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04.03.2016

16:15 Uhr

Kommentare im Netz

Trotzt dem Hass!

VonTill Eckert

Während seiner Zeit im Social-Media-Team beim Handelsblatt hat sich unser Volontär auch mit Hasskommentaren beschäftigt. Eine persönliche Abrechnung – und ein Appell an die Vernünftigen.

Immer häufiger entgleisen die Kommentare im Netz. Sind Hassroboter am Werk? dpa

Der Hass nimmt Überhand

Immer häufiger entgleisen die Kommentare im Netz. Sind Hassroboter am Werk?

DüsseldorfHeute ist mein letzter Tag, meine Zeit als Volontär in der Social-Media-Redaktion des Handelsblatts ist vorbei. Zeit für einen kurzen Rückblick – und eine Bitte an Sie, liebe Leser.

Während meiner Zeit hier kümmerte ich mich hauptsächlich um die Plattformen Facebook, Twitter, Instagram; ich postete, bearbeitete und plante dafür Beiträge, Bilder und Videos. Ich beschäftigte mich für einige Artikel mit im Netz relevanten Themen. Eine vielfältige Arbeit.

Auch auf der Website war ich jeden Tag unterwegs – ich durfte die Kommentare der Community moderieren, die unter den Artikeln eingehen. Was ich hier teilweise erleben musste, sprengte meine romantischen Vorstellungen davon, dass sachliche Diskussionen im Netz noch möglich sind.

Facebook-Gründer in Berlin

Zuckerberg: Das ist Facebooks Mission

Facebook-Gründer in Berlin: Zuckerberg: Das ist Facebooks Mission

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Ja, manche Themen sind für den ein oder anderen derzeit schwer zu schlucken. Sobald aber beispielsweise die Wörter „Flüchtling“ oder „Merkel“ in einem Text fallen, fühlen sich einige User offenbar dazu angestachelt, die wildesten Verschwörungstheorien und Beleidigungen gegen Politiker oder die Redaktion abzufeuern.

Als wären sie ein Hassroboter, der immer wieder seine programmierte Missgunst abspulen muss, hören sie nicht einmal dann damit auf, wenn Beiträge gelöscht wurden – sie kommentieren einfach denselben Text noch mal, wahlweise auch zu einem gänzlich anderen Thema. Die Bezeichnung „Troll“ reicht da nicht mehr aus.

Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich von den Bilderbergern lesen musste, von „der manischen Merkel“, ihrem „Zuchtprogramm“ für die „Schädlinge, von denen sich so viele gerade bei uns ausbreiten wie ein Krebsgeschwür“. Gemeint sind Flüchtlinge. Für sie wünscht man sich „die finale physische Lösung“.

Mark Zuckerberg in Berlin: „Hasskommentare haben keinen Platz auf Facebook“

Mark Zuckerberg in Berlin

„Hasskommentare haben keinen Platz auf Facebook“

Datenschutz, Live-Videos, Hasskommentare – das sind einige der Punkte, zu denen Facebook-Nutzer Mark Zuckerberg in Berlin gelöchert haben. Aber auch Tochter Max und Hund Beast waren Thema. Das Liveblog zum Nachlesen.

Widerlich, denken Sie? Es geht noch wilder – zur Veranschaulichung hier ein besonders trauriges Beispiel: User A. schrieb: „Nur der Einsatz von Waffen therapiert diese osmanischen Untermenschen.“ Untermensch – seit 1925 ein Begriff aus dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten für diejenigen, die nicht ihrem arischen Ideal entsprachen und deshalb verfolgt wurden.

Es wird nicht besser: User, die sich auf ein Thema eingeschossen haben, treiben sich gegenseitig zu derartigen Entgleisungen an. User B. schrieb dazu: „Man sollte das auch mal positiv sehen: Immerhin hat diese Schädlingskrise schon mal bewirkt, dass Teile der deutschen Gesellschaft nach rechts gerückt sind. Und sogar den Sachsen-Mob hat sie uns geschenkt.“ Ganz recht: Dieser Mensch nennt schutzsuchende Menschen, die vor Krieg fliehen, „Schädlinge“ und begrüßt es, wenn sie diffamiert und angegriffen werden.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

04.03.2016, 17:32 Uhr

Sehr geehrter Herr Eckert,

Ihre frommen Wünsche in Gottes Ohr!

Wünschenswert ist natürlich, daß die Redaktion dort, wo es sich wirklich um justiziable Posts handelt, konsequent löscht. Haßpredigten haben in einer seriösen Diskussion nichts zu suchen.

Glaubwürdig jedoch kann eine solche Moderation seitens der Redaktion aber nur sein, wenn sie unparteiisch und ohn' Ansehen der Person nach allen Richtungen hin handelt.

Wer z.B. die von Ihnen mit Recht kritisierten Posts löscht bzw. moderiert, sollte entsprechend auch mit vergleichbaren Kommentaren der Eliten umgehen. Selbst einem Bundespräsidenten sollte man die Rede vom "Dunkeldeutschland", einem Vizekanzler nicht die Beschimpfung "Pack" und einer Kanzlerin nicht die kardiologische Ferndiagnose "Haß im Herzen" durchgehen lassen.

Hier haben die Verantwortlichen für die redaktionellen Beiträge einer Internetpräsenz eine Verantwortung und eine Vorbildfunktion. Wenn sie wirklich in diesem Sinne "Mut vor Fürstenthronen" zeigen würden, könnten sie mit mehr Legitimation und vielleicht sogar mit mehr Erfolg Sachlichkeit von den Usern einfordern. Einen Versuch wäre es jedenfalls m.E. wert.

Account gelöscht!

04.03.2016, 17:35 Uhr

Herr Kommentator-Volontär!
Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Zeit. Schade, dass Sie nicht bis nach den Landtagswahlen beim HB geblieben sind.

Herr Franz Paul

04.03.2016, 17:50 Uhr

Braucht man sich nicht wundern, wenn sich der von allen Seiten gequälte Deutsche wenigstens verbal wehrt. Wenn Politiker angemeldete, reguläre Demos entweder von der Polizei oder der Antifa niederknüppeln lassen, wenn sie die Leute, von deren Geld sie ihr fürstliches Leben gestalten, permanent beleidigen und bevormunden, dann sind all diese "Hasskommentare" doch eine harmlose Reaktion. Vor allem, wenn man bedenkt, was wir als Gegenleistung dafür bekommen: sexuelle Perversionen und Drogenmissbrauch, das Land mit Fremden fluten und die Last auf die Bürger ständig steigern.
Die sog. "Antifa" und gewisse Politiker schreien "Deutschland verrecke" und "Volkstod", und dafür müssen wir sie noch bezahlen. Nein, dass sind nicht Hass- das sind Wut-Kommentare. Gnade uns allen Gott, sollten sie plötzlich aufhören. Sie sind (noch) das Ventil....

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