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19.04.2015

08:38 Uhr

Joseph Ratzinger

Deutschland am 19. April 2005: „Wir sind Papst“

Vor zehn Jahren hat die Wahl von Papst Benedikt zum Papst erst elektrisiert, dann enttäuscht. Heute geht der emeritierte Kirchenführer spazieren, denkt an den Tod – und würde gerne anders genannt werden.

„Wir sind Papst“ – Diese Schlagzeile machte Geschichte:  Nach etwa 480 Jahren stellte Deutschland im Jahr 2005 wieder einen Pontifex. dpa

Wahl von Papst Benedikt XVI.

„Wir sind Papst“ – Diese Schlagzeile machte Geschichte: Nach etwa 480 Jahren stellte Deutschland im Jahr 2005 wieder einen Pontifex.

RomWar es wirklich weißer oder doch schwarzer Rauch, der da aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle kam? Nach hektischem Rätseln war an jenem 19. April vor zehn Jahren klar: Der Rauch war weiß, es gab einen neuen Papst. Und dieser hieß zur Überraschung vieler: Joseph Ratzinger, Papst Benedikt XVI.

Nach etwa 480 Jahren stellte Deutschland wieder einen Pontifex. Aus anfänglicher Skepsis wurde Euphorie („Wir sind Papst“), über die sich dann doch bald ein Schatten legte. Ausgelöst einerseits durch Benedikts konservative Linie, durch Kommunikationspannen des Vatikans und durch Krisen, die die katholische Kirche als Ganzes erschütterten.

Schwer wog die Last des Amtes auf den Schultern des Mannes aus Bayern, der schon Jahrzehnte vor seiner Papstwahl als Kardinal Ratzinger im Vatikan als Präfekt der Glaubenskongregation hinter den Kulissen die Fäden in der Hand hielt. Zu schwer. Nach fast acht Jahren, im Februar 2013, traf die Welt die Sensation völlig unvorbereitet: Papst Benedikt tritt zurück. Ein Rücktritt eines Papstes - so etwas gab es seit mehr als 700 Jahren nicht mehr.

Bis heute wird spekuliert, was der Grund war. Waren es wirklich die Gebrechen des Alters, die fehlende Kraft, solch ein strapazierendes und verantwortungsvolles Amt auszuführen? Oder war es der Vatileaks-Skandal um gestohlene Dokumenten und Enthüllungen über Intrigen im Vatikan? Fest steht, dass man dem damals 85-Jährigen die Mühen am Ende deutlich ansah, dass sein Körper schwach wurde.

Der Papst ist in Bayern verwurzelt

Marktl am Inn

In der Stadt am Inn ist Joseph Ratzinger am 16. April 1927 als Sohn des Gendarmeriemeisters Joseph und seiner Frau Maria geboren worden. Nach seiner Wahl zum Papst kommt großer Rummel in Marktl auf, von der Papst-Torte bis zum Papst-Bier sind dort viele Souvenirs zu kaufen. Bei seinem Bayern-Besuch 2006 stattet Benedikt XVI. seiner Taufkirche St. Oswald einen Besuch ab.

Traunstein

Hier besucht er das Studienseminar St. Michael. Die Familie hat im nahen Hufnagel ein Haus bezogen. Später wird Ratzinger Traunstein als seine Heimatstadt bezeichnen, da die Eltern zuvor oft umgezogen sind. Im Zweiten Weltkrieg wird Ratzinger als Flakhelfer eingezogen und gerät kurzzeitig in US-Gefangenschaft, bleibt aber unverletzt. Nach dem Krieg legt er in Traunstein sein Abitur ab.

Freising

In der geschichtsträchtigen Domstadt beginnt Ratzinger 1946 ein Theologiestudium. Sein Ziel ist es, Priester zu werden. Schon als Student gilt er als außergewöhnlich begabt. 1951 wird er zusammen mit seinem Bruder Georg zum Priester geweiht. In seiner Promotion geht es um den Kirchenlehrer Augustinus. An der philosophisch-theologischen Hochschule Freising lehrt er von 1957 an Dogmatik, ehe er an die Uni Bonn wechselt.

Regensburg

1969 erhält Ratzinger einen Ruf nach Regensburg. An der jungen Universität lehrt er Dogmatik und Dogmengeschichte. Im Vorort Pentling hat lässt er sich ein Haus bauen. Seine Eltern und seine Schwester Maria sind auf dem Pentlinger Friedhof begraben. Sein Bruder Georg, einst Leiter der Regensburger Domspatzen, lebt in Regensburg.

München

Joseph Ratzinger verbringt einen Teil seines Theologiestudiums in München, später arbeitet er als Kaplan in zwei Pfarreien der Landeshauptstadt. 1977 muss der mittlerweile renommierte Professor den Hörsaal verlassen und auf einem Bischofsstuhl Platz nehmen: Er wird zum Erzbischof von München-Freising ernannt. Fünf Jahre später folgt der Ruf nach Rom, Kardinal Ratzinger wird Präfekt der Glaubenskongregation.

Eine Popularität wie sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. konnte Benedikt nie erreichen, zuwider war dem Theologie-Professor der Medienhype. „Die Wahl des Nachfolgers des großen Johannes Paul II. musste wirken wie eine einzige Provokation....Der angeblich so scheue Intellektuelle auf dem Stuhl des Menschenfischers? Und dann auch noch jemand aus dem Land der Kirchenspaltung und des Naziterrors?“, schreibt dazu Benedikt-Biograf Peter Seewald.

Und auch die Spontanität und Offenheit seines Nachfolgers Franziskus fehlten dem Mann aus Marktl am Inn. Doch selbst seine Kritiker mussten einräumen, dass dem früheren Erzbischof von München und Freising intellektuell niemand das Wasser reichen konnte.

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