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17.01.2010

10:22 Uhr

Katastrophe in Haiti

Die Verzweiflung schlägt in Wut um

Viele Erdbebenopfer in Haiti warten weiter auf Hilfe, während das wahre Ausmaß der Katastrophe immer mehr ans Licht kommt. Unter chaotischen Umständen begann am Wochenende die Verteilung der Lebensmittel durch UNO und Hilfsorganisationen. Unterdessen mehrten sich Berichte über Unmut in der Bevölkerung und gewalttätige Übergriffe.

Der Unmut in der Bevölkerung wächst. Tausende Haitianer verlassen nach Beben zerstörte Hauptstadt. dpa

Der Unmut in der Bevölkerung wächst. Tausende Haitianer verlassen nach Beben zerstörte Hauptstadt.

HB BUENOS AIRES/PORT-AU-PRINCE. In einer Atmosphäre zunehmender Gewalt in Haiti hat US-Außenministerin Hillary Clinton am Samstag die von einem Erdbeben zerstörte Hauptstadt Port-au-Prince besucht. "Wir sind hier, um Euch zu helfen. Wir sind heute hier, wir werden morgen hier sein und in der Zeit, die vor uns liegt", sagte die erste hochrangige Besucherin seit dem Jahrhundertbeben am vergangenen Dienstag. Unterdessen mehrten sich Berichte über Unmut in der Bevölkerung über die nur schleppend anlaufende Hilfe und gewalttätige Übergriffe.

So berichtete der Reporter Eduardo Bonaga aus Panama im Fernsehen, Suchtrupps müssten in einer zunehmenden Atmosphäre der Unsicherheit in Port-au-Prince arbeiten. Geschäfte seien geplündert und Autofahrer angegriffen worden. Vereinzelt sei es sogar zu Schießereien gekommen.

Ein AFP-Korrespondent sah, wie ein US-Hubschrauber ein halbes Dutzend kleiner Kartons mit Hilfsgütern über einem Stadion voller hungernder Menschen abwarf. Viele versuchten, sich mit dem Einsatz von Buschmessern einen Teil dieser mageren Ration zu sichern. Nach Angaben der UNO versuchen viele Menschen angesichts der zunehmenden Gewalt und des Verwesungsgestanks in der Hauptstadt in andere Landesteile zu fliehen.

Hilfsorganisationen hatten schon zuvor gewarnt, die Verzweiflung vieler Überlebender, die immer noch ohne Nahrung und Trinkwasser seien, könne schnell in Gewalt umschlagen. Die Verteilung der Hilfsgüter kam auch vier Tage nach dem Beben der Stärke 7,0 immer noch nur schleppend in Gang.

Die Gründe für die langsame und bisweilen chaotische Verteilung der Hilfe waren vielfältig. Die staatlichen Organisationen Haitis sind weitgehend zusammengebrochen, die Infrastruktur schwer beschädigt und die bei der Verteilung von Hilfsgütern federführenden Vereinten Nationen durch das Beben selbst schwer getroffen.

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