter darstelle.

USA

In den USA war der Dreiteiler Anfang des Jahres als „Generation War“ im Kino zu sehen, lief allerdings in ganzen sieben Filmtheatern. Dabei spielte er knapp 92 000 Dollar ein, was für amerikanische Verhältnisse fast nicht erwähnenswert ist.

Schlechte Noten

Die Serie kann in den USA auch beim Streamingdienst Netflix gesehen werden, wo sie von den Zuschauern keine guten Bewertungen bekam.

Schlechte Kritiken

Auch die Meinung der Kritiker über „Unsere Mütter, unsere Väter“ könnte höchstens als gemischt bezeichnet werden. Das Magazin „The New Yorker“ schrieb immerhin, die Produktion sei „vielleicht hölzern, aber nie langweilig. Einmal angefangen, kann man nicht aufhören“.

New York Times

Doch die „New York Times“, auch mit der Geschichte des eigenen Landes stets kritisch, überschrieb ihren Artikel mit „Geschichtsstunde, retuschiert“: Der Film „stellt zumindest zum Teil wieder die Auffassung her, dass die einfachen Deutschen von den Nazis verführt wurden und keine Ahnung von ihren Verbrechen hatten.“

Aber schaut man mal in die einzelnen Kategorien, dann sieht es doch erstaunlich dünn aus. Die Preise in der Kategorie „Drama-Serie“ teilen sich seit ihrer Entstehung 2002 die Länder Großbritannien (6), Dänemark (4) und Frankreich (2). In der Kategorie „Drama“, die von 1979 bis 2001 vergeben wurde, konnte Deutschland nur ein einziges Mal mit „Das Boot“ punkten.

In den letzten zehn Jahren ist kein deutscher Schauspieler bei den International Emmys zum besten Darsteller gekürt worden. Keine Nachrichtensendung hat es seit 1999 geschafft, eine Auszeichnung zu bekommen. Und dass, obwohl sich die öffentlich-rechtlichen Sender - gerade wenn es um Nachrichten geht - die Qualität so sehr auf die Fahnen schreiben.

Die sprachliche Barriere kann man eher nicht als Grund dafür vorschieben. Sie spielt anscheinend auch keine große Rolle mehr, wenn das Thema, die Spannung und das Gesamtbild stimmen. Warum also ist Deutschlands kleiner nordischer Nachbar mit seinen Drama-Serien um ein Vielfaches erfolgreicher?

Eine erste Antwort liefert ein Rückblick: Bis vor ein paar Jahren lief die Verleihung der International Emmys ohne großes Aufsehen ab – spannend für die Nominierten, aber ohne jegliche Anerkennung im Vergabeland USA. Das ändert sich langsam. Denn mit der immer größeren Beliebtheit von Streaming-Diensten wie Netlix, Amazon on demand oder Hulu wird nicht nur der Bedarf an Anschaubarem größer.

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