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30.06.2014

07:59 Uhr

Italienische Küste

30 Leichen in Flüchtlingsboot entdeckt

Seit Freitag hat die italienische Küstenwache rund 1600 Bootsflüchtlinge in Sicherheit gebracht. Sieben Schiffe waren auf dem Mittelmeer in Richtung Europa unterwegs. Auf einem davon wurden 30 Leichen entdeckt.

Flüchtlinge vor der italienischen Küste (Archivbild). dpa

Flüchtlinge vor der italienischen Küste (Archivbild).

RomBei der Rettung von Hunderten Bootsflüchtlingen vor der italienischen Küste sind 30 Leichen entdeckt worden. Sie hätten sich unter mehr als 600 Menschen an Bord eines Schiffes vor Sizilien befunden, teilten die Behörden nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa in der Nacht zum Montag mit. Vermutlich seien sie auf dem voll besetzten Boot erstickt. Zwei schwangere Frauen und einige Notfallpatienten wurden umgehend an Land gebracht.

Die italienische Marine brachte am Wochenende nach offiziellen Angaben rund 1600 Bootsflüchtlinge in Sicherheit, die über das Mittelmeer Richtung Europa unterwegs waren. Die Behörden sprachen am Sonntagabend von sieben Schiffen mit Flüchtlingen, die vor den italienischen Küsten aufgegriffen wurden. Damit stieg die Zahl der Flüchtlinge, die in diesem Jahr aus Nordafrika kommend in Italien eintrafen, auf mehr als 60.000.

Der Umgang der EU mit Flüchtlingsbooten

Italien

Wenn Flüchtlinge auf See in einer Notsituation sind, machen sich Fischer laut Gesetz nicht strafbar, wenn sie Hilfe leisten - im Gegenteil, sie sind sogar dazu verpflichtet. Dennoch berichten Medien immer wieder über die Angst der Fischer, bei einem Eingreifen wegen Förderung illegaler Einwanderung angeklagt zu werden. Tatsächlich ist dies 2007 passiert, laut Medienberichten soll es sich dabei aber um Sonderfälle gehandelt haben. Demnach gerieten diese Fischer in Verdacht, Menschenschlepper zu sein. Sie wurden vor Gericht freigesprochen. Trotzdem löste ihr Fall eine öffentliche Debatte aus.

Griechenland

Auch hier sind alle Seeleute per Gesetz verpflichtet, Menschen in Seenot zu helfen - und auch hier ist die Auslegung das Problem. Wer systematisch Migranten rettet und sie nach Griechenland bringt, läuft Gefahr, als Schleuser angeklagt zu werden. Schleuser wiederum können sich als Retter ausgeben. Aus diesem Grund informieren Fischer immer die Küstenwache über die Entdeckung von Bootsflüchtlingen und die Rettungsaktion. Menschenrechtsorganisationen werfen der Küstenwache vor, die Flüchtlinge mit gefährlichen Manövern zur Rückkehr in die Türkei bewegen zu wollen. Es gibt aber auch Berichte über Flüchtlinge, die ihre Boote selbst zum Kentern bringen, damit ihnen geholfen werden muss.

Spanien

Hier muss Flüchtlingen, die mit ihren Schiffen in Seenot geraten sind, in jeden Fall geholfen werden. Dies schreibt der Artikel 98 der UN-Seerechtskonvention vor, die auch von Spanien ratifiziert wurde. Dies bedeutet, dass beispielsweise Fischerboote oder Fährschiffe zu einer Hilfeleistung verpflichtet sind. Die Pflicht zur Hilfe gilt allerdings nur, solange das eigene Schiff und dessen Besatzung dadurch nicht in Gefahr geraten.

Die Hilfsorganisation Save the Children machte darauf aufmerksam, dass unter den in diesem Jahr aufgegriffenen Flüchtlingen bereits mehr als 9.000 Kinder seien. Bisweilen seien Kinder auf den Flüchtlingsschiffen, die noch nicht fünf Jahre alt seien und die nicht von Angehörigen begleitet würden.

Nachdem im Jahr 2013 bei verschiedenen Flüchtlingsdramen mehr als 400 Menschen ertrunken waren, hat die italienische Marine die Operation „Mare Nostrum“ gestartet, mit der ein rechtzeitiges Auffinden Schiffbrüchiger gewährleistet werden soll. Der italienische Innenminister Angelino Alfano erklärte, er erwarte von den anderen europäischen Staaten, dass sie die Aufnahme der Bootsflüchtlinge als gemeinsame Sache betrachten.




Kommentare (4)

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Herr Markus Bullowski

30.06.2014, 08:55 Uhr

Solange die, die illegal einreisen, mit Bleiberecht und Duldung belohnt werden, werden es noch mehr versuchen.

Warum können die Verantwortlichen die europäischen Grenzen nicht besser schützen?

Und warum werden illegal eingereiste nicht sofort wieder zurückgebracht?

Herr peter Spirat

30.06.2014, 09:14 Uhr

Ich frage mich wirklich, wann deutsche Soldaten endlich in Afrika dafür sorgen, dass es nur noch Regierungen gibt, die auch so für das eigene volk sorgen können, dasss sie nicht mehr auswandern müssen.

Ist ja schrecklich., was diese Bimbo-Regierungen sich alles erlauben. Und wir müssen dann ihre Auswanderer aufnehmen.

Herr Martin Zuehlke

01.07.2014, 15:23 Uhr

Ihr Kommentar ist an Zynismus kaum zu überbieten!

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