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08.09.2014

11:37 Uhr

Islamismus

Gegenwind für die „Scharia-Polizei“

Vertreter der Muslime distanzieren sich von den selbst ernannten Sittenwächtern in Wuppertal. Bayerns Innenminister Herrmann sieht darin eine „Kriegserklärung“ an den Rechtsstaat und fordert ein härteres Vorgehen.

Mit Westen und dem Hinweis, eine „Scharia-Polizei“ zu sein, verunsicherten radikalislamistische Salafisten Menschen in Wuppertal. dpa

Mit Westen und dem Hinweis, eine „Scharia-Polizei“ zu sein, verunsicherten radikalislamistische Salafisten Menschen in Wuppertal.

Halle/BerlinDer Vorsitzende des Koordinierungsrates der Muslime hat die in Wuppertal aufgetauchte „Scharia-Polizei“ verurteilt. „Niemand darf sich anmaßen, als Moralwächter die Polizeiarbeit zu tun“, sagte Ali Kizilkaya der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Montag).

Radikalislamische Salafisten waren in der Stadt mehrfach in orangefarbenen Westen als „Scharia-Polizei“ aufgetreten und nachts durch die Straßen patrouilliert. Die Scharia ist das islamische Recht, das von den radikalen Islamisten extrem konservativ ausgelegt wird. Bayerns Ressortchef Joachim Herrmann (CSU) sprach sich für ein Treffen der Innenminister von Bund und Ländern zu den Vorfällen aus.

„Wir leben in einem Rechtsstaat. Das Gewaltmonopol liegt bei der Polizei. Und das ist richtig so“, sagte Kizilkaya der Zeitung. Diese paar Leute dürften nicht mehr Aufmerksamkeit erhalten, als sie verdienten. „Deshalb die Gesetze zu verschärfen, wäre zu viel der Ehre.“ Der Koordinierungsrat ist der Dachverband der muslimischen Verbände, Kizilkaya ist auch Vorsitzender des Islamrates.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime, bekräftigte in den „Ruhr Nachrichten“ (Montag): „Diese Menschen haben dem Islam und den Muslimen extrem geschadet.“ Die Aktion sei eine Provokation, die geahndet werden müsse. Sie finde nicht im Namen der Muslime statt. „Ich kann die Menschen gut verstehen, wenn sie jetzt besorgt sind. Da werden Verbindungen zum Extremismus und internationalen Terrorismus hergestellt.“

Herrmann bezeichnete die Vorfälle als „Kriegserklärung“. Es sei ein „direkter Angriff auf unseren Rechtsstaat“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Montag). „Um zu vermeiden, dass islamistische Strömungen ihr Gift langsam und mit Bedacht in unsere Gesellschaft einträufeln, bedarf es einer Sonderbefassung der Innenminister von Bund und Ländern speziell zu diesem Thema.“ Dabei müssten die deutschen Gesetze auf ihre „Islamistenfestigkeit“ überprüft werden.

Kommentare (1)

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Frau Wil Fried

10.09.2014, 13:44 Uhr

"Dabei müssten die deutschen Gesetze auf ihre „Islamistenfestigkeit“ überprüft werden.
Grottenfalsch! Die islamischen Regeln sind darauf zu überprüfen, ob sie dem deutschen Recht nicht zuwider laufen. Es ist jedenfalls nicht hinzunehmen, dass bei uns irgendwelche selbsternannten Sittenwächter auf der Straße versuchen, Leute zu drangsalieren. Was muss eigentlich noch alles passieren, damit diese Gruppierung aus der Öffentlichkeit verschwindet?

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