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10.12.2012

14:10 Uhr

Kates tote Krankenschwester

„Vigilante“ drohen australischem Radiosender

VonUrs Wälterlin

Der Skandal um den tragisch geendeten Scherzanruf durch ein australisches Moderatorenpaar schlägt weiter mediale Wellen. Auch finanziell hat der Anruf negative Folgen für den Sender - zumindest vorerst.

Radiomoderatoren sind untröstlich

Video: Radiomoderatoren sind untröstlich

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SydneyZwei Moderatoren des australischen Radiosenders 2DayFM haben am Montag während eines Interviews am Fernsehen unter Tränen über die Umstände eines Scherzanrufs an die Krankenschwester von Herzogin Kate, der Frau des englischen Thronfolgers Prinz William, in London gesprochen. „Es war der schlimmste Anruf meines Lebens“, meinte die Moderatorin Mel Greig, als sie vom Tod der Krankenschwester Jacintha Saldanha erfahren habe.

Die Moderatorin und ihr Kollege Michael Christian hatten letzte Woche im Scherz im Krankenhaus angerufen, in dem Kate Middleton wegen Schwangerschaftsübelkeit behandelt wurde. Dabei gaben sie sich als Queen Elisabeth und Prinz Charles aus. Die Krankenschwester Jacintha Saldanha stellte den Anruf auf die Station durch, wo Kate behandelt wurde. Eine Kollegin Saldanhas gab den beiden vermeintlichen königlichen Anrufern Auskunft über den gesundheitlichen Zustand der Frau von Prinz William. Am Freitag nahm sich Saldanha mutmaßlich das Leben. Die britische Polizei arbeitet mit den australischen Behörden an der Ermittlung der Gründe für den Tod. Die Moderatoren sind vom Dienst suspendiert. Ihr Programm wurde ausgesetzt.

Die Radioleute erklärten am Montag, das Telefongespräch sei erst ausgestrahlt worden, nachdem der Sender fünfmal versucht  habe, das Krankenhaus zu kontaktieren und um eine Stellungnahme zu bitten. Seit dem Vorfall ist es vor allem in Sozialen Medien zu einem Sturm der Entrüstung gekommen. Tausende von Nutzern äußerten auf Facebook ihre Kritik an den Moderatoren und an der Station. Am Montag drohte eine Vigilatengruppe auf Facebook mit einem Angriff auf die Daten und Webseiten von Werbekunden, wenn die Verantwortlichen nicht entlassen würden. „Sie haben eine Woche lang Zeit“, warnte die Gruppe Anonym Oz.

Trauer im Königshaus: Kates Krankenschwester ist tot

Trauer im Königshaus

Kates Krankenschwester ist tot

Die Krankenschwester von Kate ist tot. Die Betreuerin der Herzogin war auf den Telefonstreich eines australischen Fernsehsenders hereingefallen. Medien spekulieren nun über einen möglichen Selbstmord.

Australische Privatradios werden immer wieder wegen ihrer Aggressivität kritisiert. Die Situation kommt nach einem ähnlichen Fall vor ein paar Wochen. Damals hatte sich der ultrakonservative Radiomoderator Alan Jones in geschmackloser Weise über den Tod des Vaters von Premierministerin Julia Gillard geäußert. Der oftmals rassistische und sexistische Jones ist seit Jahren ein heftiger Kritiker ihrer Politik und ihrer äußerlichen Erscheinung. In der Folge boykottierten eine Reihe von Werbekunden den Sender. Auch jetzt drohen Werbekunden, sie würden abspringen. Die Börse reflektierte am Montag die Nervosität. Die Aktien der Holdingfirma, zu der 2Day FM gehört, verloren deutlich an Wert.

Viele Unternehmen wissen noch nicht, wie sie mit dem neuen Phänomen eines „Schreis der Empörung“ in Sozialen Medien umgehen sollen. Der Fall Alan Jones zeigt aber, dass sich Skandale positiv auf das Geschäft von Privatsendern auswirken können, und damit potentiell auch von Sponsoren. Nachdem sich der erste Proteststurm gelegt hatte, stiegen die Hörerzahlen wieder an. Der polarisierende Moderator hat heute mehr Anhänger als vor dem Vorfall. Auch sind viele seiner Werbekunden wieder zurückgekehrt.

Nach Telefonstreich - Krankenschwester aus Kates Krankenhaus tot

Video: Nach Telefonstreich - Krankenschwester aus Kates Krankenhaus tot

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Kommentare (4)

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norbert

10.12.2012, 15:14 Uhr

Das sind doch alles Krokodilstränen !
Seit Jahrzehnten machen Medien Quote mit billigen Späßen zulasten der Opfer. Das Fernsehen ist voll davon.
Und das Volk schaut und gröhlt ...

scharfschuetze

10.12.2012, 17:19 Uhr

Dann wirds aber Zeit, daß das Volk mal vor einem brennenden Sender- oder Verlags-Gebäude steht und gröhlt!

Account gelöscht!

10.12.2012, 17:22 Uhr

Auch in Deutschland werden die gefeiert, die andere fertig machen. z.B. der Bohlen. Dieser macht Menschen fertig, bei denen man ernsthaft sich fragen muss, ob sie geistig zurechnungsfähig sind. Oder Bauer sucht Frau, ... usw. Dazu werden die Teilnehmer zu Dummfug animiert und das Material zusammen geschnitten. Die Zuschauerreaktionen werden schon vor der eigentlichen Show aufgenommen und beliebig eingefügt. Da freut sich dann auf einmal am Fernseher ein Bewerber über die schlechte Reaktion des Publikums. Musik aus Dick- und Doof und Schwarz-Weiß-Bilder untermalen den Klamauk. Noch ein harter Bildschnitt mit einem "Zonck"-Sound rein gemischt und schon hat man aus JEDER Nummer einen peinlichen Auftritt fabriziert. Millionen Menschen sehnen sich jeden Tag nach dieser Dröhnung Gehässigkeit gegenüber Mitmenschen. Also heult nicht. Dass es nun bei einem Radiosender passiert ist, ist reiner Zufall.

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