Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.08.2014

10:57 Uhr

Kleiderkammer der JVA Landsberg

Uli Hoeneß arbeitet für 1,12 Euro die Stunde

Däumchen drehen in der Gefängniszelle? Mitnichten. Uli Hoeneß muss auch in der JVA Landsberg arbeiten. Die „Bild“ berichtet, dass der Ex-Bayern-Boss in der Kleiderkammer ran muss. Was er dort macht und was er verdient.

Steueraffäre und Haftstrafe: Uli Hoeneß. dpa

Steueraffäre und Haftstrafe: Uli Hoeneß.

LandsbergWürstchenfabrikant, Manager, Präsident: Uli Hoeneß erfreute sich in den vergangenen Jahrzehnten stets hochrangiger und vor allem lukrativer Jobs. In der JVA Landsberg hat er nun ein vollkommen neues Aufgabenfeld: Die „Bild“-Zeitung berichtet, dass der verurteilte Steuersünder nun in der Kleiderkammer der JVA Landsberg arbeitet. Demnach soll Hoeneß jeden Tag von 9 bis 15.30 Uhr für die Ausgabe der Kleidung, der Bettwäsche und der Putzmittel zuständig sein, bei der beispielsweise neue Häftlinge ihre Einheitsklamotten erhalten.

Das Einstiegsgehalt für arbeitende Gefangene in bayrischen Gefängnissen beträgt 1,12 Euro pro Stunde. Das kann sich bis auf 1,87 Euro erhöhen. Nach zwei Monaten durchgehender Arbeit wird dem Häftling ein sogenannter „Freistellungstag“ angerechnet, den er später nutzen kann, um früher aus der Haft entlassen zu werden.

FC Bayern: Der Skandal rund um Uli Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben.

Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - gegen Zahlung einer hohen Kaution.

20. April 2013

Der „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Vereinspräsident aus. Die Kritik an ihm nimmt zu. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rückt von ihm ab, zeigt sich „enttäuscht“.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro.

1. Mai 2013

Hoeneß erklärt in einem „Zeit“-Interview Reue und gibt Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident darin aus.

6. Mai 2013

Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

25. Mai 2013

Selbst im Moment des großen Triumphes des FC Bayern steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er im Londoner Wembleystadion nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.

30. Juli 2013

Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

4. November 2013

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen den Bayern-Präsidenten „unverändert“ zu.

13. November 2013

Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen.

23. Januar 2014

Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter?

10. März 2014

Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“ Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

11. März 2014

Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Hoeneß soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

12. März 2014

Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für „sachgerecht“. Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten.

13. März 2014

Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

20.September 2014

Uli Hoeneß bekommt nach dreieinhalb Monaten Haft das erste Mal Ausgang. Die Hafterleichterung hängt einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge mit der vollständigen Begleichung seiner Steuerschuld zusammen. Hoeneß soll zuvor gut 30 Millionen Euro an das Finanzamt Miesbach überwiesen haben.

31. Dezember 2014

Zweiter Urlaub für Hoeneß. Er darf den Jahreswechsel zu Hause verbringen. Schon zu Weihnachten hatte Hoeneß Urlaub erhalten und durfte zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern schlafen. Seit Jahresbeginn 2015 ist Hoeneß Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Schlafen in die JVA, darf tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen.

24. Februar 2015

Sat.1 beginnt mit den Dreharbeiten zu einer Satire, die an den Fall Hoeneß angelehnt ist. Uwe Ochsenknecht spielt die Hauptrolle. Im Mai beginnt das ZDF mit den Dreharbeiten zu einem Doku-Drama mit dem Titel „Uli Hoeneß - Der Patriarch“.

3. November 2015

Der Anwalt von Hoeneß bestätigt, dass sein Mandant einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt hat. Eine Freilassung ist frühestens zur Hälfte der Haftstrafe möglich - zum 29. Februar 2016.

21. Dezember 2015

Hoeneß ruft beim Radiosender Antenne Bayern an und spendet bei einer weihnachtlichen Spendenaktion 10 000 Euro.

18. Januar 2016

Die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg entscheidet, dass die Haftstrafe zum 29. Februar ausgesetzt wird. Hoeneß erhält eine dreijährige Bewährungszeit.

Mehrere Wochen war der Ex-Präsident des FC Bayern krank geschrieben, hatte die JVA wegen einer Operation sogar kurzzeitig verlassen. Nun scheint er wieder bei Kräften zu sein – und muss arbeiten, wie jeder andere Gefangene.

Wie lange er noch im geschlossenen Vollzug bleiben muss, ist unklar. Laut des Berichts gibt es noch keinen Termin für einen möglichen Freigang. Die Bild-Zeitung spekuliert aber, dass die Justizbehörden eventuell im September darüber entscheiden, wann und ob Hoeneß in den offenen Vollzug wechseln darf.

Bayerns Ex-Boss war im März wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte für Spekulationsgeschäfte in der Schweiz jahrelang keine Steuern gezahlt und dadurch Steuern in Höhe von rund 28,5 Millionen Euro hinterzogen. Seit Anfang Juni ist er in der Justizvollzugsanstalt Landsberg inhaftiert.

Von

vf

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Ungläubig

13.08.2014, 11:55 Uhr

Als Zeugwart beim FC Hollywood könnte Hoeneß seine Erfahrung aus der JVA einbringen.
Was Bastian Schweinsteiger wohl mit dem Ausspruch »wenn Uli Hoeneß nicht wäre, dann wären wir alle nicht hier (beim FC Bayern)«. Wenn da mal nicht noch zusätzlich was aus der schwarzen Kasse geflossen ist ;–)). Aber da ist ja jetzt, dank unserer großzügigen Justiz, der Deckel drauf.

Herr Kurt Küttel

13.08.2014, 12:33 Uhr

Das kann nur ein Dortmunder schreiben. Wo sitzt nochmal der von Dortmund so hofiert Großaktionär Florian Homm? Der ist ja ein richtiger Schwerverbrecher! Von den Dönerwerfern und Hotelpinklern nicht zu reden

G. Nampf

13.08.2014, 12:35 Uhr

Laßt Herrn Hoeneß doch endlich in Ruhe.

Nebenbei: Ich bin kein Bayern-Fan.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×