Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.02.2012

16:57 Uhr

Kachelmann-Fall

Gericht zieht Grenzen der Berichterstattung

In einem Prozess veröffentlichte Details dürfen nur in Presseberichte fließen, wenn sie in Zusammenhang mit dem Vorwurf stehen, so das Oberlandesgericht Köln. Berichte müssten „zurückhaltend und ausgewogen“ sein.

Beim Sender main.tv arbeitet Ex-ARD-Moerator Jörg Kachelmann jetzt als Wettermann. dpa

Beim Sender main.tv arbeitet Ex-ARD-Moerator Jörg Kachelmann jetzt als Wettermann.

KölnDas Oberlandesgericht (OLG) Köln hat der medialen Berichterstattung über das Privatleben von Angeklagten in Strafverfahren deutliche Grenzen gezogen. Medien dürfen intime Details wie etwa aus dem Vergewaltigungsprozess gegen Wettermoderator Jörg Kachelmann selbst dann nicht berichten, wenn sie in der Verhandlung zwar bekannt wurden, aber in keinem Zusammenhang mit dem eigentlichen Vorwurf stehen, entschied das OLG in einem am Dienstag verkündeten Urteil. (Az: 15 U 123/119)

Kachelmann hatte geklagt, weil unter anderem die „Bild“-Zeitung im Detail über einvernehmliche Sexualpraktiken zwischen ihm und seiner Ex-Freundin berichtet hatte, die ihn wegen angeblicher Vergewaltigung angezeigt hatte. Diese Details waren zwar aus einem Protokoll im Gerichtssaal verlesen worden. Die Medien hätten sie laut OLG-Urteil aber gleichwohl nicht veröffentlichen dürfen. Zur weiteren Begründung hieß es, die Öffentlichkeit eines Gerichtssaales sei nicht mit der Wirkung zu vergleichen, die von einer Veröffentlichung in den Medien oder im Internet ausgehe.

Zudem müssten die Medien berücksichtigen, dass Kachelmann nicht verurteilt war, sondern für ihn die Unschuldsvermutung gegolten habe. „Dementsprechend zurückhaltend und ausgewogen“ müssen Medien in solchen Fällen über Tatvorwürfe und Anklage berichten, heißt es im Urteil. Kachelmann war Ende Mai 2011 in einem der spektakulärsten Prozesse der vergangenen Jahre freigesprochen worden. Es gebe keine „tragfähigen Beweise“, dass Kachelmann im Februar 2010 seine Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt habe, hieß es damals in der Urteilsbegründung.

Von

afp

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

malesi

14.02.2012, 17:36 Uhr

Als Landsmann möchte ich dennoch Herr Kachelmann nicht verteidigen - und ein Blaubart ist er allemal. Aber die Einschränkung für die Bild-Zeitung ist ebenso richtig!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×