Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2011

09:15 Uhr

Katastrophen-Kraftwerk Fukushima

Reaktorbetreiber Tepco schlampte bei der Wartung

Die Atomaufsicht erhebt heftige Vorwürfe gegen den Betreiber des Katastrophen-Kraftwerks Fukushima. Zahlreiche wichtige Untersuchungen sollen vor dem Unglück nicht oder nur verspätet durchgeführt worden sein.

Die Vorgänge in den Reaktorblöcken des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi sind weiterhin unklar. Quelle: Reuters

Die Vorgänge in den Reaktorblöcken des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi sind weiterhin unklar.

TokioDie japanische Atomaufsicht wirft dem Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi massive Schlamperei bei den vorgeschriebenen Inspektionen vor. Bereits am 2. März - neun Tage vor dem verheerenden Erdbeben, dem Tsunami und den folgenden massiven Problemen in der Atomanlage - erschien ein Bericht, in dem die Behörde Verzögerungen im Zeitplan der Inspektionen sowie die nicht durchgeführte Untersuchung von 33 Teilen der Anlage anprangert.

Unter den nicht überprüften Teilen hätten sich zentrale Elemente des Kühlsystems für die sechs Reaktoren und die Abklingbecken von Fukushima-Daiichi befunden - darunter Notstromdieselgeneratoren für Reaktor 3, Pumpen für die Einheiten 1 und 2 und Generatorenteile für Reaktor 4.

Der Ausfall der Kühlung hat maßgeblich für die Probleme in Fukushima-Daiichi gesorgt. Allerdings vermied die Behörde bislang, einen kausalen Zusammenhang zwischen den nicht ausgeführten Inspektionen und der bedrohlichen Situation in dem AKW herzustellen.
„Bislang können wir keine unmittelbare Verbindung zum jüngsten Unfall ziehen. Wir müssen die Untersuchung abwarten, wenn wir die derzeitige Krise entschärft haben“, sagte Ryohei Shiomi von der Atombehörde.

Nach der Katastrophe vom 11. März hatte die Behörde allerdings bemängelt, dass die Notsysteme des AKW Fukushima ebenerdig untergebracht waren und so leicht vom Tsunami überschwemmt und zerstört werden konnten.

Schon vor der jüngsten Katastrophe hatte es immer wieder Kritik an dem Betreiber Tepco wegen nachlässiger Wartung von Atomkraftwerken gegeben.

Tepco hat die Situation im Katastrophen-AKW Fukushima weiterhin nicht unter Kontrolle. Auch über dem havarierten Reaktor 2 ist am Montag Rauch aufgestiegen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Zuvor war bereits über Block 3 grauer Rauch aufgestiegen, der bis zum frühen Abend (Ortszeit) allerdings wieder verschwand. Der Reaktor 2 ist seit Sonntag wieder an das Stromnetz angeschlossen. Ob die Wasserpumpen funktionieren, ist unklar. In Reaktor 2 gab es zuvor schwere Explosionen und Brände. Die innere Hülle des Reaktors ist beschädigt.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

fuppel

21.03.2011, 10:28 Uhr

bei diesem Thema merkt man wieder sehr genau, das die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen, nicht sehr von der Eintagsfliege abweicht. Den Reaktorblock Nr. 1 scheint es nichtmehr zu geben? Oder sind die Brennstäbe dort von "Aliens" abgeholt worden? Oder aber gilt die Regel: "umso schneller er vergessen ist, umso eher strahlt er nichtmehr"?
Vielleicht ist es auch zu lange her das der erste Reaktor explodiert ist, da kaum - gar keine Neuigkeiten über diesen noch zu hören sind.

Account gelöscht!

21.03.2011, 11:46 Uhr

Reaktor 1 ist keineswegs vergessen. Ich denke, man konzentriert sich momentan auf die beiden gefährlichsten Reaktoren 3 und 4. Mit dem freiliegenden Plutonium in Reaktor 3 hat man die größten Probleme. Und in Reaktor 4 sollen 165 Tonnen Brennstäbe in einem Abklingbecken liegen. Wenn die nicht zusätzlich mit Wasser kühl gehalten werden, heizen sie sich wieder auf. Die Kernreaktion in diesen "abklingenden" Brennstäben wird noch lange brauchen, bis sie auf einen unbedenklichen Wert abgeklungen ist. Das ist ja auch das Gefährliche an der Atomkraft, man kann sie nicht einfach mal eben ausschalten!

Account gelöscht!

21.03.2011, 15:48 Uhr

Wenn man über die Betreiberfirma TEPCO spricht, sollte man nicht vergessen, dass gerade, als in Fukushima das Erdbeeben begann, noch deutsche Ingenieure des deutsch-französischen Atomkonzern Areva/Siemens vor Ort waren. Die haben sich dann schnell aus dem Staub gemacht, als die Radioaktivität anstieg und es gefährlich wurde.
Aber es ist immer wieder schön zu erfahren, dass ausgediente alte Technik aus Deustchland, in der Welt weiterhin Abnehmer findet, die bei uns nicht den Sicherheitsbestimmungen entspricht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×