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31.05.2011

11:19 Uhr

Kachelmann-Freispruch

Terre Des Femmes fürchtet verheerende Signalwirkung

Die Menschenrechtsorganisation Terre Des Femmes befürchtet durch den Freispruch für im Kachelmann-Prozess ein völlig falsches Signal für Frauen und Mädchen in ähnlichen Situationen.

Die Bundesgeschäftsführerin der Organisation "Terre des Femmes", Christa Stolle. Quelle: dpa

Die Bundesgeschäftsführerin der Organisation "Terre des Femmes", Christa Stolle.

Die Organisation Terre Des Femmes fürchtet, dass der Freispruch des ehemaligen Wettermoderators Jörg Kachelmann fatale Signalwirkung entfaltet. Alle Betroffene von sexualisierter Gewalt würden sich in Zukunft noch weniger trauen, Anzeige bei einer Vergewaltigung zu erheben, erklärte Geschäftsführerin Christa Stolle am Dienstag in Berlin. Terre des Femmes ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Frauen und Mädchen.

Stolle kritisierte die Berichterstattung über den Prozess und die Vorverurteilung der Klägerin in Teilen der Öffentlichkeit. Außerdem werde gewalttätigen Männern nicht das Gefühl vermittelt, dass „übergriffiges Verhalten“ gegenüber Frauen verwerflich sei. „Selbst eine moralische Ächtung durch die Öffentlichkeit ist kaum noch vorhanden, wenn sich Prominente für beschuldigte Männer öffentlich einsetzen“, fügte sie hinzu.

Stolle wies darauf hin, in Deutschland würden laut Dunkelfeldforschung nur fünf Prozent aller Sexualstraftaten angezeigt, das entspreche etwa 8.000 Anzeigen jährlich. Fast die Hälfte der Vergewaltigungsfälle geschehe innerhalb einer Partnerschaft. Die Gründe der geringen Anzeigenbereitschaft lägen unter anderem in der Schwierigkeit, Beziehungstaten nachzuweisen, Angst vor Reaktionen innerhalb der Familie und des Umfelds sowie in der fehlenden psychischen und finanziellen Kraft, ein langwieriges Gerichtsverfahren zu überstehen.

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat sich auch nach dem Freispruch von Jörg Kachelmann an die Seite der Ex-Freundin gestellt. „Man muss auch Respekt vor dem möglichen Opfer haben“, sagte Schwarzer, die den Vergewaltigungsprozess gegen den Moderator für die „Bild“-Zeitung begleitet hatte, am Dienstag. Die Nebenklägerin - Kachelmanns Ex-Geliebte - habe „sehr überzeugend dargelegt, dass sie vielleicht die Wahrheit gesagt habe“. Der Prozess habe gezeigt, dass Kachelmann „nicht nur diese Frau gezielt manipuliert hat“. „Er kommt nicht ins Gefängnis, es bleibt alles offen“, sagte Schwarzer.

„Emma“-Verlegerin Schwarzer hatte während des Prozesses für die Ex-Geliebte Partei ergriffen und war dafür auch in die Kritik geraten.

Kommentare (4)

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31.05.2011, 13:04 Uhr

Es ist doch interessant, dass die Unschuldsvermutung und "im Zweifel für den Angelklagten" immer nur so lange gilt, wie es der jeweiligen Interessenvertretung in den Kram passt.
Natürlich muss gegen Vergewaltigung in Beziehungen vorgegangen werden - aber in diesem intimen Bereich sind nun mal selten Zeugen zugegen. Dies rechtferigt aber kein "Exempel" an einer Person, die vielleicht doch unschuldig ist.
Und nicht für jede Frau ist der Gang vor Gericht der richtige Weg. Gerade in Beziehungen sind da auch andere Hilfen gefragt.
Auch Terre Des Femmes kennt nicht den allein seeligmachenden Weg.

Bruce

31.05.2011, 13:49 Uhr

Verheerende Signalwirkung, wenn jetzt auch noch zu Unrecht Beschuldigte freigesprochen und freigelassen werden. Wie soll Frau jetzt noch ihren Frust loswerden? Bloody difficult job I tell ya.

schocolo

01.06.2011, 08:33 Uhr

Das angebliche Opfer hatte hier mit einer von Langer Hand vorbereiteten Inszenierung, offensichtlichen Lügen und unverhohlenen Manipulationsbemühungen (der Soziopath von Nebenan) gezeigt: so geht es nicht, selbst Soziopath.

Das ist sicher auch für alle Frauen eine positive Erkenntniss.

Tatsächliche Opfer haben also überhaupt keinen Grund über den Ausgang dieses Verfahrens zu klagen, sehr wohl aber über das zumindest zweifelhafte Gebaren ihrer "Schwester".

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