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11.06.2016

15:22 Uhr

Italienische Zeitung

Hitlers „Mein Kampf“ als Beilage

Wem die Zeitung als Wochenendlektürte nicht reichte, der kam bei „Il Giornale“ auf seine Kosten. Die Berlusconi-Zeitung legte seiner Samstagsausgabe Hitlers „Mein Kampf“ bei – und löste damit einen Skandal aus.

Die konservative Mailänder Zeitung „Il Giornale“ hat Adolf Hitlers „Mein Kampf“ seiner Samstagausgabe beigelegt – unkommentiert. AFP; Files; Francois Guillot

Beilage

Die konservative Mailänder Zeitung „Il Giornale“ hat Adolf Hitlers „Mein Kampf“ seiner Samstagausgabe beigelegt – unkommentiert.

RomDie konservative Mailänder Zeitung „Il Giornale“ hat Adolf Hitlers „Mein Kampf“ seiner Samstagausgabe beigelegt und damit einen politischen Skandal in Italien ausgelöst. Das Blatt gehört Paolo Berlusconi, dem Bruder des Oppositionschefs und früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, und die Veröffentlichung erfolgte mitten im Kommunalwahlkampf. Die heftigste Kritik kam von der regierenden Demokratischen Partei (PD).

„Ich find es abscheulich, dass eine italienische Zeitung heute Hitlers Mein Kampf verschenkt“, schrieb Ministerpräsident Matteo Renzi (PD) auf Facebook. #maipiù (Nie wieder). Der Mailänder PD-Bürgermeisterkandidat Giuseppe Sala sprach von Schande und einer Beleidigung aller, die gelitten hätten. Er sei froh, eine solche Zeitung gegen sich zu haben. Die Parlamentspräsidentin Laura Boldrini rief über Twitter zur Achtung der Erinnerung an den Holocaust auf.

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«Il Giornale» bot seine Samstagsausgabe zum erhöhten Preis in Kombination mit dem Buch «Aufstieg und Fall des Dritten Reichs» des US-Journalisten William L. Shirer und einem Nachdruck der 1939 erschienenen italienischen Ausgabe von Hitlers Kampfschrift von 1938 an. Es gehe darum, das Böse zu studieren, um zu verhindern, dass es erneut passiere, schrieb Chefredakteur Alessandro Sallusti in einem Leitartikel.

Der Präsident der Vereinigung der jüdischen Gemeinden in Italien, Renzo Gattegna, sah das anders. Die Veröffentlichung sei «Lichtjahre von aller Logik des Studiums der Schoah und der unterschiedlichen Faktoren entfernt, die die ganze Menschheit in einen bodenlosen Abgrund von Hass, Tod und Gewalt versinken ließen», erklärte er.

Sallusti erklärte zu seiner Verteidigung, dass «Il Giornale» nur dasselbe tue wie das Institut für Zeitgeschichte in München, nachdem die Urheberrechte an Hitlers Buch erloschen seien. Das Institut hatte eine umfassende wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe zum Ziel, das die Thesen und Absichten Hitlers deutlich machen und die Folgen aufzeigen soll.

Von

dpa

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