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22.01.2011

11:14 Uhr

Katastrophenalarm

Hochwasser an der Elbe erreicht Rekordpegel

Das Hochwasser an der Elbe erreicht neue Rekordwerte, an einigen Abschnitten steht der Pegel über dem des "Jahrhunderthochwassers" vor fünf Jahren. Polizei und Feuerwehr sind im Dauereinsatz, noch halten die Dämme dem Wasserdruck stand.

Wassermassen: Die von den Fluten bedrohte Unterstadt von Lauenburg. DAPD

Wassermassen: Die von den Fluten bedrohte Unterstadt von Lauenburg.

HB BERLIN. Das Elbhochwasser ist am Samstag in Norddeutschland auf neue Rekordwerte gestiegen. Im niedersächsischen Hitzacker stand der Pegel am Samstagmittag bei 7,67 Meter und damit vier Zentimeter über dem „Jahrhunderthochwasser“ von 2006, wie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mitteilte. Im schleswig-holsteinischen Lauenburg erreichte der Pegel 9,14 Meter und war damit zwei Zentimeter höher als der Höchststand im Jahr 2006. Erst für Donnerstag wird mit einem spürbaren Rückgang gerechnet.

Die Hochwasserwelle werde sich im Laufe des Wochenendes vom niedersächsischen Schnackenburg stromabwärts bis Geesthacht in Schleswig-Holstein bewegen, teilte das Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit. Im Laufe des Abends und der Nacht werde in Lauenburg ein neuer Höchststand von 9,22 Meter erwartet, sagte Bürgermeister Harald Heuer (CDU). „Diese Prognose stimmt uns betrüblich“, sagte er. Bis zu einem Wasserstand von 9,20 Metern seien ausreichend Vorkehrungen getroffen. Zwei Zentimeter mehr seien aber auch in den Griff zu kriegen.

Betroffene sind gefasst

Laut Heuer waren die Erdgeschosse von 15 bis 20 Häuser voll gelaufen. Das Wasser stehe direkt an den Außenwänden der Häuser in der historischen Altstadt. Rund 100 Helfer seien im Einsatz, zudem habe die Feuerwehr 40 Pumpen an Privathaushalte verteilt. Bewohner seien bereits in das erste Stockwerk gezogen. Die Stimmung bei den Betroffenen sei angespannt, aber alle seien gefasst, sagte Heuer.

Im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg wurden in Schnackenburg 7,20 Meter und in Neu Darchau 7,43 Meter gemessen. Damit lagen die Pegel etwas unter den Spitzenwerten von 2006. Der Scheitelpunkt des Hochwassers wurde für Samstagabend erwartet. In Neu Darchau schwappte das Wasser bis an die erst in den vergangenen Tagen errichteten Schutzwälle.

Aussichtspunkte für Schaulustige

Im Landkreis wurden mehrere Aussichtspunkte für Hochwasser-Touristen eingerichtet. Eigens ausgewiesene Bereiche gebe es in den Ortschaften Damnatz, Hitzacker, Wussegel und Schnackenburg, sagte ein Behördensprecher. Die Polizei kündigte Konsequenzen für Fahrer an, die ihre Autos unbefugt an den Deichen abstellen.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden ebenfalls Rekordwerte für das Elbhochwasser gemeldet. Der Pegel stand am Samstag in Dömitz bei 6,70 Meter und damit sechs Zentimeter über dem Rekordhochwasser von 2006, wie der Sprecher des Kreises Ludwigslust, Andreas Bonin, auf dapd-Anfrage sagte. In Boizenburg erreichte das Wasser den Höchststand von 6,80 Meter. Die Situation sei angespannt, aber ruhig, sagte Bonin. Deshalb werde voraussichtlich auch kein Katastrophenalarm ausgerufen. Die Deiche seien in einem guten Zustand. Mehr als 100 Wachen kontrollierten ihren Zustand im Bereich Dömitz und Boizenburg.

Aufgrund des hohen Wasserstandes der Elbe blieben auch die Pegel der Havel hoch. In den nächsten Tagen ist nicht mit einem Sinken unter den Richtwert der Alarmstufe vier zu rechnen, wie das Hochwassermeldezentrum in Potsdam mitteilte.

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