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19.06.2012

14:56 Uhr

Katholische Kirche

Lesbische Erzieherin darf in Elternzeit nicht entlassen werden

Das Verwaltungsgericht Augsburg entschied heute: Die katholische Kirche darf eine lesbische Erzieherin in Elternzeit nicht rauswerfen. Jahrelang hatte die Frau ihre Homosexualität geheim gehalten.

Die Erzieherin Isa K. (rechts) mit ihrem Kind und der Lebensgefährtin (links). dpa

Die Erzieherin Isa K. (rechts) mit ihrem Kind und der Lebensgefährtin (links).

AugsburgDie katholische Kirche darf nach einem Urteil des Augsburger Verwaltungsgerichts eine lesbische Kindergarten-Leiterin nicht während der Elternzeit kündigen. Spätestens nach Ablauf der Elternzeit ist der Rauswurf der 39-Jährigen aber wohl unvermeidlich - ihre Homosexualität verstößt gegen die Moralvorstellungen der Kirche.

Der Gericht erklärte am Dienstag, die Kirche habe sehr wohl das Recht, jemanden zu kündigen, der gegen religiöse Glaubenssätze verstoße. Religionsgemeinschaften können ihre Angelegenheiten grundsätzlich eigenverantwortlich regeln. „So etwas wie eine Lebensgemeinschaft zwischen Frauen ist natürlich für die Kirche undenkbar“, sagte Richter Ivo Moll. Dies rechtfertige aber nicht, die besonderen Elternzeit-Schutzbestimmungen außer Kraft zu setzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Frau aus dem Landkreis Neu-Ulm hatte ihre sexuelle Orientierung jahrelang geheim gehalten. Nach der Geburt ihres Kindes habe sie das ändern wollen, sagte die Erzieherin. Sie informierte ihren kirchlichen Arbeitgeber, dass sie eine Lebenspartnerschaft mit einer Frau eingegangen sei. „Ich wollte es sagen, um dieser Geheimnistuerei, dieser Lügerei, ein Ende zu setzen.“

Die Kirche sah in der Homosexualität einen schwerwiegenden Loyalitätsverstoß und wollte die 39-Jährige sofort hinauswerfen - trotz Elternzeit. Weil für Mütter in dieser Zeit aber besondere Schutzbestimmungen gelten, musste das Gewerbeaufsichtsamt zustimmen. Doch die Behörde weigerte sich. Die Pfarrkirchenstiftung zog deshalb gegen den Freistaat Bayern vor Gericht.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

19.06.2012, 15:51 Uhr

Der Kirche ist also die persönliche Lebensplanung wichtiger als das Können ihrer Mitarbeiter.
In der freien Wirtschaft wäre sie damit längst Pleite - aber dank Zwangsabgaben/-einzug kann davon noch keien Rede sein.
Aber mit ihrer Mitgliedervertreibungspolitik arbeitet sie ja fleißig daran.

Macdattel

19.06.2012, 16:00 Uhr

Wirft jetzt die Kirche auch einen Großteil ihrer Priester raus, die heimlich in Partnerschaften leben? Trotz Zölibat. Oder die vielen Geistlichen, die Kinder sexuell belästigen? Seit Jahrhunderten werden Menschen im Namen der Kirche gequält, ausgenommen und in falsche Moralvorstellungen gepresst. Bin mal gespannt wie lange sich das mündige Bürger gefallen lassen. Hier hilft nur die Flucht aus dieser Organisation... Die sollen mal richtig Arbeiten, wir brauchen Sie nicht mehr im 21 Jahrhundert.

rund47

19.06.2012, 16:06 Uhr

Schlimm, wird wirklich Zeit für strikte Trennung von Kirche und Staat. Auch bei den sog. kirchlichen Einrichtungen (Krankenhäuser, Kindergarten etc.) zahlt zu 99 % die Allgemeinheit und die Christen meinen sagen zu können wo es lang geht. Würde sagen, wir brauchen eine Vorschrift aus der hervorgeht, dass alle Träger für solche Einrichtungen das Grundgesetz (keine Diskrimierung aufgrund von Religion, Geschlecht usw.) beachten müssen. Die regen mich auf, die Christen!

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