Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2012

17:51 Uhr

Kindermörder Dutroux

Komplizin wird vorzeitig entlassen

Kidnapping, Vergewaltigung, Ermordung - die Taten des Kindermörders Marc Dutroux beschäftigen Belgien seit 1995. Die Freilassung seiner Frau und Komplizin nach 16 Jahren Haft ist heftig umstritten.

Der Eingang des Klosters in Malonne. Reuters

Der Eingang des Klosters in Malonne.

BrüsselDie Komplizin und Ex-Frau des belgischen Kindermörders Marc Dutroux wird nach 16 Jahren Haft vorzeitig aus der Haft entlassen. Sie darf künftig in einem Kloster des Ordens der Klarissen in Malonne unweit der Stadt Namur leben. Diese Entscheidung eines Gerichts in Mons vom Dienstag wurde von Angehörigen der Opfer und von Opferverbänden scharf kritisiert. Zugleich begann in Belgien auch eine politische Debatte über das Recht von Schwerverbrechern auf vorzeitige Entlassung und auf Resozialisierung.

Das Gericht verbot der 52 Jahre alten Frau, sich den Familien der Opfer zu nähern. Jean-Denis Lejeune, der Vater eines Mädchens, das im Alter von acht Jahren von Dutroux verschleppt, vergewaltigt und dann ermordet wurde, beklagte aber, dass künftig nur etwa 60 Kilometer zwischen dem Aufenthaltsort der Täterin und der Opfer lägen.

Die Frau war 2004 in einem spektakulären Prozess als Komplizin von Dutroux zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Sie befand sich seit 1996 in Haft. Dutroux hatte sechs Mädchen entführt und drei von ihnen ermordet. Die Verbrechen hatten zu landesweiter Empörung in Belgien geführt, da Dutroux ebenso wie seine Frau schon zuvor wegen ähnlicher Verbrechen verurteilt worden war. Im Oktober 1996 demonstrierten rund 300 000 Belgier für eine rückhaltlose Aufklärung der Geschehnisse in einem von Dutroux gebauten Kellerverlies.

Claude Michaux, Staatsanwalt in Mons, kündigte Berufung gegen die Entscheidung des Gerichts zur Freilassung der Frau an. Die Anwälte der Verurteilten sagten, noch stehe nicht fest, wann die Frau tatsächlich das Gefängnis verlassen und in das Kloster übersiedeln werde.

„Die Entscheidung war nicht einfach und wir haben sehr lange darüber nachgedacht“, formulierte die Äbtissin des Klarissen-Ordens von Malonne in einer Erklärung. Die Ex-Frau von Dutroux habe keinen Ort gefunden, an dem sie nach der Entlassung hätte bleiben dürfen. Zudem habe das Gericht die Freilassung an eine Unterbringung in einem Kloster gekoppelt. „Frau M. ist ein menschliches Wesen und wie wir alle des Schlimmsten und des Bösesten fähig.“ Die Äbtissin betonte, die Frau werde keine Nonne werden („Das ist weder ihr Wunsch noch unserer“) und im Gästetrakt des Klosters wohnen.

Die Frau sei „genau so schuldig wie Dutroux und sie hätte ihre Strafe bis zum Ende verbüßen müssen“, sagte Lean Lambrecks, der Vater einer von Dutroux ermordeten 19-Jährigen. Sie habe zwei der jüngeren Opfer Dutrouxs in dem Verlies verhungern lassen: „Diese Gerichtsentscheidung ist inakzeptabel.“ Der Anwalt eines Opferverbandes sagte, er habe gegen die Freilassung bereits Beschwerde eingelegt. Vertreter verschiedener Parteien forderten eine öffentliche Debatte über die Verbüßung von Strafen für besonders schwere Verbrechen.

Von

dpa

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bluewine

31.07.2012, 19:43 Uhr

War eigentlich klar, dass diese Person früher entlassen wurde, schliesslich hat sie Beziehungen in "höchste Kreise dieses[...] Landes". Dafür hält sie jetzt auch weiterhin dicht!

[+++Beitrag wurde von der Redaktion editiert+++]

dERaDDY

31.07.2012, 20:22 Uhr

[+++Beitrag wurde von der Redaktion gelöscht+++]

thaijohn

01.08.2012, 05:01 Uhr

sowas ist doch eine schweinerei! 2 kleine unschuldige kinder verhungern lassen, jetzt wird sie bereits nach 16 jahren freigelassen? hat die Justiz in Europa den noch alle Tassen im Schrank? [...] [+++Beitrag wurde von der Redaktion editiert+++]

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×