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03.03.2011

09:59 Uhr

Kölner Stadtarchiv

Offene Fragen und Wunden

In wenigen Sekunden stürzte das Kölner Stadtarchiv ein, die Aufarbeitung des Unglücks dauert länger. Zwei Jahre danach ist immer noch unklar, was genau die Katastrophe auslöste und wer die Schuld trägt.

Köln. Geblieben sind Narben und offene Fragen. Vor zwei Jahren - am 3. März 2009 - stürzte das Kölner Stadtarchiv in der Innenstadt ein, der Schock über die verlorenen Kulturschätze und auch europaweit bedeutenden Handschriften und Urkunden war riesig. Doch es kam noch schlimmer: Zwei Anwohner wurden vermisst. Den 17-jährigen Kevin zogen Feuerwehrkräfte vier Tage später tot aus den Trümmern, dann entdeckten sie den Leichnam des 23-jährigen Khalil. Seitdem ist für die Rettung der Archivgüter Enormes geleistet worden, viele Betroffene haben Hilfe erhalten. Aber es bleiben Fragen - was war die Unglücksursache, wer hat Schuld, warum dauert die Aufarbeitung so quälend lang?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Ein Ende ist auch nach vielen Razzien bei Baufirmen und den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) nicht abzusehen. Die KVB baut eine neue U-Bahn-Linie, eine Baugrube liegt direkt an der Einsturzstelle und steht mit dem Unglück in Verbindung. Was genau aber am 3. März 2009 passierte, ist weiter unklar, sagt Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich, der eine Sonderkommission dazu leitet. Er weiß, dass die Bevölkerung Antworten verlangt. Auch KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske erklärt: „Ich verstehe die große Ungeduld der Stadt, vor allem auch bei den Betroffenen (...) Ich verstehe auch den Unmut.“ Der Fall sei aber hochkompliziert.

Warum schleppt sich alles so hin? Dreh- und Angelpunkt ist der Zugang zu einer wichtigen Stelle am Unglücksort, die auch zwei Jahre danach noch kein Ermittler genau inspizieren konnte. Das liegt nach wie vor an der Bergung der Archivalien - oberirdisch ging die recht fix, unterirdisch aber nicht. In einem tiefen Krater liegen noch immer Archivgüter im Grundwasser, vermischt mit Schlamm und riesigen Betontrümmerteilen. Erst wenn hier alles rausgeholt sei, könne die Stelle übergeben werden, sagen Stadt und Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia.

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