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28.12.2011

15:16 Uhr

Knalltrauma & Co.

Wenn Haustieren die „Silvesterneurose“ droht

Die Nacht des Jahreswechsels birgt nicht nur für den Menschen zahlreiche Gefahren. Auch für dessen besten Freund ist jedes Silvester aufs Neue eine gefährliche Angelegenheit, die manchmal auch beim Tierarzt endet.

Die Silvesterknallerei ist für Haustiere jedes Jahr erneut ein hoher Stressfaktor. dpa/picture alliance

Die Silvesterknallerei ist für Haustiere jedes Jahr erneut ein hoher Stressfaktor.

BerlinNicht nur Menschen erleiden durch die alljährliche Knallerei zu Silvester Hörschäden, Verbrennungen und andere Verletzungen. Auch Tiere versetzt das Feuerwerk häufig in Panik. Um Hund oder Katze vor einer „Silvesterneurose“ zu schützen, sind einige Vorsichtsmaßnahmen angebracht.

Der Deutsche Tierschutzbund rät Frauchen oder Herrchen, „knallerfreie Zonen“ einzurichten. Denn Tiere reagieren besonders sensibel auf Geräusche. Der plötzlich auftretende, ungewohnte Lärm in der Silvesternacht - und häufig auch schon in den Stunden zuvor - versetzt sie in Angst und Schrecken. Es kann zu Gehörschäden und Traumata kommen. Nicht selten landen zudem Haustiere in dieser Zeit mit Brand- und Augenverletzungen in den tierärztlichen Notdiensten. Daher sollten in der Nähe von Stallungen und Privathaushalten mit Tieren keine Knaller gezündet werden.

Der sichere Umgang mit Silvesterkrachern

Altersgrenze beachten

Silvesterkracher und -raketen sind kein Kinderspielzeug und dürfen daher nicht an unter 18-Jährige verkauft oder von ihnen verwendet werden. Doch auch für Minderjährige gibt es Alternativen. Diese Feuerwerkskörper der Klasse 1 - auch Jugendfeuerwerk genannt - sind weitgehend ungefährlich und dürfen das ganze Jahr über ohne Altersbeschränkung verkauft werden.

Auf Verbote achten

In Deutschland darf zum Jahreswechsel längst nicht überall uneingeschränkt geböllert werden. So gelten zum Beispiel die Umgebungen von Kirchen, Krankenhäusern, Kinderheimen und Senioreneinrichtungen sowie Reetdach- und Fachwerkhäusern als Tabuzone für Feuerwerk. Hinzu kommen je nach Region Sonderregelungen, die unbedingt beachtet werden sollten.

Gebrauchsanweisung befolgen

Feuerwerk sollte nur so verwendet werden wie auch vom Hersteller vorgesehen, weshalb man unbedingt die Gebrauchshinweise beachten sollte, um unschöne Überraschungen zu vermeiden. So eignen sich zum Beispiel nur die wenigsten Artikel zur Verwendung in geschlossenen Räumen.

Sicherheitsabstand wahren

Beim Abbrennen von Silvesterböllern und -raketen sollte man grundsätzlich Vorsicht walten lassen. Beides sollte nur in ausreichendem Sicherheitsabstand gezündet werden, wobei man die Feuerwerkskörper stets im Auge behalten sollte. Und obwohl es sich eigentlich von selbst versteht, sollte man leider auch in diesem Jahr wieder darauf hinweisen, dass Silvesterkracher niemals in die Richtung von Menschen geworfen oder abgefeuert werden dürfen.

Eine weitere große Gefahrenquelle bilden Blindgänger. Diese sollten unter keinen Umständen noch einmal gezündet werden.

Kein Eigenbau

Das Zünden von Krachern und Raketen der Marke Eigenbau birgt ein hohes Verletzungs- und Verbrennungsrisiko und sollte daher unbedingt vermieden werden. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Feuerwerkskörper mit einem Prüfsiegel der Bundesanstalt Materialforschung (BAM-PI) versehen sind. Diese garantieren, dass die Böller den Sicherheitsvorschriften genügen. Bei importierten Böllern ohne Prüfsiegel besteht das Risiko einer vorzeitigen Explosion und damit eine hohe Verletzungsgefahr.

Sichere Aufbewahrung

Wer Feuerwerkskörper transportiert, sollte diese nicht am Körper tragen, zum Beispiel in Jacken- und Hosentaschen. Zu groß wäre die Gefahr der Selbstentzündung.

Brandrisiken minimieren

Um die Gefahr von Wohnungsbränden möglichst klein zu halten, sollten Balkone zum Jahreswechsel von brennbaren Materialien wie Möbeln freigeräumt sowie Türen und Fenster geschlossen werden.

