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01.10.2014

08:29 Uhr

Kalifornische Unis

Sex nur nach einem „Yes“

Mit einem neuen Gesetz will Kalifornien gegen sexuelle Übergriffe an Hochschulen vorgehen. Studenten sollen ihren Sex-Partnern eine klare Zustimmung geben müssen – es kann ein „Yes“ oder ein Kopfnicken sein.

Studenten gehen über den Campus der Universität in Berkeley mit dem Campanile, einem Glockenturm und Wahrzeichen des Gebäudes. Mit einem neuen Gesetz will Kalifornien gegen sexuelle Übergriffe an Hochschulen vorgehen. dpa

Studenten gehen über den Campus der Universität in Berkeley mit dem Campanile, einem Glockenturm und Wahrzeichen des Gebäudes. Mit einem neuen Gesetz will Kalifornien gegen sexuelle Übergriffe an Hochschulen vorgehen.

BerkeleyFür die kalifornische Studentin Sofie Karasek (21) hat „Yes Means Yes“ (Ja heißt Ja) eine ganz besondere Bedeutung. „Das ist ein riesiger Schritt nach vorn“, sagt sie über das neue Gesetz, mit dem der US-Westküstenstaat an seinen Hochschulen gegen Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe vorgehen will.

Als 18-jährige Studienanfängerin an der Universität in Berkeley war Karasek selbst von einem Mit-Studenten belästigt worden. Seither macht sich die Politologiestudentin für mehr Sicherheit und Hilfe für die Opfer an ihrem Campus stark. Sie ist nicht allein.

Das ist eine sexuelle Belästigung

Nur kucken, nicht anfassen

Nachdem er seiner taubstummen Kollegin an den Busen gefasst hatte, wurde ein Verkäufer fristlos vor die Tür gesetzt. Der Mann klagte vor dem Arbeitsgericht Frankfurt – erfolglos. (Az. 15Ca 7402/01).

Na, Puppe?

Auch Führungskräften droht die fristlose Kündigung, wenn sie Mitarbeiterinnen sexuell belästigen, entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein. Im konkreten Fall hätte der Mann die Kollegin körperlich wie verbal bedrängt, unter anderem mit Aussagen wie „Stell dich nicht so an!" oder "Na, was ist mit uns?" (Az. 3 Sa 163/06).

Die Zeit heilt keine Wunden

Ein Klaps auf den Po bleibt auch dann eine sexuelle Belästigung, die zu ahnden ist, wenn das Opfer aus Angst um seinen Job erst Monate nach dem Vorfall Anzeige erstattet. Das entschied das Landesarbeitsgericht Köln (Az. 7 Sa 508/04).

Fragwürdiger Vergleich

Die Aussage eines Mitarbeiters gegenüber einer Kollegin, „so Frauen wie dich hatte ich schon Hunderte " rechtfertigt eine fristlose Kündigung (ArbG Frankfurt, Az. 15 Ca 647/03).

Porno im Büro

Wer einer Kollegin im Büro pornografische Fotos vorlegt, diese mit der Aussage kommentiert, „na, da würdest du wohl auch gerne mal ran?“, beziehungsweise anbietet, „solche Fotos auch von ihr zu machen“, begeht eine sexuelle Belästigung, die eine fristlose Kündigung rechtfertigen kann (LAG Schleswig-Holstein, Az 3 Sa 163/06).

Zig Studenten- und Frauenorganisationen kämpften über Monate hinweg für die Verabschiedung des Gesetzes SB 967, auch als „Yes Means Yes“ bekannt, das am Sonntag von Gouverneur Jerry Brown unterzeichnet wurde. Kalifornien ist damit der erste US-Staat, der „affirmative consent“ verlangt, also eine ausdrückliche Zustimmung für eine sexuelle Begegnung zwischen Studenten. Die Regelung gilt nur für Hochschulen, die vom Staat finanziell unterstützt werden.

Die 21-jährige Studentin Sofie Karasek macht sich für mehr Sicherheit und Hilfe für die Opfer an ihrem Campus stark. dpa

Die 21-jährige Studentin Sofie Karasek macht sich für mehr Sicherheit und Hilfe für die Opfer an ihrem Campus stark.

Das wichtige daran sei, dass künftig ein „ausdrückliches Ja“ zum Standard werde: „Wer Sex initiiert, muss den Partner erst um Erlaubnis fragen“, erklärt Karasek. Wer etwa betrunken ist, unter Drogen steht, bereits eingeschlafen oder bewusstlos ist, kann dem Gesetz zufolge keine Einwilligung geben.

Sich nicht ausreichend wehren oder Stillschweigen sind somit kein „Yes“ zum Sex. Die Zustimmung kann aber auch ohne Worte erfolgen: „Jemand kann 'Ja' sagen oder nicken, oder wenn man 'Nein' meint, den Kopf schütteln“.

Der demokratische Senator Kevin de León hatte das sogenannte „Yes Means Yes“-Gesetz beim Parlament in Sacramento eingebracht. „Jede Frau hat das Recht, ihren Traum von einer höheren Bildung zu verfolgen, ohne dabei von dem Alptraum von Gewalt und sexuellem Missbrauch bedroht zu sein“, sagte León nach der Unterzeichnung des Gesetzes.

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