Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.04.2006

09:37 Uhr

Keine Gefahr für Deiche mehr

Entspannung in Hochwassergebieten

Die Menschen in den niedersächsischen Hoschwassergebieten an der Elbe können langsam aufatmen. Die Lage hat sich dort so weit entspannt, dass nach Angaben der Behörden keine akute Gefahr von Deichbrüchen mehr besteht. Erste Bewohner kehren in Altstadt von Hitzacker zurück.

HB HITZACKER. Der Wasserstand gehe etwas schneller zurück als erwartet, sagte Achim Stolz vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft. Zwar bestehe an den Deichen keine akute Bruchgefahr mehr. Allerdings könne wegen der nach wie vor hohen Pegelstände und der Dauerbelastung der Deiche weiterhin erst Ostern völlige Entwarnung gegeben werden. In die Altstadt von Hitzacker, die nahezu vollständig überflutet war, kehrten unterdessen die ersten Bewohner zurück.

Stolz sagte, die Deiche würden vielerorts weiter rund um die Uhr kontrolliert. Besonderes Augenmerk galt dabei den Schutzanlagen in der Nähe der Ortschaft Amt Neuhaus und im Bereich Artlenburg. Dort mussten erneut durchweichte Deiche abgedichtet werden. Neben Feuerwehrleuten waren auch Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Ein großer Teil der Einsatzkräfte konnte im Laufe des Tages aber wieder abgezogen werden.

In Hitzacker stand das Wasser am Nachmittag bei 7,18 Meter, nachdem dort am Sonntag der höchste Wert mit 7,63 Meter gemessen worden war. Die Elbe ging am Mittwoch pro Stunde etwa einen Zentimeter zurück. Zwar standen noch immer große Teile der Altstadt unter Wasser. Dennoch kehrten nach Angaben einer Sprecherin des Landkreises Lüchow-Dannenberg erste Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurück. Einzelne Häuser hätten bereits wieder Strom. „Die Situation ist im gesamten Landkreis nirgendwo mehr kritisch“, sagte sie. Der Katastrophenalarm soll voraussichtlich am Donnerstag aufgehoben werden.

Auch flussaufwärts in Brandenburg und Sachsen-Anhalt entspannte sich die Lage weiter. Nach Angaben der Behörden gab es nur noch wenige neue Sickerstellen an den Elbdeichen. In Brandenburg wurden Bundeswehrsoldaten abgezogen. An den Elbdeichen in Mühlberg und entlang der Oder begannen die Aufräumarbeiten.

In Sachsen gab es kaum noch Einschränkungen. Auch die meisten Straßensperrungen wurden inzwischen aufgehoben. In den betroffenen Orten dauerten die Aufräum- und Reparaturarbeiten an. Die Landesregierung geht von einem Schaden durch das Hochwasser allein in Sachsen von rund 100 Millionen Euro aus. Bis zu 1500 Häuser sowie zahlreiche Firmen, darunter viele Gaststätten und Geschäfte, sollen betroffen sein.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) forderte wie zuvor schon Politiker von SPD und Grünen als Konsequenz aus dem Hochwasser eine einheitliche Zuständigkeit des Bundes beim Hochwasserschutz. „Die Bundesländer müssen endlich einsehen, dass der Hochwasserschutz in Bundeshand gehört“, erklärte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke in Berlin. Wenn jedes Land weiter nach Gutdünken über Deiche und Flutungsflächen entscheide, werde der Hochwasserschutz nur zusätzlich erschwert. Ein von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vorgeschlagenes Länderabkommen lehnte er ab. Der Bund für Umwelt und Natursschutz (BUND) kritisierte, es gebe nach wie vor zu wenig Rückhalteflächen. Die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe habe vor drei Jahren 15 Standorte vorgeschlagen. Nur drei Projekte seien bislang verwirklicht worden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×