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28.04.2011

14:44 Uhr

Kein Bund fürs Leben?

Viele Deutsche zweifeln an der Ehe

Pro Jahr geben sich in Deutschland rund 375.000 Paare das Jawort - in der Hoffnung auf dauerhaftes Glück. Eine neue Umfrage zeigt allerdings Vorbehalte der Deutschen gegen die Monogamie. Ist die Ehe ein Auslaufmodell?

Kein Bund fürs Leben? Zunehmend viele Deutsche zweifeln an der Institution Ehe. Quelle: dpa

Kein Bund fürs Leben? Zunehmend viele Deutsche zweifeln an der Institution Ehe.

Baierbrunn/ München

Die Deutschen haben erhebliche Zweifel am Modell von Ehe und lebenslanger Partnerschaft. Nach Ansicht jedes Zweiten funktioniert die Monogamie nicht. Das hat eine repräsentative Umfrage der GfK Marktforschung Nürnberg ergeben. Nach Überzeugung von mehr als der Hälfte der Befragten (53,4 Prozent) schaffen es die wenigsten Paare, sich wirklich während ihrer gesamten Ehe oder Partnerschaft immer treu zu bleiben. Eine Scheidung ist dabei nach Auffassung von 80,3 Prozent keine große Sache mehr, wie die Umfrage im Auftrag der "Apotheken Umschau" ergab.

Dabei seien Männer wie Frauen der gleichen Meinung, heißt es in dem am Donnerstag in München veröffentlichten Ergebnis. "Unsere Kultur ist nicht mehr so partnerschaftsunterstützend wie früher, das Ehegelübde nicht mehr so bindend. Alles beruht viel stärker auf Freiwilligkeit", erläuterte der Hamburger Diplompsychologe und Paartherapeut Oskar Holzberg dem Blatt die allgemeinen Zweifel an lebenslanger Partnerschaft. Sich zu trennen, bedeute keine gesellschaftliche Ausgrenzung mehr - auch nicht für die Frau.

"Zwei Drittel aller Scheidungen werden mittlerweile von Frauen eingereicht", sagte die Sozialpsychologin Elke Rohmann von der Ruhr-Universität Bochum dem Magazin. Frauen seien unabhängiger geworden und nicht mehr bereit, um jeden Preis Kompromisse in der Ehe einzugehen - nur um nicht alleine die Kinder großzuziehen oder sich finanziell sicherer zu fühlen.

Bei der Umfrage wurden 2028 Personen ab 14 Jahren, darunter 1040 Frauen und 988 Männer, interviewt. Doch wirklich überraschend wirken die Ergebnisse nicht. Denn jedes Jahr geben die Experten vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden die aktuellsten Scheidungszahlen bekannt. Danach geht insgesamt jede dritte Ehe, die in Deutschland geschlossen wird, irgendwann in die Brüche - durchschnittlich aber nicht im "verflixten siebten Jahr", sondern erst nach gut 14 Jahren. So wurden rund 185.000 Ehen im Jahr 2009 von einem Richter getrennt.

Das ist die Realität. Dem steht aber vielfach der Wunsch nach dauerhaftem Glück gegenüber. Von solcher Hoffnung getragen gaben sich 2009 rund 378.000 Paare das Ja-Wort. Die Zahl der Trauungen hat sich in den vergangenen Jahren rund um die Zahl 375.000 eingependelt. Früher gingen mehr Paare den Bund fürs Leben ein.

Und auch Umfragen der vergangenen Monate untermauerten diese emotionalen Bedürfnisse - so ergab eine Umfrage unter Männern zwischen 18 und 40 Jahren, dass bei 93 Prozent von ihnen Treue der Partnerin weit oben auf der Wunschliste steht.

Von

dpa

Kommentare (4)

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28.04.2011, 22:42 Uhr

Wenn Herrlich und Dämlich heiraten und kein Rollentausch stattfindet, könnte es klappen.

AndreAdrian

29.04.2011, 00:01 Uhr

Alternative serielle Monogamie?

Im Buch der Bücher steht "es ist nicht gut wenn der Mann allein bleibt". Wenn Monogamie mit einer Partnerin nicht mehr das ganze Leben hält, ist dann der neue Trend alle 14 Jahre die Frau zu wechseln und dann "neues Spiel, neues Glück" auszurufen?
Ich weiss es nicht. Eine Info im Artikel wie es nach der Scheidung weitergeht wäre interessant!

Wolfgang

29.04.2011, 08:15 Uhr

Wer im Elternhaus und in der Schule nicht lernt Verantwortung zu übernehmen, der wird sich auch im späteren Leben nicht "trauen".

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