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04.02.2015

18:58 Uhr

Johann Lafer

Ermittlungen gegen Fernsehkoch ausgeweitet

Seit einigen Monaten wird gegen Fernsehkoch Johann Lafer ermittelt. Der Grund: Der Starkoch soll Steuern hinterzogen haben. Lafer hat inzwischen Fehler eingeräumt, die Ermittlungen wurden ausgeweitet.

Im September durchsuchten Beamte das Restaurant und die Kochschule des Fernsehkochs. obs

TV-Koch Johann Lafer

Im September durchsuchten Beamte das Restaurant und die Kochschule des Fernsehkochs.

KoblenzDie Ermittlungen gegen Fernsehkoch Johann Lafer wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung sind ausgeweitet worden. Es werde gegen neun weitere Personen ermittelt, darunter Arbeitnehmer von Lafer, sagte der Koblenzer Oberstaatsanwalt Hans Peter Gandner am Mittwoch und bestätigte einen „Stern“-Bericht. Es gehe teilweise um Beihilfe. Lafer selbst räumte im „Stern“ einen Fehler ein.

Der Starkoch soll bei der Beschäftigung einer ehemaligen Hausangestellten Lohnsteuer hinterzogen und Sozialabgaben verkürzt haben. Dem „Stern“ bestätigte er nun, seine private Haushälterin über seine Firmen beschäftigt und das Arbeitsverhältnis falsch deklariert zu haben.

„Ja, ich habe einen Fehler begangen“, zitiert das Magazin Lafer. „Und für diesen Fehler muss ich bestraft werden, aber es war nur ein Fehler und kein System – ich bin kein Steuerhinterzieher.“

Fristen und Verjährung bei Steuerhinterziehung

Steuerrecht – Verjährung nach 10 Jahren

Die maximale Verjährungsfrist von zehn Jahren gilt für die Fälle, in denen vorsätzlich Steuern hinterzogen wurden. Dazu gehören beispielsweise die klassischen Konten im Ausland.

Steuerrecht – Verjährung nach 5 Jahren

Leichtfertige Steuerhinterziehungen verjähren nach fünf Jahren. Dazu zählt etwa, wenn ein Unternehmer seine Buchführung vernachlässigt.

Steuerrecht – Verjährung nach 4 Jahren

Die Normalverjährung von vier Jahren ist in der Praxis beispielsweise dann relevant, wenn einer Person bloß versehentlich bei der Steuererklärung ein Fehler unterlaufen ist, etwa ein Zahlendreher. Hier müsste das Finanzamt den Beweis erbringen, dass dies vorsätzlich geschehen ist, wenn es die verlängerte Frist geltend machen will.

Steuerrecht – Fristbeginn

Die Frist beginnt stets zum 31. Dezember des Jahres, in dem die Steuererklärung abgegeben wurde. Wurde also eine Steuererklärung für 2003 im Jahr 2004 abgegeben, beginnt die Verjährung am 31. Dezember 2004. Bei einer Frist von zehn Jahren könnte sich ein Steuerhinterzieher also erst nach dem 31. Dezember 2014 in Sicherheit wiegen.

Steuerrecht – Praxis

Bei einer vorsätzlichen Steuerhinterziehung kann das Finanzamt verlangen, dass die Steuererklärungen für die letzten zehn Jahre nachgearbeitet werden. Bei einer leichtfertigen Steuerhinterziehung könnten die Steuererklärungen für die vergangenen fünf Jahre verlangt werden.

Strafrecht – Verjährung nach 5 Jahren

Im Strafrecht beträgt die normale Verjährungsfrist fünf Jahre. Für die besonders schweren Fälle kann eine verlängerte Frist von zehn Jahren greifen.

Strafrecht – Fristbeginn

Die Verjährungsfrist beginnt im Strafrecht taggenau. Das heißt: Wird der Steuerbescheid am 10. März 2009 bekannt gegeben, endet die Verjährung am 10. März 2014.

Strafrecht – Schwere Fälle

Ende 2008 wurde die geltende Regelung für die sogenannten „besonders schweren Fälle“ modifiziert. Seither gilt: Wurden Einnahmen verschwiegen, die zu einer Nachzahlung von 100.000 Euro pro Jahr führen oder wurde eine ungerechtfertigte Steuervergütung von mindestens 50.000 Euro erschlichen, so soll keine Geldstrafe mehr möglich sein. Die Verjährung in diesen Fällen beträgt strafrechtlich dann 10 Jahre.

Sein Anwalt, Christian Schertz, teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Wir werden uns zu laufenden Verfahren darüber hinaus nicht äußern.“ Die Ermittlungen gegen Lafer laufen seit September vergangenen Jahres und werden laut Gandner noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Damals hatten Beamte Lafers Restaurant in Stromberg und seine Kochschule bei Bad Kreuznach durchsucht.

Von

dpa

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