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20.02.2015

08:38 Uhr

Kommentierte Ausgabe

Hitlers „Mein Kampf“ soll 2016 erscheinen

70 Jahre nach dem Tod Adolf Hitlers laufen die Urheberrechte an dem Buch „Mein Kampf“ aus. Wissenschaftler möchten eine kommentierte Ausgabe herausbringen. Die Aktion ist von der Finanzierung bis zum Druck umstritten.

Das Buch des Diktators wird durch das Verbot mystifiziert, sagt das Institut für Zeitgeschichte – und möchte deshalb eine kommentierte Ausgabe herausgeben. dpa

Hitlers „Mein Kampf“

Das Buch des Diktators wird durch das Verbot mystifiziert, sagt das Institut für Zeitgeschichte – und möchte deshalb eine kommentierte Ausgabe herausgeben.

MünchenDas Institut für Zeitgeschichte (IfZ) will seine kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ voraussichtlich Anfang Januar 2016 veröffentlichen. Ende 2015, gut 70 Jahre nach Hitlers Tod, laufen die Urheberrechte aus, die der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger des nationalsozialistischen Franz-Eher-Verlages innehat. Bis zu 2000 Seiten lang soll die zweibändige Ausgabe sein, wie der stellvertretende Institutsdirektor Magnus Brechtken sagte. 780 Seiten stammen aus dem 27 Kapitel umfassenden Original von Adolf Hitlers Hetzschrift, den Rest machen bis zu 5000 wissenschaftliche Kommentare sowie Einleitung und Register aus. Das Projekt läuft schon seit einigen Jahren und befindet sich nun im Endspurt.

Im Jahr 2012 hatte der Freistaat Bayern angekündigt, die kommentierte Ausgabe mit 500.000 Euro zu fördern - bis Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) es sich nach einem Besuch in Israel anders überlegte und in Bayern völlig überraschend erklärte, das Projekt nicht mehr finanziell zu unterstützen. Seehofers Begründung: „Ich kann nicht einen NPD-Verbotsantrag stellen in Karlsruhe und anschließend geben wir sogar noch unser Staatswappen her für die Verbreitung von „Mein Kampf“ - das geht schlecht.“ Brechtken betont: „Unsere Arbeit ist davon unabhängig, wir sind ein wissenschaftliches Forschungsinstitut.“

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Fast 70 Jahre nach Hitlers Tod wird um seine Hetzschrift „Mein Kampf“ gestritten. Der Freistaat Bayern ließ eine Veröffentlichung gerichtlich verbieten und siegte vor Gericht. Der Kampf um „Mein Kampf“ ist damit nicht beendet.

Im Sommer des vergangenen Jahres hatten die Justizminister der Bundesländer entschieden, die unkommentierte Verbreitung von „Mein Kampf“ solle auch nach dem Auslaufen der Urheberschutzfrist in Deutschland verboten bleiben. Ein Sondergesetz soll es zwar nicht geben, die geltende Rechtslage aber, etwa der Straftatbestand der Volksverhetzung, reiche aus, um den Nachdruck zu verhindern.

Wie es mit kommentierten Ausgaben und der jahrelangen Arbeit des Institutes aussieht, das sagten die Justizminister nicht explizit. Wenn eine wissenschaftlich kommentierte Ausgabe sich klar von dem Inhalt abgrenze, sei eine nicht-strafbare Veröffentlichung unter Umständen möglich, beurteilte eine Sprecherin des bayerischen Justizministeriums die rechtliche Situation. Das müsse im Einzelfall und anhand des konkreten Textes von Gerichten beurteilt werden.

„Wir wollen Hitler umzingeln“, hatte IfZ-Chef Andreas Wirsching im vergangenen Jahr gesagt. „Was wir herausbringen, ist eine Anti-Hitler-Schrift.“ Tatsächlich lasse es sich einem Holocaust-Überlebenden nur schwer erklären, warum in Deutschland „Mein Kampf“ wieder gedruckt werden soll, räumte er ein. Aber: „Ein Verbot ist nicht mehr als Symbolpolitik“, sagte er. „Und Symbolpolitik am falschen Ort, weil sie nur der Mystifizierung dieses Buches dient.“

Von

dpa

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