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06.05.2016

06:08 Uhr

Karlspreis für den Papst

Franziskus, der Retter Europas?

VonRegina Krieger

Zur Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus reisen Kanzlerin Merkel, der spanische König Felipe, die dreiköpfige EU-Spitze und 500 Deutsche nach Rom. Die Politiker treffen sich vorher mit Premier Matteo Renzi.

Die Bundeskanzlerin reist zur Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus nach Rom. dpa

Angela Merkel und Papst Franziskus

Die Bundeskanzlerin reist zur Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus nach Rom.

RomDer Festakt beginnt am Freitagmittag um 12 Uhr in der Sala Regia, der prächtig geschmückten Empfangshalle im ersten Stock des Apostolischen Palastes im Vatikan, und dauert eine Stunde. Papst Franziskus erhält den Karlspreis, und dass er dafür nicht nach Aachen reisen würde, war schon bei der Verkündung des Preisträgers im vergangenen Dezember klar. So kommt eine große Pilgerschar nach Rom, allein rund 500 aus Deutschland, um Franziskus zu feiern und seine Nähe zu suchen.

Allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, der spanische König Felipe und die drei EU-Spitzen Jean-Claude Juncker, Martin Schulz und Donald Tusk. Der EU-Kommissionspräsident, der Präsident des Europaparlaments und der amtierende Präsident des Europäischen Rats teilen sich die Laudatio auf den Preisträger, nachdem der Aachener Domchor gesungen hat, denn 2015 war der Karlspreis an die EU als Institution gegangen, und die wird durch das Trio nun offiziell vertreten.

Der Tag beginnt am Morgen mit einer Messe im Petersdom, die Walter Kardinal Kasper hält. Danach hat die Bundeskanzlerin, die Franziskus schon mehrmals getroffen hat, eine Privataudienz beim Papst, anschließend auch das EU-Trio. Mit großer Spannung wird in Rom erwartet, was der Papst dann bei der Preisverleihung sagen wird, denn Franziskus scheut bei keiner Predigt und Ansprache das offene Wort. Und er ist ein Papst der Symbole: Erst vor ein paar Wochen war er einen Tag auf Lesbos, um auf das Leid der Flüchtlinge aufmerksam zu machen, wie schon bei seinem Besuch auf Lampedusa 2013. Von Lesbos brachte er in seinem Flugzeug drei syrische Flüchtlingsfamilien mit – keine Christen, sondern Muslime.

Klartext – deutliche Worte von Papst Franziskus

Aufsehen mit ungewöhnlichen Äußerungen

Papst Franziskus hat mehrfach mit für den Vatikan ungewöhnlichen Äußerungen Aufsehen erregt. Einige Beispiele:

Familienplanung

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“

Familienehre

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“

Flüchtlinge

„Wir sind eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie man weint. Wir haben uns an die Leiden anderer gewöhnt. Es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an. (...) Die Wohlstandskultur macht uns unempfindlich für die Schreie der anderen und führt zur Globalisierung der Gleichgültigkeit.“

Oberflächlichkeit

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“

Kurie

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht weiterentwickelt, die nicht versucht, sich zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Eitelkeit von Kardinälen

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“

Tratsch

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“

Dass Europa in diesem Jahr mit dem neuen Aufflammen der Flüchtlingskrise, dem Streit um den Bau von Mauern und der anstehenden Abstimmung in Großbritannien über den „Brexit“ an einem Wendepunkt steht, beherrscht die Diskussionen in den Mitgliedstaaten seit Monaten. Politiker sprechen vom Schicksalsjahr. Da kann ein starkes Wort des Oberhaupts der Katholischen Kirche viel bewirken und eine große psychologische Wirkung haben.

Die Aachener Organisatoren des Karlspreises hoffen das. In ihrer Begründung heißt es: „Angesichts des dramatischen Vertrauensverlustes, unter dem Europa leidet, und in einer Zeit, in der viele Bürgerinnen und Bürger in Europa Orientierung suchen, sendet Seine Heiligkeit Papst Franziskus eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung aus, eine Botschaft der Hoffnung, die auf der Zuversicht beruht, dass die Schwierigkeiten zu machtvollen Förderern der Einheit werden können, um alle Ängste zu überwinden, die Europa – gemeinsam mit der ganzen Welt – durchlebt“.

Im November 2014 hatte Franziskus in Straßburg vor dem Europaparlament über die Zukunft Europas gesprochen: „Liebe Europaabgeordnete, die Stunde ist gekommen, gemeinsam das Europa aufzubauen, das sich nicht um die Wirtschaft dreht, sondern um die Heiligkeit der menschlichen Person, der unveräußerlichen Werte; das Europa, das mutig seine Vergangenheit umfasst und vertrauensvoll in die Zukunft blickt, um in Fülle und voll Hoffnung seine Gegenwart zu leben.“

Kommentare (22)

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Herr Marc Otto

06.05.2016, 09:10 Uhr

Ein wunderbares Bild. Anmutig und so liebevoll.

Trotzdem müßten beide normal arbeiten, wenn sie und ihr System die Menschen nicht zuvor so unglücklich gemacht hätten, dass sie nun Beistand und Schutz dieser "Totengräber" akzeptieren müßten.

Wer wirklich glücklich ist und wem es wirklich gut geht, der lehnt kirchlichen Beistand ab und der jagt auch die verlogenen Politiker zu Teufel (wo beide herkommen).

Account gelöscht!

06.05.2016, 09:17 Uhr

Beginnend mit Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers über Karl den Großen hätte jeder europäische Herrscher die Muslime verjagt. Was die unbrauchbare politische Elite, der EU, sich wieder einmal leistet,
trägt hoffentlich zu ihrem Untergang bei. Wie immer die Schadenskanzlerin und Muslimversteherin in vorderster Reihe. Es wird ihnen aber nicht gelingen Europa umzuvolken oder auch zu vernichten, egal welche Maßnahmen die Herrschafften noch ergreifen.

Frau Baur- Warendorf

06.05.2016, 09:31 Uhr

Im Bild, die beiden größten Geißeln der Menschheit -

Politik und Religion.

Der Fachkräftemangel beginnt schon in der Politik und wenn Religion zur Politik wird, ist sie die größte Feindin des Fortschritts und des Gedeihens einer Nation.

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