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11.11.2013

19:38 Uhr

Jahressynode

Evangelische Kirche mit Rekordsteueraufkommen

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat Rekordeinnahmen verbucht. Obwohl sie Mitglieder verliert, konnte die EKD ihr Kirchensteueraufkommen zum Vorjahr erhöhen. Die neue Vorsitzende will jetzt neue Schwerpunkte setzen.

Die neue Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Irmgard Schwaetzer. Noch bis zum 13. November 2013 diskutieren die Synodalen zum Themen „Es ist genug für alle da – Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft“. dpa

Die neue Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Irmgard Schwaetzer. Noch bis zum 13. November 2013 diskutieren die Synodalen zum Themen „Es ist genug für alle da – Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft“.

DüsseldorfDank guter Konjunktur kann sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) über Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer freuen. Obwohl die Zahl der Kirchenmitglieder weiter sinkt, nahmen die 20 Landeskirchen 2012 aus den Steuern sowie freiwillig gezahlten Gemeindebeiträgen 4,77 Milliarden Euro ein.

„Nominal ist das das bisher höchste Kirchensteueraufkommen“, sagte EKD-Ratsmitglied Klaus Winterhoff am Montag bei der Jahrestagung der Synode in Düsseldorf. 2013 sei mit weiterem Zuwachs zu rechnen, ewig werde der Trend allerdings nicht anhalten. Daher sei Vorsorge wichtig. 2011 hatte die EKD 4,38 Milliarden Euro aus Kirchensteuern verbucht.

Die überraschend gewählte neue Vorsitzende des Kirchenparlaments, Irmgard Schwaetzer, will mehr Einfluss und Wertschätzung für Laien in der Kirche. Als weitere Schwerpunkte für ihre Arbeit nannte die frühere FDP-Politikerin am Montag das Eintreten für eine andere Flüchtlingspolitik und gegen religiöse Intoleranz sowie die Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum 2017.

Schwaetzer war am Vorabend nach einem langwierigen Wahlkrimi zur Nachfolgerin von Katrin Göring-Eckardt bestimmt worden. Diese hatte das Amt im September vorzeitig niedergelegt, um sich auf ihre Arbeit als Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag zu konzentrieren.

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Vor Schwaetzers Wahl waren Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), der als Favorit galt, und die Bremer Juristin Brigitte Boehme in zwei Wahlgängen gegeneinander angetreten. Beide erreichten jedoch nicht die erforderliche Mehrheit und zogen zurück. Dann kam Schwaetzer - einst FDP-Generalsekretärin und Bauministerin - als Kompromisskandidatin ins Spiel. Sie bekam 91 von 115 Stimmen.

Schwaetzer schlug vor, die Kirchenparlamente stärker in die inhaltliche Arbeit und Entscheidungsprozesse der EKD einzubinden. „Auf einen Hauptamtlichen kommen in der evangelischen Kirche fünf Ehrenamtliche. Das macht die Bedeutung dieser Laienbewegung sehr deutlich“, sagte die 71-Jährige am Rande der Tagung. „Dies ist ein wirklicher Schatz. Wir möchten auf allen Ebenen der Kirche diesen Schatz würdigen und wertschätzen.“

Beckstein bleibt trotz seiner herben Niederlage Vize-Präses. Er ist in der evangelischen Kirche nicht unumstritten, weil er während seiner Zeit als bayerischer Innenminister als Hardliner in der Flüchtlingspolitik galt. Am Freitag hatte er den gegenwärtigen Kurs der EKD kritisiert und gefordert, sie müsse „frommer“ werden.

„Für die Spitze der EKD wäre es sehr ungewöhnlich gewesen, einen religiös Konservativen und politisch Konservativen an der Spitze zu haben“, sagte der CSU-Politiker Bayerischen Rundfunk. „Die Farbenlehre der evangelischen Kirche ist an der Spitze, dass rosarot bis feuerrot vertreten ist und pastellgrün bis tiefgrün.“ Mit Schwaetzer kommt nun gelb dazu.

Die Initiative „Kirche von unten“ kritisierte, von Schwaetzer seien kaum kirchen- und gesellschaftspolitische Positionen bekannt. „EKD-interne Harmonie war der Mehrheit der Synodalen offenbar wichtiger als eine starke Positionierung nach außen.“ Nach Einschätzung des scheidenden FDP-Chefs Philipp Rösler stellt sich die neue Präses der Herausforderung, „auf dem eingeschlagenen Weg voranzugehen, die evangelische Kirche näher an die Lebenswirklichkeit der Menschen heranzuführen“.

Ein Schwerpunkt der Synode am Montag waren Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft. Unter dem Motto „Es ist genug für alle da“ hörten sich die Synodalen Vorträge an und diskutierten darüber. Ein Referent erläuterte, weltweit hungerten 850 Millionen Menschen, vor allem in den Entwicklungsländern. Jeden Tag sterben demnach 4000 Kinder an Hunger, obwohl eigentlich genug Nahrungsmittel da sind. Der Berliner Landesbischof Markus Dröge prangerte eine ungerechte Verteilung der Ressourcen und eine Abschottung Europas gegen Flüchtlingsströme an. „Wir spüren, da stimmt etwas nicht.“

Von

dpa

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