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29.03.2012

17:06 Uhr

Jean-Paul Guerlain

Eine Parfüm-Legende und ihr verdorbener Ruf

Am Ende seiner Karriere steht Jean-Paul Guerlain mit einem ramponierten Ruf da. Ein Gericht verurteilt die Parfüm-Schöpfer-Legende wegen rassistischer Äußerungen zu 6000 Euro Geldstrafe.

Jean-Paul Guerlain im Gericht in Paris. dapd

Jean-Paul Guerlain im Gericht in Paris.

ParisErst Designer John Galliano, nun Parfümeur Jean-Paul Guerlain: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ist ein ganz Großer der Luxusbranche wegen rassistischer Verunglimpfungen verurteilt worden. Der Schuldspruch ist nicht nur für den Franzosen Guerlain, sondern auch für die gleichnamige Marke eine unangenehme Sache. Gerade bei Kundschaft, die nicht auf den Preis achtet, spielt das Image eine riesige Rolle. Und das legendäre Parfümhaus stand bereits im Jahr 2002 am Pranger. Damals kam heraus, dass Guerlain auf der Insel Mayotte im Indischen Ozean Illegale beschäftigte.

Der jüngste Ärger um die frühere „Chefnase“ hat allerdings eine andere Dimension. Guerlain äußerte sich 2010 in aller Öffentlichkeit in abfälliger Weise über Schwarze. Um seinen Duft „Samsara“ zu erschaffen, habe er „gerackert wie ein Neger“, erzählte der heute 75-Jährige bei einem Fernsehauftritt. Und ergänzte: „Wobei ich nicht weiß, ob Neger jemals so hart geschuftet haben.“ Dass Guerlain damals eigentlich schon in Rente war und wegen der „Dummheit“ um Verzeihung bat, spielte bei den Reaktionen keine Rolle. Von allen Seiten hagelte es nach dem TV-Interview Kritik und Boykottaufrufe. Der Versicherungskonzern Axa entschädigte das Unternehmen bereits mit rund 300.000 Euro, weil nach den rassistischen Äußerungen etliche Guerlain-Boutiquen Umsatzeinbrüche erlitten und mehrere sogar schließen mussten.

Manche bangen nun sogar um das Image der gesamten Luxusbranche. Bereits nach den rassistischen Entgleisungen des exzentrischen Modeschöpfers John Galliano (51) hatten sich Designer wie Karl Lagerfeld besorgt geäußert. „Dieses Bild ist einmal um die Welt gegangen. Es wirft ein schreckliches Bild auf die Mode, weil die Leute glauben werden, alle Designer und die gesamte Modewelt seien so“, sagte er damals dem Branchenmedium „Women's Wear Daily“.

Zuvor war ein anonym aufgenommenes Video aufgetaucht. In ihm lallte Galliano in einer Bar die Worte „I love Hitler“ und beschimpfte andere Gäste mit Sätzen wie „Leute wie Sie sollten tot sein...“ Zu 6000 Euro Geldstrafe auf Bewährung verurteilte ihn im vergangenen Jahr ein Gericht nach Anzeigen von Betroffenen. Bei der Gerichtsverhandlung hatte Galliano ausgesagt, sich an die Pöbeleien nicht erinnern zu können. Er verwies auch auf schweren Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.

Dass Rassismus in der Modebranche kein Fremdwort ist, bestätigte wiederholt Naomi Campbell (41). Sie selbst habe nur Karriere machen können, weil andere Topmodels wie Linda Evangelista und Christy Turlington ohne sie nicht auf den Laufsteg wollten, erzählte das Supermodel 2008 in einem Interview der Zeitung „The London Paper“. Zuvor hatte Campbells ehemalige Managerin Carole White Ähnliches berichtet. „Schwarze Models machen nie Geld. Selbst Naomi verdiente nie so viel wie weiße Models.“ Das zum weltgrößten Luxusgüterkonzern LVMH gehörende Parfümhaus Guerlain muss nun hoffen, dass der Prozess der Schlusspunkt der Affäre ist. 6000 Euro Strafe soll ihr einstiger Vorzeigemitarbeiter zahlen, hinzu kommen Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt 6000 Euro an Anti-Rassismus-Organisationen. Sie hatten nach dem TV-Interview Anzeige erstattet.

Von

dpa

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