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12.03.2011

01:36 Uhr

Japan am Tag danach

Ein bisschen Normalität im Wahnsinn

VonJan Keuchel

In Japan bebt die Erde weiter. Es wird vor weiteren Tsunamis gewarnt. Trotzdem geht das Leben weiter und das Land sucht Halt in der Normalität. Ein Erlebnisbericht aus Tokio über den Tag eins nach dem Horror-Beben.

Ein MAnn fährt auf seinem Fahhrad durch die vom Tsunami gefluteten Straßen von Sendai im Nordosten Japans. Quelle: Reuters

Ein MAnn fährt auf seinem Fahhrad durch die vom Tsunami gefluteten Straßen von Sendai im Nordosten Japans.

TokioDie Zeitungen entschuldigen sich. Leider könne man heute nur in eingeschränktem Umfang ausliefern, bestimmte Regionen würden ausgespart, „wir bitten um ihr Verständnis.“ Als hätte jemand am heutigen Samstag eine Zeitung erwartet.

Jan Keuchel ist Reporter für „investigative Recherche“ und Gerichtsverfahren. Quelle: Pablo Castagnola

Jan Keuchel ist Reporter für „investigative Recherche“ und Gerichtsverfahren.

Nie war die japanische Höflichkeit rührend hilfloser, nie war zugleich die Zeitung von heute älter. Die Yomiuri meldet auf ihrer Titelseite „mindestens 20 Tote“. Doch längst ist gewiss, dass es über Tausend werden, die das größte Erdbeben in Japans Geschichte nicht überlebt haben. Und noch ist vieles ungewiss. Die Zahl der Vermissten ist hoch. Vielen sind noch immer zu Fuß auf dem Weg nach Hause. „30 Kilometer“ habe ihr Mann auf sich genommen, schreibt eine Bekannte, „ich kann nicht aufhören zu zittern“. Eine andere bricht am Telefon in Tränen aus.

Noch sind viele in Schockstarre ob des Unfassbaren, das sich gestern ereignete. Die Folgen sind unabsehbar. Die Regierung hat den atomaren Notstand ausgerufen, insgesamt fünf Reaktoren in den Atomkraftwerken Fukushima I und II werden immer heißer. Immer mehr Menschen werden von dort evakuiert, die Grenze ist auf einen Umkreis von 10 Kilometer erhöht worden von dem Ort, der 240 Kilometer von Tokio entfernt liegt.

Und noch bebt die Erde weiter. Die Nacht in den Samstag hinein war bei vielen unterbrochen von ständigem Wackeln der Räume, an Schlafen war kaum zu denken. Wenn die Menschen denn ein Dach über dem Kopf hatten. In den am stärksten betroffenen Gegenden sind viele obdachlos, sie frieren. Es brennt in vielen Regionen.

Kommentare (1)

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Lehner

28.03.2011, 13:46 Uhr

URAN im Kontakt mit Wasser bewirkt die Freisetzung von Wasserstoffgas, welches explodierend Radioaktivität freisetzt.
Bei Tschernobyl wurde mit SAND abgedichteet, um derartiges zu verhindern.
Ich bemühe mich seit einer Woche, jemanden dafür zu interssieren.
Es ist der reine Wahnsinn - da wird wochenlang FALSCH gelöscht und jetzt ist es eh schon wurscht !!!

Natürlich - wenn keiner die Literatur über Reaktorphysik aus den 70- er Jahren kennen will...

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