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10.07.2015

09:30 Uhr

Kirchenoberhaupt in Bolivien

Papst entschuldigt sich für Verbrechen an Ureinwohnern

Papst Franziskus ist auf Südamerikarundreise. In Bolivien hat das Kirchenoberhaupt sich für die Verbrechen der Kirche auf dem Kontinent entschuldigt. Eine Geste mit großem Gewicht.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche: „Eins ist sicher: Wir können nicht der Realität, unseren Brüdern, unserer Mutter Erde weiter den Rücken zukehren.“ ap

Papst Franziskus in Bolivien

Das Oberhaupt der katholischen Kirche: „Eins ist sicher: Wir können nicht der Realität, unseren Brüdern, unserer Mutter Erde weiter den Rücken zukehren.“

Santa Cruz de la Sierra Bei seinem Besuch in Bolivien hat sich der Papst bei den Ureinwohnern für frühere Verbrechen der katholischen Kirche entschuldigt. „Ich bitte demütig um Vergebung, nicht nur für die Sünden der Kirche selbst, sondern auch für die Verbrechen gegen die indigenen Völker während der sogenannten Eroberung Amerikas“, sagte der Argentinier am Donnerstag bei einem Treffen mit Vertretern von Volksbewegungen aus der ganzen Welt in Santa Cruz de la Sierra.

Franziskus wies darauf hin, dass bereits Papst Johannes Paul II. sich für die Vergehen gegen die Ureinwohner entschuldigt hatte. Die Geste des Argentiniers ist in Bolivien von großem Gewicht: Die meisten Bolivianer sind Nachfahren der Ureinwohner.

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Papst Franziskus rief überdies zu einem Ende des „Völkermords“ an Christen im Nahen Osten und in anderen Regionen auf. „Heute erleben wir, wie im Nahen Osten und anderswo viele unserer Brüder im Glauben an Jesus verfolgt, gefoltert werden“, sagte er. „Das müssen wir auch anprangern: In diesem stückweisen dritten Weltkrieg, den wir erleben, gibt es eine Art Völkermord, der aufhören muss“, fügte der Papst hinzu.

Papst-Liste: „Die 15 Krankheiten der Kurie“

Sich unsterblich, immun oder unersetzbar zu fühlen.

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht selbst erneuert, die nicht versucht, sich selbst zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Zu hart arbeiten.

„Eine Rast ist für diejenigen, die ihre Arbeit getan haben, notwendig, gut und sollte ernst genommen werden.“

Spirituell und geistig abzustumpfen.

„Es ist gefährlich, diese menschliche Empfindsamkeit zu verlieren, die einen mit denen weinen lässt, die weinen, und mit denen feiern lässt, die fröhlich sind.“

Zu viel planen.

„Es ist nötig, gute Pläne zu machen. Aber verfallt nicht der Versuchung, die Freiheit des Heiligen Geistes einzuschließen oder zu dirigieren, denn er ist größer und großzügiger als jeder menschliche Plan.“

Ohne Koordination zu arbeiten, wie ein lärmendes Orchester.

„Wenn der Fuß der Hand sagt: ,Ich brauche dich nicht' oder die Hand dem Kopf sagt: ,Ich habe das Sagen'.“

„Spirituelles Alzheimer“.

„Wir sehen es in den Leuten, die ihr Zusammentreffen mit dem Herrn vergessen haben ... in jenen, die völlig auf ihr Hier und Jetzt, ihre Leidenschaften, Launen und Manien angewiesen sind; in jenen, die Mauern um sich bauen und sich von Götzen versklaven lassen, die sie mit ihren eigenen Händen erschaffen haben.“

Sich in Rivalitäten zu verlieren und zu prahlen.

„Wenn das eigene Aussehen, die Farbe der Gewänder oder Ehrentitel zu den wichtigsten Zielen im Leben werden.“

Das Leiden an „existenzieller Schizophrenie“.

„Es ist die Krankheit jener, die ein Doppelleben führen. Ein Resultat der Scheinheiligkeit, die typisch ist für mittelmäßige und fortgeschrittene spirituelle Leere, die auch akademische Titel nicht füllen können. Es ist eine Krankheit, an der oft die leiden, die den Priesterdienst aufgegeben haben und sich auf bürokratische Aufgaben beschränken und dadurch den Kontakt mit der Realität und echten Menschen verlieren.“

„Terror des Geschwätzes“.

