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02.01.2015

10:50 Uhr

Italien

Küstenwache bringt „Geisterschiff“ unter Kontrolle

Auf dem Meer südlich von Italien zeigt sich die neue Grausamkeit der Menschenschmuggler: Vor der Küste ist der nächste führerloser Frachter mit Hunderten Flüchtlingen an Bord aufgetaucht.

Nachteinsatz mit Hubschraubern

Auf Kollisionskurs: Küstenwache rettet führerloses Schiff

Nachteinsatz mit  Hubschraubern: Auf Kollisionskurs: Küstenwache rettet führerloses Schiff

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RomDie italienische Küstenwache hat einen Frachter mit Hunderten Flüchtlingen vor der Mittelmeerküste unter Kontrolle gebracht. Ein Helikopter brachte mehrere Rettungskräfte an Bord, die das von der Besatzung verlassene Schiff übernahmen, wie die Küstenwache am Freitagmorgen mitteilte. Die unter der Flagge Sierra Leones fahrende „Ezadeen“ sollte danach in den Hafen kalabrischen Küstenstadt Crotone geschleppt werden.

Laut Nachrichtenagentur Ansa sollte ein isländisches Schiff der EU-Grenzschutzmission „Triton“ das Schiff abschleppen. Auch mehrere Ärzte wurden an Bord des 1966 gebauten Frachters gebracht, um den Migranten zu helfen. Eigentlich sollte der normalerweise für Viehtransporte vorgesehen Frachter den französischen Mittelmeerhafen Sète ansteuern.

Der Frachter mit 450 Flüchtlingen an Bord war nach Angaben der Küstenwache ohne Besatzung auf die italienische Küste zugetrieben. Daraufhin war am Donnerstagabend der Rettungseinsatz gestartet worden, Italiens Luftwaffe schickte einen Helikopter. Die Ansa berichtete, dem Schiff sei der Sprit ausgegangen. Den Flüchtlingen sei es daraufhin gelungen, einen Notruf abzusetzen.

Schwere Fährunglücke im Mittelmeer

10. April 1991

Die italienische Fähre „Moby Prince“ stößt vor Livorno mit dem Öltanker „Agip Abruzzo“ zusammen und geht in Flammen auf. 140 Menschen sterben.

1. November 1999

Etwa 15 Seemeilen vor der westgriechischen Küste gerät die Fähre „Superfast 3“ in Brand. 14 blinde Passagiere kurdischer Abstammung kommen ums Leben.

26. September 2000

Die griechische „Express Samina“ läuft vor der Ägäisinsel Paros auf ein Riff und geht binnen weniger Minuten unter. 81 der etwa 560 Menschen an Bord ertrinken.

16. Januar 2007

Vier Menschen sterben und fast 90 werden verletzt, als in der Meerenge von Messina eine Schnellfähre mit einem Containerschiff zusammenprallt.

Erst in der Nacht zum Mittwoch waren fast 800 Bootsflüchtlinge auf einem führerlosem Frachter vor Süditalien nur knapp einer Katastrophe entgangen. Das Schiff „Blue Sky M“ mit 768 Migranten an Bord war in auf die Küste der Region Apulien zugesteuert, konnte jedoch von der Küstenwache unter Kontrolle gebracht werden.

Nach Medienberichten war der Autopilot an. Ohne die Intervention der Einsatzkräfte wäre der Frachter auf die apulische Küste geprallt, weil das Schiff sich selbst überlassen war, wie ein Sprecher der Küstenwache sagte. Von der Besatzung fehlte auch dort jede Spur.

Menschenschmuggler, die sich die gefährliche Überfahrt nach Europa teuer bezahlen lassen, verlassen immer häufiger die Schiffe und überlassen die Flüchtlinge ihrem Schicksal. In den vergangenen 14 Monaten retteten die italienischen Behörden mehr als 170.000 illegale Einwanderer. Hunderte, möglicherweise Tausende ertranken bei der gefährlichen Überfahrt von Afrika nach Europa.

Mit den „Geisterschiffen“ im Mittelmeer zeigen Schleuserbanden nach Ansicht der EU-Grenzschutzagentur Frontex „einen neuen Grad der Grausamkeit“. „Das ist eine neue Erscheinung dieses Winters“, sagte Frontex-Pressesprecherin Ewa Moncure am Freitag in Warschau.

Schon immer seien die internationalen Schleuserbanden rücksichtslos und menschenverachtend gewesen und hätten den Tod von Flüchtlingen auf Booten von Afrika nach Europa in Kauf genommen. „Wenn ein nicht seetüchtiges Schiff, das völlig überladen ist, in Seenot gerät, haben die im Lagerraum eingeschlossenen Menschen keine Chance.“

Kommentare (9)

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Herr Woifi Fischer

02.01.2015, 08:20 Uhr

ItalienKüstenwache entdeckt weiteren Flüchtlings-Frachter!

Was unternimmt Italien gegen diese Schlepperbanden und deren Hintermänner?
Ich bin dafür diese Schiffe mit Eskorte an ihren Ausgangshafen zurück zu bringen, und anschließend das Schiff zu beschlagnahmen, nur diese Sprache wird verstanden von diesen Verbrechern.
Kein an Land gehen dieser Menschen in Italien, wenn sie dennoch zulassen hat Italien ganz alleine mit diesem Problem fertig zu werden, wir in Europa haben genug Probleme, wir brauchen keine neuen mehr.
Basta

Herr Markus Bullowski

02.01.2015, 08:31 Uhr

Wer illegal einreist, sollte sofort wieder ausgewiesen werden. Sonst empfinde ich das als staatlich geduldete Invasion.

Herr Martin Zuehlke

02.01.2015, 09:38 Uhr

Was soll Italien bitteschön gegen die Schlepper unternehmen!? Ihr Kommentar strotzt nur so vor Arroganz und Menschenverachtung. Warum soll Italien allein mit dem Problem fertig werden, nur weil es dummerweise Zugang zum Mittelmeer hat. Würde Deutschland an Italiens Stelle liegen, wären sie doch der Erste der nach europaweiter Unterstützung im Kampf gegen illegale Flüchtlinge schreien würde.
Im übrigen dürfte es den Hintermännern reichlich egal sein wenn sie diese Schiffe ins Ursprungsland zurückbringen und dort beschlagnahmen. Im Gegenteil, da können die die Flüchtlinge ja doppelt abkassieren. Dahinter steckt doch ein ganz perfider Gedanke. Man überlässt die Schiffe und die Menschen ihrem Schicksal da man weiß, dass sie früher oder später von der Küstenwache aufgefangen werden. Für die Schlepper minimiert sich somit das Risiko geschnappt zu werden. Das dürfte wohl weiter Schule machen, echt krank!

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