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26.07.2015

10:15 Uhr

Klein durch Mangelernährung

Asien soll größer werden

VonMathias Peer

In der Region von Indien bis Vietnam sind die Menschen so klein wie kaum sonst wo auf der Welt. Das liegt auch an einer mangelhaften Ernährung. Für mehrere Regierungen wird die Körpergröße nun zum Politikum.

Das Land verfügt über eine der weltweit höchsten Raten von Wachstumsstörungen. dpa

Indien

Das Land verfügt über eine der weltweit höchsten Raten von Wachstumsstörungen.

BangkokEs sind ambitionierte Ziele, die Narong Saiwong seinen Landsleuten vorgibt. Sie sollen klüger, schlanker und auch größer werden. In zehn Jahren soll der durchschnittliche Intelligenzquotient junger Erwachsener von 94 auf 100 steigen, gibt der ranghohe Beamte im thailändischen Gesundheitsministerium vor. Die Körpergröße von Männern soll nach seinem Willen von bisher im Schnitt 1,67 auf 1,75 Meter zulegen. Erreichen will er das über gesünderes Essen in den Schulen. Denn die Thailänder haben ein Problem, das sie mit der Bevölkerung vieler anderer asiatischer Länder teilen: Sie sind wegen ihrer Ernährung zu klein.

Das ist nicht der wirre Plan einer machthungrigen Junta es ist die ernsthafte Auseinandersetzung mit einem allem zugrunde liegenden Problem. In keiner anderen Weltregion ist die durchschnittliche Körpergröße so gering wie im Süden und Südosten Asiens. Hunger oder mangelhafte Ernährung im Kindesalter sind der Hauptgrund dafür. Mehr als 160 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind weltweit davon betroffen. Die Hälfte davon lebt in Asien. Neben einer geringeren Körpergröße sind auch schlechtere kognitive Fähigkeiten eine Folge der Ernährungsprobleme. Doch trotz eines hohen Wirtschaftswachstums und steigenden Wohlstands fällt es vielen Regierungen in der Region schwer, gegen das Problem anzukämpfen.

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Die neuen Pläne in Thailand sind auch ein Eingeständnis, dass bisherige Versuche kaum fruchteten. Bereits vor Jahren hat das Land staatlich subventioniertes Mittagessen an den Schulen eingeführt. „Aber leider ist dass Essen in vielen Schulkantinen frittiert und voller Zucker“, kommentiert Bildungsexperte Daniel Maxwell. „Die Qualität des Schulessens zu erhöhen, wäre ein wichtiger Schritt, um den Nährstoffmangel zu beseitigen.“ Viel lässt sich der Staat das Projekt bisher nicht kosten: Umgerechnet 35 Cent werden im Haushalt pro Mahlzeit veranschlagt. Künftig soll der Betrag auf immerhin 54 Cent steigen.

Obwohl Thailand ein in der Region vergleichsweise wohlhabendes Land ist, sind Wachstumsstörungen bei Kindern teilweise noch immer ein großes Problem: Im Nordosten, dem bevölkerungsreichsten Teil des Landes, waren 2012 nach einer Untersuchung der staatlichen Behörden in Zusammenarbeit mit dem UN-Kinderhilfswerk Unicef 19 Prozent der Kinder kleiner, als es für ihr Alter angemessen wäre.

Die vietnamesische Regierung kündigte – ähnlich wie Thailand jetzt – bereits vor vier Jahren ein Programm an, mit dem die durchschnittliche Körpergröße von 18-Jährigen gesteigert werden soll. Die Mittelwerte von damals 164 Zentimetern bei Männern und 154 Zentimetern bei Frauen sollten jeweils um drei Zentimeter erhöht werden. Vor wenigen Wochen zog ein Projektleiter eine ernüchternde Zwischenbilanz: Statt der zugesagten 275 Millionen Dollar flossen bislang nicht einmal 500.000. Damit ließ sich zwar das Projektbüro finanzieren. Geld, etwa um Schulen breitflächig mit Milch zu versorgen, fehlt jedoch bislang.

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