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25.10.2014

15:16 Uhr

Islamhetze oder Satire?

Osnabrücker Muslim zeigt Kabarettist Nuhr an

Der Osnabrücker Erhat Toka sieht in den Äußerungen Dieter Nuhrs zum Islam „blöde, dumme Hetze gegen eine Minderheit“, die nichts mit Satire zu tun hat. Er zeigte den Kabarettist jetzt wegen Islamhetze an.

Muslim Erhat Toka und Kabarettist Dieter Nuhr. Toka hat Nuhr wegen  „Beschimpfung von Religionsgemeinschaften“ angezeigt. dpa

Muslim Erhat Toka und Kabarettist Dieter Nuhr. Toka hat Nuhr wegen „Beschimpfung von Religionsgemeinschaften“ angezeigt.

BerlinDer Kabarettist Dieter Nuhr (53) ist von einem Muslim aus Osnabrück wegen angeblicher Islamhetze angezeigt worden. Nuhr schreibt auf seiner Facebook-Seite: „Bin von Islamisten als ,Hassprediger' angezeigt worden, weil ich den Koran richtig zitiert habe.“ Dem 53-Jährigen wird von Erhat Toka Beschimpfung Religionsgemeinschaften vorgeworfen, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete. Nuhr hat sich wiederholt kritisch mit dem Islam auseinandergesetzt.

„Wenn sich jemand über den Islam lustig macht, habe ich nichts dagegen“, sagte Toka dem Blatt. Doch Nuhrs Kritik sei verletzend, deshalb rufe er zum Boykott einer Nuhr-Veranstaltung in Osnabrück auf. Die Tageszeitung „Welt“ zitiert Toka mit dem Vorwurf, Nuhr betreibe „blöde, dumme Hetze gegen eine Minderheit“.

Doch nicht nur Toka kritisiert den Kabarettisten. Der Migrationswissenschaftler Klaus J. Bade sagte der „Welt“: „Da verwechselt einer den Islam mit dem Islamischen Staat“. Pauschale Diffamierungen anstelle von Differenzierungen würden nur neue Schreckensbilder schaffen. Nuhr hatte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ 2011 unter anderem geschrieben, dass dem Islam Toleranz fremd sei. Nuhrs Anhänger unterstützten ihn auf seine Facebook-Seite.

Aussicht auf Erfolg dürfte die Anzeige ohnehin nicht haben – pikant ist sie allerdings noch wegen einer anderen Tatsache: Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtet, Nuhr habe im vergangenen Winter seinerseits Strafanzeige wegen Beleidigung gegen Toka gestellt. Auch dieses Verfahren war eingestellt worden.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr otto r. kristek

27.10.2014, 09:49 Uhr

d.nuhr ist sicherlich nicht immer systemkritisch, komisch noch weniger, hat aber sendungsbewusstsein.
er ist gegenüber allen totalitären erscheinungen kritisch eingestellt
also auch allem
was religionen betrifft

denn wer "glaubt" akzeptiert,
das es etwas über ihm gibt
das ihm das denken und fühlen abnimmt
und ist so den einflüsterungen selbst ernannter religieonsführer/religionsverkünder hilflos ausgeliefert

wenn also irgend ein religöser mensch in diesem lande für sich in anspruch nimmt "seine" religion zu leben,
dann muss er jedoch, dass auf der grundlage des grundgesetzes tun und undemokratischen einflüsterungen seiner religion und religionsführer widerstehen

wenn also dieser muslim behauptet nuhr ist ein islamfeind und erwartet das wir ihm redeverbot erteilen
dann erwaten wir, das er undemokratischen tendenzen im koran und unter seinen glaubensbrüdern entgegentritt sowie extremisten dem verfassungsschutz benennt

da das nicht passieren wird,
hat herr nuhr von unserer seite nichts zu befürchten
aber von diesen extremistischen mohamedanern
darüber sollten wir nachdenken.

hülya sanane

27.10.2014, 10:33 Uhr

über Juden witzeln, Das ist verboten, Geldstrafe und sonstige Sanktionen. Über Islam, Muslime witzeln. Da gilt plötzlich Meinungsfreiheit. Wo fängt die Meinungsfreiheit an und wo hört sie auf ???ß

Herr H-J. H.

27.10.2014, 10:33 Uhr

In diesem Land hat jeder das Recht, zu wohnen wo er will, aber auch auszureisen wohin er will. Nun frage ich mich, warum Herr Erhat Toka nicht einfach in das Land seiner Vorfahren ausreist, wo er "seine" Religion unkritisch ausleben kann. Auch die christliche Relgion und die Kirchen müssen kritische Hinterfragungen und Satire über sich ergehen lassen, warum sollte der Islam eine Sonderstellung bekommen?

Daher: tschüs Herr Toka! Keine würde Ihnen eine Träne nachweinen.
Oder Sie akzeptieren die Menschen hier so wie sie sind.

Kein Bürger in einem demokratischen Rechtsstaat kann akzeptieren, daß radikale Religionsfanatiker das Land so verändern wollen um so zu sein wie das Land das Sie oder Ihre Vorfahren verlassen haben, und das sie bestimmt nicht grundlos verlassen haben. Wir brauchen keine vormittelalterlichen Religionsrepressionen im 21.Jahrhundert in einer christlichen Kulturumgebung.

Mich verwundert die ganze Eskalation nicht. Ein hochgebildeter türkischer Kollege sagte mir die Eskalation wie gestern in Köln schon Anfang der 80iger Jahre voraus wegen dem ungehinderten Zufluß von Menschen aus Regionen, die religiös noch im Vormittelalter angesiedelt sind und waren.

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