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01.05.2011

10:56 Uhr

Johannes Paul II

Seligsprechung in Rekordtempo

Die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. ist die schnellste aller Zeiten - und wird deshalb von der Öffentlichkeit in besonderem Maße beäugt. Alle Fakten zur Seligsprechung und wie es dazu kam.

Gläubige auf dem Petersplatz im Vatikan bei der Trauerfeier für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. Quelle: dpa

Gläubige auf dem Petersplatz im Vatikan bei der Trauerfeier für den verstorbenen Papst Johannes Paul II.

RomSanto subito - der Wunsch vieler Katholiken ist jetzt Wahrheit geworden. Papst Benedikt XVI. hat seinen verstorbenen Vorgänger Johannes Paul II. seliggesprochen - die Vorstufe zur tatsächlichen Heiligsprechung. Hunderttausende Pilger und Gläubige aus der gesamten Welt versammelten sich zu der Zeremonie auf dem Petersplatz in Rom. „Und heute ist der erwartete Tag gekommen, er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat: Johannes Paul II. ist selig“, erklärte Papst Benedikt.

Die Polizei schätzte die Zahl der Pilger auf 1,5 Millionen. Viele hatten die Nacht auf dem Petersplatz verbracht, um bei der Zeremonie eine gute Sicht zu haben. An der Zeremonie nahmen auch zahlreiche Staatsvertreter sowie Mitglieder des europäischen Adels teil. Insgesamt waren 90 Delegationen aus der ganzen Welt vertreten, darunter auch der umstrittene Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe. Er darf zwar nicht in die Europäische Union reisen - der souveräne Kleinstaat Vatikan ist jedoch kein Mitglied der Gemeinschaft.

In seiner Predigt wurde Benedikt sehr persönlich und sprach von seinen Erinnerungen an seinen Vorgänger, dessen Pontifikat 1978 begonnen hatte. „Mein Dienst wurde durch seine spirituelle Tiefe und den Reichtum seiner Intuition getragen. Sein beispielhaftes Beten hat mich immer berührt und erbaut“, sagte der 84-Jährige. Johannes Paul habe die Gesellschaft, die Kultur, die Bereiche der Politik und der Wirtschaft für Christus geöffnet. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte bei einer Predigt in Münster: „Er hat Geschichte geschrieben, wie nur wenige Päpste zuvor, und hat die Kirche in das neue Jahrtausend geführt."

Bereits am Freitag war der Sarg aus der Krypta geholt worden. Er wurde im Petersdom vor dem Hauptaltar aufgestellt. Bevor er seinen neuen Platz in der Basilika einnimmt, können ihn sich dort alle Gläubigen anschauen.

Die Zeremonie zur Seligsprechung ist die letzte Stufe vor einer Heiligsprechung. Das kirchliche Verfahren zur Seligsprechung kann normalerweise erst fünf Jahre nach dem Tod einer Person beginnen. Zudem dauert die Prüfung häufig Jahrzehnte. Papst Benedikt hatte diese Regel nach dem Kirchenrecht außer Kraft gesetzt. Johannes Paul wird eine Wunderheilung zugesprochen. Eine französische Nonne, bei der die Parkinson-Krankheit festgestellt wurde, betete nach eigener Aussage um die Fürsprache von Johannes Paul. Die Krankheit sei dann auf unerklärliche Weise verschwunden. Die Nonne nahm auch an der Zeremonie am Sonntag teil.

Die schnelle Seligsprechung des Papstes findet in der katholischen Kirche eine überwältigende Zustimmung. Vereinzelt gibt es jedoch auch Kritik. Liberale bringen Johannes Paul mit dem Missbrauchsskandal in Verbindung, der die Kirche zuletzt tief erschütterte.

Das Leben vom Johannes Paul II

18. Mai 1920

Geboren im polnischen Wadowice nahe Krakau als Kind tiefgläubiger Katholiken, getauft auf den Namen Karol Jozef Wojtyla.

1. November 1946

Priesterweihe und Studienbeginn in Rom, später Promotion in Philosophie.

Ab Juli 1948

Kaplan in Polen.

