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07.06.2013

14:53 Uhr

Internationale Staatengemeinschaft

Rekord-Spenden-Aktion für Syrien

Die Hälfte der syrischen Bevölkerung wird Ende 2013 auf Hilfe angewiesen sein, so schätzt die UN. Um grundlegende Bedürfnisse zu decken, wirbt sie um Spenden. Das Ziel der größten Aufrufes jemals: 4 Milliarden Euro.

So wie diese beiden Flüchtlinge, die an der Grenze zu Jordanien im Lager Zaatari gelandet sind, befinden sich momentan rund 1,6 Milliarden Syrer auf der Suche nach sicherer Obdach. Die UN schätzt, dass ihre Zahl bis Jahresende auf fast 3,5 Milliarden Menschen ansteigen könnte. dpa

So wie diese beiden Flüchtlinge, die an der Grenze zu Jordanien im Lager Zaatari gelandet sind, befinden sich momentan rund 1,6 Milliarden Syrer auf der Suche nach sicherer Obdach. Die UN schätzt, dass ihre Zahl bis Jahresende auf fast 3,5 Milliarden Menschen ansteigen könnte.

GenfDie Hälfte der rund 21 Millionen Syrer wird nach Befürchtungen von UN-Organisationen bis Ende dieses Jahres von Nothilfe abhängig sein. Dafür baten humanitäre UN-Organisationen am Freitag beim größten internationalen Hilfsappell aller Zeiten um insgesamt fünf Milliarden Dollar, das entspricht 3,8 Milliarden Euro. „Von den Geldern, um die wir bitten, hängt das Überleben leidender Syrer ab“, betonte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, bei der Vorstellung des Aufrufs an die internationale Gemeinschaft in Genf.

Bis Ende 2013 sagen die UN-Organisationen einen Anstieg der Zahl der im Land auf Hilfe angewiesenen Syrer von rund 4 Millionen zu Jahresbeginn auf 6,8 Millionen voraus. Zugleich werde die Zahl der Flüchtlinge im Ausland voraussichtlich von derzeit 1,6 Millionen auf 3,45 Millionen anwachsen. Insgesamt sei damit etwa die Hälfte der Bevölkerung Syriens betroffen. Sie wurde 2010 nach Behördenangaben auf rund 21 Millionen Menschen geschätzt.

„Syrien löst sich als Zivilisation auf mit beinahe der Hälfte seiner Bürger in Abhängigkeit von dringender Hilfe als Resultat dieses grauenhaften Konfliktes“, beklagte Guterres. Die jetzt für Hilfsoperationen berechnete Summe bezieht sich den UN-Angaben zufolge auf den Zeitraum von Januar bis Ende Dezember 2013. Mehr als eine Milliarde Dollar sei davon bereits zur Verfügung gestellt worden.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Mit einem Teil der Mittel, nämlich rund 830 Millionen Dollar, sollen auch Syriens Nachbarländer Libanon und Jordanien unterstützt werden, die immer mehr Flüchtlinge aufnehmen müssten und die damit verbundenen Kosten nicht allein tragen könnten. Für Hilfsoperationen innerhalb Syriens sind 1,4 Milliarden Dollar vorgesehen.

Im Dezember 2012 hatten die UN-Organisationen den voraussichtlichen gesamten Hilfebedarf für syrische Kriegsopfer im Land sowie außerhalb noch mit 1,5 Milliarden Dollar für die erste Hälfte des Jahres 2013 angegeben. Das war laut Angaben des UN-Büros für Nothilfekoordinierung (OCHA) bereits der bis dahin umfangreichste humanitäre Hilfsappell für einen Halbjahreszeitraum.

In den mehr als 800 Tagen, die der blutige Konflikt nun schon andauere, seien die Lasten für die Bevölkerung unerträglich geworden, erklärte das UNHCR. Laut OCHA hat der anhaltende Bürgerkrieg mittlerweile in sämtlichen 14 Provinzen Syriens unterschiedlich schwere humanitäre Notlagen verursacht.

Von

dpa

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