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24.11.2014

10:51 Uhr

Jugendwort des Jahres

Zügellose Sprache? Nicht mit Langenscheidt!

Alle Jahre wieder gibt der Langenscheidt-Verlag werbewirksam das „Jugendwort des Jahres“ bekannt. In diesem Jahr ist es ein Satz – und der anrüchige Gewinner des Online-Votings wird von der Jury ignoriert.

„Läuft bei Dir“: Der Satz gilt unter Jugendlichen als Synonym für cool oder krass. Imago

„Läuft bei Dir“: Der Satz gilt unter Jugendlichen als Synonym für cool oder krass.

MünchenDas „Jugendwort des Jahres“ ist ein Satz: „Läuft bei Dir“ als Synonym für cool oder krass wurde in diesem Jahr gekürt, wie der Langenscheidt-Verlag am Montag in München mitteilte. Die Redewendung sei unter Jugendlichen weit verbreitet und werde ohne regionale oder soziale Begrenzungen verwendet. Der Ausdruck beschreibe „einfach perfekt eine für Jugendliche typische Situation“.

Auf dem zweiten Platz landete „Gönn dir!“, als Ausdruck für „Viel Spaß dabei“. Auf Rang drei findet sich „Hayvan“: Das aus dem Türkischen stammende Wort für Tier könne sowohl positiv als auch negativ verwendet werden – entweder als Synonym für „Muskelpaket“ sowie „treuer Freund“ oder für „ohne Denkvermögen“.

Das berühmte „Selfie“ schaffte es nur auf Platz vier – gefolgt von „Senfautomat“ für jemanden, der alles kommentiert, also immer seinen Senf dazu geben muss. Mit dem „Jugendwort des Jahres“ wirbt der Münchner Langenscheidt-Verlag Jahr für Jahr für sein Buch „100% Jugendsprache“. In den vergangenen Jahren wurden „Babo“ (2013), „Yolo“ (2012), „Swag“ (2011), „Niveaulimbo“ (2010) und „hartzen“ (2009) gekürt.

Die „Jugendwörter“ der vergangenen Jahre

2013

„Babo“: Das Wort bedeutet so viel wie Boss oder Anführer. Der Ausdruck erinnert an den türkischen Baba (Vater) und wird vor allem in kurdischen Gebieten der Türkei benutzt. Hierzulande bekanntgemacht hat den Begriff der deutsch-kurdische Rapper Haftbefehl aus Offenbach – mit seinem Lied „Chabos wissen wer der Babo ist“.

2012

Yolo: Es ist ein Akronym und steht für „You only live once“ – eine Aufforderung, alle Chancen auf Erlebnisse zu nutzen.

2011

Swag: Der US-amerikanische Ausdruck bezeichnet eine „beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung“ oder eine „charismatisch-positive Aura“. Wörtlich übersetzt bedeutet „to swagger“ stolzieren, prahlen oder schwadronieren, und „swaggerer“ heißt Aufschneider oder Angeber.

2010

Niveaulimbo: Mit dem Begriff beschrieben Jugendliche 2010 das Absinken des Niveaus beispielsweise im Fernsehprogramm, bei Partys oder in Gesprächen.

2009

hartzen: Das an Hartz IV angelehnte Wort kann so etwas wie rumhängen oder auch arbeitslos sein heißen.

2008

Gammelfleischparty: Das erste „Jugendwort des Jahres“ ist eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für eine Ü-30-Party.

Seit 2008 werden Jugendliche dazu aufgerufen auf „jugendwort.de“ ihre Lieblingswörter der Jugendsprache einzureichen und darüber abzustimmen. In diesem Jahr hatte die Online-Abstimmung Schlagzeilen gemacht, weil das Wort „fappieren“ mit 46 Prozent der Stimmen deutlich vorn lag. Angelehnt an das englische Verb „to fap“ soll es die jugendliche Art sein, über Masturbation zu sprechen.

Wie Medien berichteten, könnte ein Online-Aufruf der Grund für den Erfolg des „Fappierens“ sein. Anfang Oktober tauchte im Webforum „4chan“ eine Aufforderung zur Wahl auf. „Natürlich ist 4chan ein schwieriges Portal“, sagte Langenscheidt-Sprecherin Simone Kohl zu „Spiegel Online“, es habe aber in der Vergangenheit immer wieder Aufrufe gegeben, für ein bestimmtes Wort abzustimmen. „4chan“ machte in der Vergangenheit immer wieder durch Geschmacklosigkeiten auf sich aufmerksam. Dieses Mal sollte für den Pornobegriff abgestimmt werden, damit nicht der türkische Ausdruck „Hayvan“ gewählt wird.

Die Online-Abstimmung ist aber nicht die einzige Grundlage für die Kür des „Jugendwortes des Jahres“. Die 15 meistgewählten Wörter werden wiederum einer Jury vorgelegt. „Für die 14-köpfige Jury, bestehend aus Jugendlichen, Journalisten und Sprachwissenschaftlern, hatte das Wort jedoch nicht die Relevanz, die das Internetvoting vermuten ließ“, teilte der Verlag mit.

„Läuft bei Dir“ schaffte es in der Online-Umfrage mit 16 Prozent nur auf Platz drei – noch hinter Hayvan mit 28 Prozent. Das letzte Wort über das „Jugendwort des Jahres“ liegt dann bei der Jury.

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