Notfälle umgehend melden

Im Brand- oder Verletzungsfall sollte man keine Zeit verlieren und sofort Feuerwehr und Rettungsdienste verständigen, um eine schnelle Hilfe zu gewährleisten.

Tierhalter sollten bereits einige Tage vor Silvester Hunde in bewohnten Gebieten nur noch angeleint ausführen, denn verfrühte Kracher könnten sie in panischem Schrecken davonlaufen lassen. Unfälle, verursacht durch das verstörte Tier, sind oft die Folge.

In der Silvesternacht sollten Haustiere nicht allein gelassen werden. In der Wohnung sollten Hunde, Katzen, Vögel, Meerschweinchen oder Hamster möglichst weit weg vom Lärm der Straßenseite an einem ruhigen Platz untergebracht werden. Türen und Fenster sind zu schließen, gegebenenfalls können auch Rollos heruntergelassen werden, um den Lärm zu dämpfen. Hilfreich ist manchmal auch, Radio oder Fernseher laufen und das Licht brennen zu lassen, damit möglichst wenig vom Lärm und von den grellen Lichtern nach Innen dringt.

Wenn der leichtfertige Umgang mit Kracher und Rakete teuer wird

Das Feuerwerk als Versicherungsfall

Auch dieses Silvester wird wohl wieder Feuerwerk für mehr als hundert Millionen Euro in die Luft gejagt. Aus der lauten Freude kann aber schnell ein Schrecken werden, wenn Böller und Raketen plötzlich Brände verursachen oder Menschen verletzten. Selbst eine Haftpflichtversicherung kommt dann nicht immer für alle Schäden auf. Folgende Dinge sind zu beachten, damit es nicht zu einem finanziellen Kater kommt.

BAM-Prüfsiegel beachten

Böller-Freunde sollten nur Produkte verwenden, die von der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) geprüft und zugelassen sind. Bei aus dem Ausland eingeschmuggelten Krachern und Raketen ohne BAM-Prüfsiegel droht nicht nur eine Geldstrafe. Haftpflichtversicherungen zahlen auch keine Schäden, wenn illegale Böller vorzeitig explodieren und etwa gefährliche Verletzungen verursachen.

Unbeaufsichtigte Kinder

Eltern haften für ihre Kinder, nicht die Versicherungen: Dies gilt immer dann, wenn Eltern ihre minderjährigen Kinder unbeaufsichtigt mit Böllern spielen lassen. Versicherungen werten dies als grob fahrlässige Verletzung der Aufsichtspflicht und zahlen nichts.

Grobe Fahrlässigkeit

Zündet etwa ein Gast auf der Silvesterparty einen Knaller im Gebäude, übernimmt dessen private Haftpflichtversicherung den Schaden nur, wenn dies aus Versehen geschehen ist. Nach Angaben der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) prüfen die Versicherungen dann allerdings genau, wer für den Schaden verantwortlich ist oder ob grob fahrlässig gehandelt wurde.

Täter unbekannt

Verursacht eine von Unbekannten abgefeuerte Silvesterrakete einen Wohnungsbrand, tritt die Hausratversicherung ein. Äußere Schäden am Haus begleicht die Wohngebäudeversicherung.

Schäden am Auto

Wird das eigene Auto durch Feuerwerkskörper beschädigt, greift - so vorhanden - die Kaskopolice. Die Teilkasko kommt für Schäden am Lack, zerbrochene Scheiben oder einen Autobrand auf. Glück im Unglück: Zu einer Rabattrückstufung kommt es dann nicht, obwohl die Versicherung den Schaden reguliert. Vollkaskoversicherungen übernehmen außerdem mutwillige Beschädigungen. Aber auch hier gilt die eherne Regel: Die Versicherung zahlt nur, wenn der Betroffene den Schaden nicht selbst verursacht hat und der Verantwortliche unerkannt bleibt.

Dennoch können den Tieren Silvesterknaller regelrecht auf den Magen schlagen. Konsequente Nahrungsverweigerung, Durchfall, heftiges Zittern oder häufiges Jaulen sind nach Angaben des Tierärzteverbandes typische Anzeichen. Wer solch eine „Silvesterneurose“ schon mal bei seinem Hund beobachtet hat, kann ihn einem Tierarzt vorstellen, der im Extremfall Beruhigungstabletten oder -tropfen verordnet. Oft hilft es aber schon, wenn ein vertrauter Mensch am Silvesterabend bei dem Tier bleibt.

Nicht nur für Haustiere, auch für Wildtiere in Wald und Flur ist der Krach in der Silvesternacht ein Stressfaktor. Deshalb rät der Deutsche Tierschutzbund, am Waldrand, in Waldlichtungen oder Parkanlagen ebenfalls auf Feuerwerk zu verzichten.

Von

afp

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