Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2011

10:05 Uhr

Kachelmann-Freispruch

Sieg der Unparteiischen

VonOliver Stock

Der Freispruch im Vergewaltigungsprozess macht Jörg Kachelmann nicht zum Sieger. Die Umstände der Verhandlung haben das Ansehen fast aller Beteiligten ramponiert. Gewonnen hat nur eine - Justitia.

Gewonnen hat nur Justitia, findet der leitende Handelsblatt-Redakteur Oliver Stock. Quelle: Pablo Castagnola

Gewonnen hat nur Justitia, findet der leitende Handelsblatt-Redakteur Oliver Stock.

DüsseldorfFast alle sind beschädigt - nur einer hat gewonnen: das Gericht. Der Prozess um den Wetterunternehmer Jörg Kachelmann war ein Schaulaufen von Anklägern und Verteidigern. Selten wurde ein Gerichtsverfahren derart breit in allen Medien diskutiert. Noch nie haben sich Prozessbeobachter so klar öffentlich für oder gegen den Angeklagten positioniert. Und dennoch ist es den Richtern am Ende gelungen, eine Schneise in den Dschungel aus vorzeitigen Freisprüchen und Verurteilungen zu schlagen.
Natürlich nützt das zuerst dem Freigesprochenen. Doch der Wetterunternehmer hat eine Lektion fürs Leben hinter sich, die ihm als Privatmenschen wie auch als dem öffentlichen Herrn Kachelmann lieber erspart geblieben wäre. Wie auch immer er das zurückliegende Jahr und die zu Tage getretenen Vorwürfe verarbeitet, er wird nicht mehr derselbe sein.
Die Richter dagegen haben gezeigt, dass sie auch in einer von Medien aufgeheizten Situation, mit stoischer Ruhe und großer Unparteilichkeit ihren Auftrag erfüllen und Gerechtigkeit walten lassen. Das ist ein gutes Signal in einer Welt, in der vom Wikileaks-Gründer bis zum IWF-Chef viele Prominente wegen ähnlicher Delikte auf der Anklagebank sitzen, um ihren Ruf kämpfen - und an sich als unschuldig gelten müssten, solange nicht das Gegenteil bewiesen wird.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

PeterKn

31.05.2011, 13:26 Uhr

Der Artikel ist Blödsinn und stimmt mit der Realität nicht überein! Die Justia hat nicht gewonnen, sondern bereits zu Anfang verloren, nämlich an dem Punkt als beschlossen wurde Kachelmann einzusperren aufgrund nur einer Aussage. Das ganze erinnerte doch irgendwie an eine moderne Hexenjagt, die Hexen sind heute nicht Frauen sondern selbstbewusste Männer, die keine Lust haben ihr ganzes Leben unter den Pantoffeln einer Frau zu leben und sich tyranisieren zu lassen und deshalb diese Frauen zurücklassen. Als Rache wird sehr oft der Vergewaltigungsvorwurf verwendet - dazu gibt es im Netz so einige Artikel, in denen sich auch Richter zu diesem Phänomen äußern und in ihrem Berufsleben mehrmals Lügen nachgewiesen haben. Skandalös ist, dass trotz mehrere Falschaussagen dieser Frau, keine Gegenklage seitens der Staatsanwaltschaft eröffnet worden ist, weil damit signalisiert wird, dass Falschaussagen vor Gericht nicht gehandhabt werden. Fazit: Auf einen fairen Prozess braucht niemand in Deutschland und Europa zu hoffen. In Schweden werden z.B. Künstler wegen Mangazeichnungen verklagt und verurteilt. Der Vorwurf: Darstellung Kinderpornographischer Inhalte. Das ist doch schon schlimmer als bei den Taliban. Bald müssen Frauen bei uns die Frauen auch in Burkas herumlaufen und Männer mit Scheuklappen, denn ein Blick könnte ja als sexuelle Belästigung gelten und entsprechend bestraft werden. Und das alles ist unseren radikalen Feministen (männlichen und weiblichen) zu verdanken. Willkommen im Mittelalter!

schocolo

01.06.2011, 07:57 Uhr

Na ja, als unparteiisch kann man die Richter kaum bezeichnen, schließlich haben sie Kachelmann, bei weitgehend identischer Indizien und Beweislage zunächst in Untersuchungshaft belassen wollen.

Erst das OLG musste ihnen klar machen, was Sache ist, nämlich Aussage gegen Aussage bei begründeter Möglichkeit einer Falschbeschuldigung.

So hat auch die Justiz nichts gewonnen, im Gegenteil.

Nicht zuletzt auf Grund der bornierten Eitelkeit von Staatsanwaltschaft und Gericht, bedurfte es erst des ebenso eitlen, wie aber auch kompetenten Strafverteidigers, um das Verfahren halbwegs in rechtsstaatliche Bahnen zu lenken.

Offensichtlich konnte nur die Angst vor dem sicheren Gesichtsverlust in einer Revision das Gericht von einer Verurteilung abhalten, Respekt hat es dafür nicht verdient.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×