„Das ist die Krankheit von Feiglingen, die nicht den Mut haben, direkt zu sprechen, sondern nur hinter dem Rücken von Leuten.“

Verehrung der Vorgesetzten.

„Das ist die Krankheit jener, die ihre Vorgesetzten hofieren und dafür auf deren Wohlwollen hoffen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus. Sie verehren Menschen, die nicht Gott sind.“

Gleichgültigkeit gegenüber anderen

„Wenn man aus Neid oder Heimtücke Freude daran findet, andere fallen zu sehen, statt ihnen aufzuhelfen und sie zu ermutigen.“

Eine Trauermine aufzusetzen.

„Tatsächlich sind theatralischer Ernst und steriler Pessimismus oft Symptome von Angst und Unsicherheit. Der Jünger muss höflich, enthusiastisch und glücklich sein und Freude weitergeben, wo auch immer er hingeht.“

Immer mehr zu wollen.

„Wenn ein Jünger versucht, eine existenzielle Leere in seinem Herz mit der Ansammlung materieller Güter zu füllen, nicht weil er sie braucht, sondern weil er sich dadurch sicherer fühlt.“

Die Bildung „geschlossener Kreise“, die stärker seien wollen als die Gemeinschaft.

„Diese Krankheit beginnt immer mit guten Absichten, aber mit der Zeit versklavt sie ihre Mitglieder, indem sie zu einem Krebsgeschwür wird, das die Harmonie des Körpers bedroht und so viel Schaden verursacht - Skandale - besonders gegenüber unseren jüngeren Brüdern.“

Das Streben nach weltlichen Profiten und die Prahlerei.

„Das ist die Krankheit jener, die unersättlich sind in ihren Versuchen, ihre Macht zu vervielfachen, und dabei des Rufmords, der Diffamierung und der Diskreditierung anderer fähig sind - auch in Zeitungen und Magazinen - , natürlich um sich selbst als kompetenter als andere darzustellen.“

Der Papst nutzte seinen Besuch überdies, um für ein weltweites Umsteuern weg von einem ausartenden Kapitalismus zu werben. „Wir sagen es ohne Furcht: Wir wünschen uns einen Wandel“, sagte Franziskus. „Erkennen wir, dass die Dinge nicht gut laufen in einer Welt, wo es so viele Bauern ohne Land gibt, so viele Familien ohne Dach, so viele Arbeiter ohne Rechte, so viele Menschen, die in ihrer Würde verletzt sind?“, fragte das

Papst Franziskus hat zuvor bei seinem Besuch in Ecuador zum Schutz der Umwelt aufgerufen. „Eins ist sicher: Wir können nicht der Realität, unseren Brüdern, unserer Mutter Erde weiter den Rücken zukehren“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Dienstag bei einem Zusammentreffen mit Studenten und Dozenten in der Hauptstadt Quito.

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Begeistert haben Tausende Papst Franziskus in Ecuador empfangen. Auf seiner Südamerika-Reise will er Solidarität mit den Armen zeigen, auch Bolivien und Paraguay wird er in seinem Papamobil einen Besuch abstatten.

In seiner Rede vor tausenden geladenen Gästen sprach der Papst auch erstmals öffentlich über seine vergangenen Monat veröffentlichte Umwelt-Enzyklika „Laudato si“. „Diese Erde haben wir als Erbe erhalten, als Gabe, als ein Geschenk", hob Franziskus hervor. "Wir täten gut daran, uns zu fragen: In welchem Zustand wollen wir sie hinterlassen?“

Zuvor hatte der Papst bei einem Treffen mit ecuadorianischen Ureinwohnern und anderen Vertretern der Zivilgesellschaft zum Schutz des Amazonas-Gebietes aufgerufen. Dessen "enorme Artenvielfalt" verdiene "besondere Pflege", sagte Franziskus. Damit stärkte er auch den Ureinwohnern in Ecuador den Rücken, die vielfach gegen den Verlust ihres Lebensraums wegen der Förderung von Erdöl und Erdgas kämpfen.

Am Freitag reist will das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter nach Paraguay reisen. Es ist die längste Reise des aus Argentinien stammenden Papstes seit seiner Wahl im März 2013.

Von

afp

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