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01.02.2008

10:08 Uhr

Karneval

Pirat, Cowboy oder Hummer?

VonKatharina Slodczyk

Schieben, schubsen, schwitzen, Schlange stehen: Karneval, das Geschäft mit dem Frohsinn, ist Schwerstarbeit – nicht nur für Büttenredner, Tanzmariechen und Ehrengardisten - sondern auch für die Zuschauer. Auf der Suche nach dem ultimativen Kostüm in Deutschlands größtem Karnevalskaufhaus.

Viele Karnevalskostüme werden auch dieses Jahr wieder im Kölner Kaufhaus "Der Karnevalswierts" gekauft.

Viele Karnevalskostüme werden auch dieses Jahr wieder im Kölner Kaufhaus "Der Karnevalswierts" gekauft.

KÖLN. Draußen bricht die Dämmerung herein. Drinnen glüht das Gesicht von Agnes Kress wie ein Heizstrahler – das Rot ihrer Wangen wird immer intensiver, jedes Mal wenn sie den Kopf durch den Vorhang der Umkleidekabine im Kölner Kostümgeschäft „Der Karnevalswierts“ steckt und ihrem Mann Anweisungen zuruft: „Bring mir das hier eine Nummer größer.“ Oder: „Da fehlt der Gürtel, hol’ das Kleid mal komplett.“

Manche Aufträge an Willi Kress klingen zwar nicht gerade liebenswürdig, die sind aber auch mit weniger Arbeit verbunden: „Wozu hab ich dich mitgenommen? Jetzt sag doch mal: Kann ich das tragen?“ fragt Agnes Kress, während sie sich in Rüschenkleid und Cowboyhut vor dem Spiegel dreht. „Ich sollte als Hummer gehen – die passende Gesichtsfarbe hab ich schon“, sagt sie, bevor sie wieder in der Umkleide verschwindet und ins nächste Kostüm schlüpft: einen Geisha-Kimono.

Karneval, das Geschäft mit dem Frohsinn, ist Schwerstarbeit – nicht nur für Büttenredner, Tanzmariechen und Ehrengardisten, nicht nur für all die, die bei der „Operation Alaaf“ (für Düsseldorfer und Mainzer natürlich „Helau“) berufsbedingt gute Laune verbreiten müssen – sondern auch für die Zuschauer. Und für viele fängt die Plackerei hier an – in Deutschlands größtem Karnevalskaufhaus „Der Karnevalswierts“.

Winand und Ralph Wierts, Vater und Sohn aus dem niederländischen Vaals, haben den Laden im Kölner Süden vor 15 Jahren eröffnet. Ursprünglich verdienten sie ihr Geld mit einer Reinigung und Wäscherei. Nur im Winter verkauften sie Verkleidung. Heute ist das ein Ganzjahresgeschäft – und ein krisenfestes dazu.

Mögen die Aktienkurse einbrechen, die Experten ihre Wachstumsprognosen senken – die Jecken lassen sich ihre Laune nicht verderben und werfen mit Geld um sich wie „Kamelle“ beim Rosenmontagszug. Bei vier bis fünf Milliarden Euro liegt der Karnevalsumsatz pro Jahr. Für Verkleidung und Zubehör geben die Deutschen davon 300 Millionen Euro aus – Tendenz steigend.

Kein Wunder, wenn die Karnevalskaufhäuser teilweise mit harten Bandagen um Kundschaft kämpfen: So baute der Kölner Kostümkonkurrent Deiters ein riesiges Plakat vor der Einfahrt zum „Karnevalswierts“ auf. In Großbuchstaben fragt er: „Na, falsch abgebogen?“ Darunter stehen die Adressen der Deiters-Filialen.

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