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06.12.2013

11:12 Uhr

Kommentar

Glück und Vorsorge

VonMatthias Lambrecht

Deutschland hat „Xaver“ deswegen so gut überstanden, weil rechtzeitig in den Hochwasserschutz investiert worden ist. Und weil Nordeuropa die extremen Wetterlagen anderer Regionen bislang erspart geblieben sind.

Ein Passant geht über eine Brücke im Museumshafen Oevelgönne, durch die Elbwasser gedrückt wird. dpa

Ein Passant geht über eine Brücke im Museumshafen Oevelgönne, durch die Elbwasser gedrückt wird.

Es ist überstanden. Das Sturmtief „Xaver“ ist über Deutschland hinweggefegt, ohne größere Schäden zu hinterlassen. Trotz Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern und Sturmfluten mit Hochwasserständen, wie es sie an Nordsee, Elbe und Weser in den vergangenen Jahrzehnten nur selten gegeben hat.

Deutschland hat Glück gehabt, dass es nicht schlimmer gekommen ist. Denn Naturereignisse wie diese lassen sich nicht kontrollieren. Man kann nur so gut wie möglich vorbeugen und für Schutz sorgen.

Aber dass es so glimpflich abging, ist auch dem besonnenen Handeln der Verantwortlichen in den schnell einberufenen Krisenstäben und dem unermüdlichen Einsatz gut organisierter Einsatzkräfte zu verdanken – oftmals Freiwillige, die bei der Feuerwehr oder Hilfsdiensten wie dem Roten Kreuz helfen, Menschen zu retten und ihr Hab und Gut zu schützen.

Schließlich haben sich entlang der Nordsee und in den Flussmündungen die Investitionen in den Küstenschutz bezahlt gemacht. Deiche und Flutschutzmauern sind höher und stabiler, auch von den erhöhten Warften aus können die Bewohner der Halligen dem Blanken Hans gelassener entgegen sehen.

Eine Flutwelle, wie sie in der vergangenen Nacht Hamburg erreichte, hätte noch vor einem halben Jahrhundert eine Katastrophe bedeutet. 1962, als die Deiche brachen und weite Teile der Stadt unter Wasser standen, war das Hochwasser um mehr als einen halben Meter niedriger als am Freitagmorgen. Allein in Hamburg wurden durch den verbesserten Flutschutz in den vergangenen fünf Jahrzehnten Schäden in Höhe von mehr als 17 Milliarden Euro vermieden.

Ob es in den kommenden Jahren schlimmer wird, ob mehr und stärkere Stürme über Deutschland hereinbrechen, ist schwer vorauszusagen. Der Klimawandel lässt jedenfalls in unseren Breiten keine verstärkten Aktivitäten erwarten, weil die Temperaturunterschiede zwischen Arktis und Subtropen eher sinken. Doch die globale Erwärmung wird auch an Deutschlands Küsten spürbar.

Durch das Abschmelzen des arktischen Eises könnte der Wasserspiegel der Nordsee bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu einen Meter steigen. Dann muss weiter in den Hochwasserschutz investiert werden. Die Verpflichtung zum Einsatz gegen den Klimawandel bleibt aber auch, weil andere Teile der Erde dabei weniger Glück haben – und von extremen Wetterlagen weitaus härter getroffen werden als Deutschland.

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