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13.03.2017

10:36 Uhr

Italien

Wirt gibt Rabatt – für brave Kinder

Mit einer besonderen Geschäftsidee wartet Antonio Ferrari auf: Er bietet Familien mit braven Kindern fünf Prozent Nachlass an. Das bringt ihm dreierlei: Gute Werbung, motivierte Gäste – und einen ruhigen Speisesaal.

Ein Rabatt von 13,05 Euro für wohlerzogene Kinder (Sconto Bimbi educati) ist extra ausgewiesen auf dieser Rechnung des Restaurants von Antonio Ferrari. dpa

Bonus für brave Kinder

Ein Rabatt von 13,05 Euro für wohlerzogene Kinder (Sconto Bimbi educati) ist extra ausgewiesen auf dieser Rechnung des Restaurants von Antonio Ferrari.

PaduaEssen mit kleinen Kindern kann Zuhause schon eine Herausforderung sein. Die Tomatensoße landet an der Wand, nicht im Mund. Das Wasserglas dient als Experimentierfeld für Überschwemmungen und die Eltern kriechen unter dem Tisch herum und wischen Zwiebelstückchen auf, die das Kind mit anklagendem „Bäh“ aus der Tomatensoße gepuhlt hat. Bei einem Besuch im Restaurant kann der Stresspegel noch steigen. Nicht nur schauen andere Gäste mit mahnenden Blicken auf ihre Meinung nach erziehungstechnisch überforderte Eltern. Auch Kellner und Wirte sind entnervt.

Antonio Ferrari kennt das Schauspiel allzu gut. Er führt ein schickes Restaurant im norditalienischen Padua. Tobende Kinder, genervte Eltern, lamentierende Gäste. Doch eines Tages passierte es: „Da saßen vier Erwachsene mit sechs Kindern zwischen vier und sechs Jahren und aßen stundenlang ganz in Ruhe“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Keines der Kinder sei durch die Gegend gerannt, habe in Bad oder Küche verstecken gespielt, sei dem Kellner vor die Füße gesprungen oder habe mit Essen gespielt. Weil die Kinder so gut erzogen gewesen seien, habe er den Gästen fünf Prozent Rabatt gegeben: 13,05 Euro auf eine Rechnung von 261 Euro. Den Bonus für brave Kinder bietet er weiter an, sagt er.

Seitdem steht sein Telefon nicht mehr still. Medien aus aller Welt interessieren sich, wie man „Rowdy-Kids“ in den Griff bekommt, erzählt er. Eine Reporterin aus London habe um Rat gefragt, wie man in Italien wilde Kinder bändigt. Und eine US-Talkshow lud sogleich Experten ein, um das Thema zu diskutieren. Natürlich steckt hinter der Aktion auch gutes Marketing des Wirtes. Aber wie dem auch sei: Die Resonanz zeigt, wie sehr das Thema interessiert.

„Natürlich haben sich auch Kritiker zu Wort gemeldet“, sagt Ferrari, der selbst keine Kinder hat. „Ich glaube, dass es komplex ist, Kinder zu erziehen.“ Aber die Regeln, wie man zivilisiert lebe, lerne man schon, bevor man Eltern werde. Das Konzept sei jedenfalls ein Erfolg. „Für die Kinder und die Eltern ist der Rabatt wie ein Spiel, eine Herausforderung, die es zu bestehen gilt“, sagt Ferrari.

So unterschiedlich reagieren wir auf Stress

Gene

Stressforscher schätzen, dass Stressanfälligkeit zu 30 Prozent genetisch bedingt ist.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Mutter

Frauen, die während der Schwangerschaft hohe Cortisolwerte aufweisen, bekommen stressanfälligere Babys.

Kindliche Erfahrungen

Traumatische Erlebnisse in den ersten sieben Lebensjahren, der Zeit der Entwicklung der Identität, können lebenslänglich stressanfälliger machen.

Persönlichkeit

Erfolgsorientierte, ehrgeizige, sehr engagierte, ungeduldige und unruhige Menschen sind besonders stressanfällig.

Charakter

Feindseligkeit, Zynismus, Wut, Reizbarkeit und Misstrauen erhöhen das Infarktrisiko um 250 Prozent. Humor hingegen zieht dem Stress den Stachel. Eine Studie an 300 Harvard-Absolventen zeigte: Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Humor bewältigen Stress besser.

Selbstbestimmung

Der wichtigste Faktor, der über Stressanfälligkeit bestimmt, ist die Kontrolle über das eigene Tun. Je mehr man den Entscheidungen anderer ausgeliefert ist, desto höher das Infarktrisiko.

Wertschätzung

Wer für seine Arbeit Anerkennung in Form von Lob oder einem angemessenen Gehalt bekommt, verfügt über eine bessere Stressresistenz.

Status

Wer eine gute Stellung in der Gesellschaft hat, verfügt auch über einen Panzer gegen Stress. Das ist auch bei Pavianen zu beobachten: Gerät das Leittier durch einen Konkurrenten in eine Stresssituation, schnellt der Cortisolspiegel hoch, normalisiert sich aber rasch wieder. Bei den Rangniedrigeren ist der Cortisolspiegel ständig erhöht.

Glaube

Einer der stärksten Stresskiller ist das Gebet. Studien belegen: Der Glaube an eine höhere Macht, die das Schicksal zum Guten wenden wird, beugt vielen Krankheiten vor.

Italien gilt für Deutsche gemeinhin als das Land der Kinderfreunde. Hier sitzen Großfamilien um Tische mit rot-weiß-karierten Tischdecken und essen Pasta aus großen Töpfen, so das landläufige Klischee. Doch dieses Bild gehört im Land mit einer der niedrigsten Geburtenraten in Europa mehr und mehr der Vergangenheit an. Wer in Italien mit Kindern ins Restaurant geht, wird zwar meist freundlich begrüßt. Nach Spielecken oder ähnlichem sucht er aber oft vergebens.

In Deutschland hat sich dagegen in den vergangenen Jahren viel getan. „Kinder sind die Gäste von morgen, die Familie hat Großkonjunktur“, sagt Christopher Lück vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Hochstühle, Kindermenüs oder Malstifte gehörten in vielen Restaurants dazu; auch um anderen Gästen ein Essen in Ruhe zu ermöglichen. Aktionen wie die des Restaurants in Padua kenne er in Deutschland nicht. „Ich habe noch nie gehört, dass das Kinderverhalten im Preis integriert wird.“ Das Konzept, dass man damit indirekt Fehlverhalten bestrafe, sei allerdings „zu hinterfragen“.

Am Ende ist es die Aufgabe der Eltern, zu entscheiden, ob sie ihre Kinder schon mit ins Restaurant nehmen. „Viele Eltern können ihren Kindern keine Grenzen setzen, oder sie sind zu bequem dazu“, sagt Elisabeth Bonneau, die mehrere Bücher über Tischmanieren geschrieben hat. So würden Vater und Mutter in der Öffentlichkeit plötzlich streng, tadelten und ermahnten die Kinder, aber zuhause ließen sie ihnen Chaos am Tisch durchgehen. Damit die Brut brav im Restaurant ist, muss sie das also schon Zuhause lernen. Ein Rabatt für Wohlerzogene sei da kein Mittel, so Bonneau. „Verhalten an Geld zu koppeln, ist keine Lösung.“

Von

dpa

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