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27.01.2014

14:27 Uhr

Interview mit Dieter Nuhr

„Ich lebe im ständigen Shitstorm“

VonSven Prange

Mehr als 200.000 Menschen protestieren im Netz gegen ZDF-Moderator Markus Lanz. So geht's nicht – findet Lanz-Kollege Dieter Nuhr. Und attestiert Lanz' Kritikern einen Sinn nach Lynchjustiz „wie im Wilden Westen“.

Komiker Dieter Nuhr stellt sich gegen die „Lynchjustiz“ im Netz. picture alliance / dpaBritta Pedersen dpa/lnw

Komiker Dieter Nuhr stellt sich gegen die „Lynchjustiz“ im Netz.

Herr Nuhr, Sie setzen sich ja sehr für Herrn Lanz ein, gegen den die Netzgemeinde Unterschriften sammelt. Haben Sie selbst schon Erfahrungen mit Shitstorms/Online-Votings zu Ihrer Arbeit?
Ich lebe im ständigen Shitstorm. Im Internet ist immer schlechtes Wetter. Das Schöne ist: Ich bekomme viel mehr Sympathiebekundungen. Natürlich wird im Internet viel beleidigt und nach Vernichtung geschrien. Da sind eine Menge Leute unterwegs, denen der Sinn nach Lynchjustiz steht, wie im Wilden Westen... Das hat etwas prähistorisch Vorzivilisatorisches und erinnert uns daran, dass der Mensch in der Masse etwas Furchtbares ist. Das ist also gut so.

Inwiefern darf man Ihren Einwurf als Sympathiebekundung für den umstrittenen Herrn Lanz verstehen?

Ich habe ihn als gut informierten und weit gereisten Menschen kennengelernt, ein sehr angenehmer Mensch. Aber es geht doch überhaupt nicht um Markus Lanz. Er ist nur zufällig Opfer. Und er sieht auch noch gut aus und ist erfolgreich. Eine schlimme Mischung. Da kommt dann auch noch Neid hinzu... Im Prinzip geht es um die Frage: Darf die Masse heute wieder einen Einzelnen hinrichten? Das muss offenbar immer mal wieder geklärt werden.

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Das Netz hetzt gegen Lanz: In einer Petition fordern Zehntausende die Entlassung des Moderators. Kabarettist Dieter Nuhr nahm dies zum Anlass für eine Gegenaktion. Doch Ironie scheint bei „Open Petition“ nicht erwünscht.

Spiegelt sich die binäre Erregbarkeit, die Sie bei Netz-Diskussionen festmachen, eigentlich auch bei Ihren Veranstaltungen wider?

Ich trete ja nicht binär auf, sondern live. Das ist ein großer Vorteil. Die physische Anwesenheit des Anderen verändert das zwischenmenschliche Verhältnis. Das wird Ihnen jeder Psychologe bestätigen. Es werden in der ganzen Sache übrigens viel zu wenige Psychologen befragt. Die können auch die im Internet übliche Lynchjustiz weit besser erklären als ich.

Nachdem Ihre Petition bei Openpetition.de herausgeflogen ist – wie geht es jetzt weiter?

Wir freuen uns weiterhin über die große Freiheit im Internet. Sonst passiert nichts. Es gibt allerdings schon eine Petition zur Aufhebung der Sperrung meiner Petition. Sollte die auch gesperrt werden, könnte man ja eine Petition gegen Petitionssperrungen von Petitionen, die sich gegen Petitionssperrungen richten, ins Internet stellen. Mal sehen...

Herr Nuhr, vielen Dank.

Kommentare (9)

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zarakthuul

27.01.2014, 14:35 Uhr

Hat der liebe Dieter Angst.
www.nuhr.de listet die nächsten Sendetermine des Komödianten auf. Auffallend dabei: nur zwangsgebührenfinanzierte Sender stehen auf der Liste.

Account gelöscht!

27.01.2014, 15:03 Uhr

"Aber es geht doch überhaupt nicht um Markus Lanz. Er ist nur zufällig Opfer. Und er sieht auch noch gut aus und ist erfolgreich. Eine schlimme Mischung. Da kommt dann auch noch Neid hinzu."
Wirklich ? Ich finde, es geht wirklich nur um Herrn Lanz. Zehntausende haben meistenteils mit Ihrem Namen (und nicht anonym!!) bekundet, dass sie mit dem Umgang eines Vertreters des ÖR mit einer Kritikerin der Zustände nicht einverstanden ist.
Kritik an unserem System muß erlaubt sein, gerade auch von Personen, die mehr davon verstehen als ein Herr Lanz. Auch wenn diese Ansichten den Auffassungen der Machthaber z.Zt. wiedersprechen.

Account gelöscht!

27.01.2014, 15:23 Uhr

Nuhr scheint von der Persönlichkeitsstruktur gleicht gestrikt zu sein wie Lanz: Selbstgerecht, abgehoben und beratungsresistent. Nuhrs Petion nennt man "Trittbretterfahrerdaseinspflege". Bin peinlich berührt.

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