1958

Berufung zum Weihbischof in Krakau

1967

Weihe durch Papst Paul VI. zum polnischen Kardinal

16. Oktober 1978

Wahl zum ersten nicht-italienischen Papst seit mehr als 450 Jahren unter dem Namen Johannes Paul II.

15. November 1980

Erster Deutschlandbesuch, Würdigung des Reformators Martin Luther.

1987 und 1996

Zweiter und dritter Deutschlandbesuch. Insgesamt unternimmt er während seines Pontifikats 104 Auslandsreisen in 129 Länder.

13. Mai 1981

Der Papst wird bei einem Attentat des türkischen Rechtsextremisten Mehmet Ali Agca durch Schüsse schwer verletzt.

25. November 1981

Johannes Paul II. beruft den Münchner Kardinal Joseph Ratzinger, den heutigen Papst Benedikt XVI., zum Präfekten der römischen Glaubenskongregation.

13. April 1986

Als erstes katholisches Kirchenoberhaupt besucht er ein jüdisches Gotteshaus - die Synagoge in Rom.

1989 und 1990

Fall des eisernen Vorhangs in Osteuropa. Der Papst, der vor allem die Opposition in seiner Heimat Polen unterstützte und für Religionsfreiheit im Ostblock eintrat, hat daran einen Anteil.

17. Mai 1993

Erstmals seit 1566 erscheint ein neuer „Weltkatechismus“. Kritiker sprechen von einem „antiquierten Kompendium der Glaubens- und Sittenlehre“.

30. Mai 1994

„Endgültige“ Ablehnung des Frauenpriestertums in einem Apostolischen Schreiben.

16. März 1998

Vatikan erkennt Mitschuld der Christen, nicht jedoch der Kirche am Holocaust an.

12. März 2000

„Mea Culpa“ für die Verfehlungen der Kirche wie Glaubenskriege, Judenverfolgung und Inquisition.

02. April 2005

Tod nach langer Krankheit in Rom

Johannes Paul II. wird eine Wunderheilung zugesprochen. Eine französische Nonne, bei der die Parkinson-Krankheit festgestellt wurde, wandte sich nach eigener Aussage in Gebeten an den 2005 gestorbenen Johannes Paul. Die Krankheit sei dann auf unerklärliche Weise verschwunden. Die Zeremonie zur Seligsprechung ist die letzte Stufe vor einer Heiligsprechung. Das kirchliche Verfahren zur Seligsprechung kann normalerweise erst fünf Jahre nach dem Tod einer Person beginnen. Papst Benedikt durfte diese Regel nach dem Kirchenrecht aber außer Kraft setzen.

Die Seligsprechung ist wichtige Voraussetzung für eine spätere Heiligsprechung. Zahlreiche Gläubige und einige Kardinäle hatten schon 2005 bei der Beerdigung des populären Karol Wojtyla gefordert: „Santo subito“ (heilig sofort). Doch das wollte Benedikt nicht.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

01.05.2011, 13:19 Uhr

Manchmal erscheint mir die katholische Kirche wie unsere Bundesregierungen, die Probleme werden nicht adäquat angegangen, schon gar nicht gelöst, dafür werden Dinge veranstaltet, die beeindrucken oder ablenken sollen von dem, was an sich nicht vertagt werden sollte. Einen unzweifelhaften Vorteil hat alldings die katholische Kirche: Jede(r) kann selbst entscheiden, ob und wie er/sie sich beteiligt, Austritt ist möglich - Gott sei Dank!

aruba

01.05.2011, 17:31 Uhr

Guten Tag;.... Gott hab Ihn selig. Mir gefaellt an dem gangen Unfug am besten die Englische Uebersetzung.* beatified *....... Herr lass es Abend werden; Morgen wird's von selber. Den Saecken gelingt es immer wieder dem Volk das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dies war eine boese Woche;.... erst die Affen in England und jetzt die Kinderschaender und Tunten in Rom. Besten Dank

Werner

01.05.2011, 18:09 Uhr

Nicht jeder Katholik ist Kinderschänder

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